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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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459 reich, Holland, England, Dänemark ff. Ln weit überwiegender Mehrheit sittlich verwahrlost sei — wo nicht — so tragen Sie den ganzen Schimpf unerwiesener Beschilnpfungen! Lesen Sie die Broschüre des Staatsraths vr. Hoffman« „zur Judenfragedie in Ihrem Blatte ja genugsam belobt wird. Da werden Sie finden: daß die Juden nur den vierten Theil unehelicher Geburten in Preußen haben, wie andere Konfessionen; daß die Juden länger leben, weil sie mäßig sind, nüchtern, anständig; daß die Juden ihre Kinder sorgfältiger pflegen und warten. Sehen Sie sich in den Kriminalstatistiken Hollandes, Badens und überall, wo authentische Rachweisungen über das Verhältniß der schuldig befundenen Verbrecher nach den Konfessionen gegeben werden, um, sehen Sie die Listen der Zucht- und Korrektionshäuser nach — nirgends, oder nur höchst selten' wird sich das Verhältniß anders als zu Gunsten der Juden Herausstellen. Fragen Sie bei den Gerichten über das Verhältniß der Ehescheidungsklagen nach. Wo also den Beweis der sittlichen Verwahrlosung in der weit überwiegenden Mehrheit hernehmen'? Das Familienleben des Juden ist böchst sittlich, den groben Leidenschaften huldigt er wenig, grobe Verbrechen begeht er weniger; ob er Werke der Barmherzigkeit übet? Ich glaube kaum, daß Sie es läugnen werden. Und daß er seit tanger Zeit sich hierin nicht mehr bloß auf seine Glaubensgenossen beschränkt, ist bewährt. Wohl, der Jude hat seine Fehler, der Jude begeht Verbrechen,, der Jude läßt sich auch üble Dinge zu Schulden kommen, er ist kein Tugendheld-aber sittliche Verwahrlosung in weit überwiegender Mehrheit, die will ich von Ihnen erwiesen haben! Auf diese Weise hoffe ich noch nicht von Ihnen auf immer zu scheiden. Sie werden, Sie müssen mir antworten, und das will ich abwarten. Zeitungsnachrichten. Syrien. Nach einem der Frankfurter Oberpostamts-Zeitung vorliegenden Schreiben des Oberrabbiners Jakub Antibi aus Damaskus ist die Gesundheit dieses 82jährigen Greises in Folge der vor zwei Jahren erlittenen Folterqualen so sehr angegriffen, daß derselbe sich außer Stande befindet, sein geistliches Amt weiter zu versehen, und dieses daher kürzlich niedergelegt hat, um den Rest seiner Tage in Jerusalem zu verleben. Herr Antibi ist einer von den Beiden der^ wegen der angeblichen Ermordung des Pater Thomas Angeschnldigten, welche sich nicht (wie sieben ihrer Leidensgenossin gethan) endlich durch die Tortur falsche Geständnisse abpressen ließen, vielmehr alle Martern standhaft erlitten, ohne sich fälschlich für schuldig zu bekennen. Da Herr Antibi bei Gelegenheit jener Verfolgungen sein ganz bescheidenes Vermögen einbüßte, so wäre sehr zu wünschen, daß der löbliche Eifer seiner europäischen Glaubensgenossen, welche im vorigen Jahre auf Ehrenbezeugungen für die edlen Bestrebungen der Herren Cremieux und Montesiore beträchtliche Summen verwendeten, sich auch nun dem beklagenswerthen Schlachtopfer zuwendete, um dem ehrwürdigen Greise die kleinen Bedürfnisse des Lebens zu verschaffen und ein vom Mangel befreites Alter zu bereiten. (Es wäre doch höchst merkwürdig, wenn, um einen 82jährigen Greis zu unterhalten, die Barmherzigkeit aller europäischen Glaubensgenossen angebettelt werden müßte. So viele Mittel werden die Damasker Juden noch haben, um ihrem alten Oberrabbiner eine Pension auszuzahlen. Wir messen daher diesem Schreiben keinen Glauben bei. Redakt. d. A. Z. d. I.) Italien. Wien, 8. Juli. In Mantua waren Unruhen durch einen Streit zwischen Juden und Christen entstanden. Die erste Veranlassung dazu gab ein in einem Kaffeehause entstandener Wortwechsel, in welchem ein Jude seinem Gegner, einem Christen, drei Dolchstiche versetzte. Bald darauf enspann sich zwischen den beiderseitigen Glaubensgenossen ein Kampf, der das Einschreiten der Militärmacht nöthig machte. Nicht ohne Mühe sollen die Juden in ihr Ghetto, aus dem sie einen förmlichen Ausfall gegen die Stadt gemacht hatten, zurückgebracht worden sein. So weit die Nachrichten gehen, war an den Wunden niemand gestorben. Von der italienischen Granze, 6. Juli. Aus Mantua ist die für jeden Menschenfreund gewiß betrübende Nachricht eingegangen, daß es daselbst zwischen den Christen und Israeliten zu einem Konflikt gekommen ist, der leider einige Menschen-

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