Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 470 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Wien, 16. Juli. Die unruhigen Auftritte in Mantua haben hier eine um so größere Aufmerksamkeit erregt, je wahrscheinlicher es die ersten Nachrichten machten, daß sie sich an allen Orten wiederholen dürften, wo es neben der christlichen auch eine zahlreiche jüdische Bevölkerung giebt. Auf die erste hierher gelangte Anzeige waren die bestimmtesten Verordnungen zu energischer Niederhaltung der sich etwa weiter verbreitenden Aufregung, und zum Schutze der Juden, nach Mantua abgegangen. Frankreich. Vom französischen Oberrhein, II. Juli. Ueber die Wahl Cerfberr's zum Deputirten drückt sich eine Korrespondenz des Franks. Journ. so aus: Der Sieg des Ministeriums bei den Wahlen in unfern Departementen ist höchst bedeutungsvoll, denn die Majorität für die konservativen Deputirten ist sehr stark. In Strasburg, Hagenau, Kolmar und Mühlhausen haben die Kandidaten der Opposition eine Niederlage erlitten. In Weißenburg wurde einer der ausgezeichnetsten Israeliten Frankreichs, Herr Obristlicutenant Cerfberr, zum Volksvertreter gewählt. Dieses Resultat der Abstimmung jener elsässischen Gränzstadt ist ein schönes Zeichen der dort vorherrschenden Gesinnung, denn man ließ es an Jntriguen aller Art von Seite der Gegenpartei nicht fehlen, um das Votum für einen jungen begüterten Mann, Hrn. de Bussieres, der wahrend der vorigen Session 3 Monate gegen den Willen der Weißenburger als Deputirter in der Kammer gesessen hatte, abermals zu gewinnen. Die Bewohner Weißenburgs brachten den gestrigen Tag, nachdem das Resultat der Wahl in ihrem Sinne ausgefallen war, mit Festlichkeiten aller Art zu. Die Schweiz. Nach der neuesten Zahlung hat die Schweiz 2,177,485 Einwohner, worunter 1,292,871 Protestanten, 882,859 Katholiken und 1755 Juden. (K. Z.) Deutschland. Karlsruhe, 16. Juli. (Karlsr. Z.) In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer verlas der Abg. Züllig den Kommissionsbericht über die Emanzipation der Juden. Die Sache wurde durch 45 Mitglieder jenes Bekenntnisses aus Mannheim neu angeregt, welche Gleichstellung oder mindestens Modifikation zweier ihnen entgegenstehenden Gesetze begehrten. Der Kommissionsbericht setzte in fast anderthalbstündigem Vortrage auseinander, daß man fern von Unduldsamkeit und Vorurtheil sei, es aber zu bedenken wäre, daß sich die Israeliten, welche die alten talmudischen oder Rabbiner-Gesetze streng befolgten, selbst außer Stand brächten, die Gleichheit annehmen zu können, da sie sich körperlich durch ein Zeichen, 'und ferner durch Gebräuche, Speisegesetze, Sabbatfeier u. s. w. von der größeren christlichen Bevölkerung streng sonderten. Diejenigen, welche das Begehren gestellt hätten, wollten vermuthlich den Separativgesetzen entsagen und ihnen wäre die Annahme zu wünschen, ja es sei billig und gerecht, sie zu bewilligen; aber dies seien bisher nur Vermuthungen. Die Bittsteller hätten aussprechen sollen, daß sie den Reformen zugethan seien und nur für diese die Emanzipation begehrten, dann hätte ihnen die Kommission Wege angeben können; da dies aber nicht geschehen, wären die Schwierigkeiten groß, die nicht in der Moral lagen, da ihre Schrift ja auch einen Theil unserer heiligen Bücher ausmachte, und sie an die Einheit des unsichtbaren Gottes glaubten, sondern in äußeren Verhältnissen beständen, die ein Buch aufrecht erhielten, welches Einige historisch, Andere praktisch nennten, welches Gott als racheathmend beschreibe und den Aberglauben begünstige u. s. w. Als die Verlesung des Kommiffionsberichts vollendet war, hatte sich die Kammer fast ganz zerstreut, so daß am Schlüsse der Vorlesung nur noch 19 Mitglieder, das Präsidium und der Berichterstatter im Saale zugegen waren, und um halb 2 Uhr die Sitzung geschlossen wurde. Preußen. Magdeburg, 18. Juli. Die Preuß. Staats- Zeitung No. 194. 195. enthält abermals einen Aufsatz von Herrn Staatsrath Hoffmann, der, auf gründlichere Angaben sich stützend, auch viel mehr zum Bessern sich neiget, obgleich er nur den Zustand von 1822, also vor 20 Jahren bespricht. Zuvörderst beleuchtet der Eingang des diesmali-