Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Seite 461 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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461 „Zn Betreff der von einer löblichen Kommission „mir zur Durchsicht vorgelegten Synagogenord- „nung beehre ich mich zu erwidern: Sie kennen „mich, meine Herren, seit vielen Zähren, und „wissen, wie sehr ich jeder Veränderung im Gottesdienste abgeneigt bin, wenn wirklich durch sie „irn-DK na ibbsnfitt rsbsnn verletzt werden. Da mir aber die wohllöbl. Kommission im „Namen der geehrten Gemeinde ernsthaft vorstellte, „daß, wenn der Gottesdienst nicht auf eine gefäl- „ligere, der Zeit angemessenere Weise begangen „werde, ernstlich zu befürchten stehe, daß derTem- „pelbesuch, besonders a?n tön rrnbnpa „immer mehr abnehmen werde, und mir „zu diesem Zwecke Abänderungen vorlegte: so habe „ich pflichtmäßig dieses thun müssen, ms'-ib daß „wenigstens nichts “iw darin ist, und wenn „auch rnannaa mr-ab bba t"“ per, so „kann ich doch nb^bn das Ganze nicht stören." Hochachtungsvoll zeichnet Braunschweig, S. L. Egcrs, d. 8. März 1842. (L. 8.) Landrabbiner.") Hamburg, 11. Juli. (Privatmitth.) Am 8. Juli ward hier ein allgemeiner Buß- und Bettag vom Senat und dabei eine Kirchenkollckte zum Besten der abgebrannten Hauptkirchen angeordnet. Auch die Juden nahmen, obgleich nicht direkt aufgesordert, hieran Theil. In der Hauptsynagoge predigte der Chacham Bernays und wurden einige Selichot gebetet, in der portugiesischen Interims- Synagoge predigte Herr Chasan Cessuto und im Tempel der Prediger Or. Salomon. Ueberall wurde *) Das Verhältnis, das aus diesem Schreiben des ehrwürdigen Greises hervorgeht, gicbt uns ein erquickliches Bild, das uns um so mehr, zu Herzen gehen muß, je öfter wir gegenwärtig den Frieden der Gemeinden durch Hartnäckigkeit gestört sehen. Mit obiger Erklärung ist aber auch jeder Zweifel über die vollständige Erlaubnis zur Einführung der neuen Agende von Seiten des ehrwürdigen Herrn Landrabbinen beseitigt. Er hat dargethan, daß er sie zwar nicht selbst eingeführt, d. h. baßer nicht den Impuls zur Einführung gegeben, wohl aber daß er die Einführung mit vollkommen freipm Willen gestattet und gut geheißen hat. Die schöne Einsicht in das Bedürfniß der Zeit, die der ehrwürdige Mann dabei an den Tag legt, muß ihm die Herzen aller Israeliten gewinnen. Der Redakteur. für die abgebrannten Synagogen kollektirt, inr Tempel auch für die abgebrannten Kirchen. Wäre der Tempel abgebrannt, er hätte freilich weder von den Synagogen noch von den Kirchen einen Deut erhalten. Der bekannte Prediger Pleßner aus Berlin hat hier in einigen Betlokalen (Klause, Agudda- Jeschara-Verein) mit vielem Beifalle gepredigt. Es ist nicht bekannt, ob mit diesem Auftreten noch weitere Zwecke verknüpft sind, es scheint jedoch nicht, als ob er beabsichtigte, mit den Anhängern des Tempels in freundschaftliche Beziehung zu treten, da er nicht einmal bei dem Du. Salomon, von dem man doch sagen könnte hu-haja-abi-kol-Prediger neuerer Zeit, das Handwerk gegrüßt hat. Die Richtung der jüdischen Angelegenheiten in Preußen betrübt hier den am meisten, der diese Angelegenheiten seit 1816—17 verfolgt. Damals drang die Preußische Regierung, Hardenberg an der Spitze, bei der freistädtischen Regierung aus volle Emanzipation der Juden. Die drei großen Monarchen selbst bemühten sich in der Sache. Die Städte widerstanden; Hamburg zumal, nicht abgeschreckt von dem Popanzworte „Staat im Staate," ertheilte den Juden, übrigens durchaus ohne Haß, keine bürgerliche, wol aber die kräftigsten korporativen Rechte, so kräftig, daß, wenn Meyerbeer und Rothschild sich hier längere Zeit aufhaitcn wollen, sie vor der Erlaubniß der Polizei erst die der jüdischen Frcmden-Kommission haben müssen. Und jetzt will das große Preußen bei dem kleinen Hamburg in die Schule gehn, und ihm seine korporative Verfassung nachmachen! Und das gerade in dem Augenblick, wo ein Theil von Hamburg im Begriff ist, cs sich zu überlegen, ob es nicht einmal darüber Nachdenken wolle, daß man sich vielleicht entschließen könne, über eine Veränderung der Lage der Juden gelegentlich Pläne zu machen! Die Braunschweiger Agende findet hier Beifall, da sie den Willen zeigt, nicht alle Reform in dem bessern Singen allein bestehen zu lassen. Es ist zu bewundern, daß der Herr Dr. Herzfcld unter seinen Quellen, nicht geradezu das Tempel-Gebetbuch nennt; denn wir möchten fragen, wo er denn sonst sein Adonay mah Adam (der Name Seelen-Messe ist freilich seine eigene Erfindung) und den Gebrauch der Mischna Kol Israel her hat, als aus diesem? 31