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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 Wenn Sie aber sagen, Laß irgend eine Partei Inden als Juden behandelt sein wolle, während sie im Herzen Längst aufgehört hat, Inden zu sein — so haben Sie Sich abermals einer falschen Insinuation schuldig gemacht, zu der Sie nur die Berechtigung Ln dem falschen Streben fanden, das ans Ihrem ganzen Artikel hervor leuchtet. Freilich enthält das Judenthum eine Menge von Gesetzen und Vorschriften, aber diese sind, wie sich der große Talmndist Hillel ausdrückte, nur der Kommentar. Das Judenthum enthält außer dieser, allerdings in vielfacher Beziehung herrlichen, und das Heil seiner Bekenner bezweckenden Hülle noch einen großen, erhabenen Kern an Lehre, Bekenntniß und Moral. Die Lehre vom einigen, unkörperlichen Gotte, von der Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen in Versöhnung und Sündenvergebung, das Bekerintuiß der Offenbarung an Israel, das religiöse Moralgesetz der Heiligung in Gott, der Nächstenliebe und persönlichen Freiheit und Rechtsgleichheit; und neben diesen das historische Bewußtsein des Israeliten, das aus einer langen Vergangenheit in die weiteste Zukunft reicht, und seiner Mission in der Menschheit als Mittelpunkt aller wahren Gottcserkenntniß gewiß ist: diese Momente in ihrem ganzen, großen Ausbau wachen den Juden noch zum Juden, auch wenn er im Detail des Ritualgesetzes weniger vorsichtig ist, und die Grenzlinie der auf Palästina beschränkten Gesetze ebenso weiter auszudehnen sich befugt hält, wie seit geraumer Zeit die ganze mosaische Jurisdiktion dem Juden von den europäischen Staaten genommen ist. Auch dies hatten die Talmudisten im Sinne, wenn sie den Ausspruch thun, daß als Jude anzusehen, so lange dieser noch sein „Höre, Israel, der Ewige ist einig!" festhält. Aber wir wissen wol, was Sie und viele Andere beabsichtigen, wenn sie in diesem Augenblicke so sehr auf die Befolgung der Cerrmonialgesetze von Seiten der Juden dringen, und so zarte Fürsorge für das ganze Gebäude des alten JudenthumS auödrücken — Ihr wollet einen Riß Hervorrufen im Heerlager Israelis, und diesen Riß unheilbar machen; ihr wollet die Altgläubigen allen Bewegungen der Zeit entfremden und sie argwöhnisch machen gegen Alles, was nur irgend der Zeit sich anschließt. Und diese Letzteren, nun wohin Ihr diese drängen wollt — ist ja längst bekannt. Aber es sollen und werden diese Versuche nicht gelingen, es wird dem Judenthume nicht die Kraft fehlen, sich hindurchzuarbeiten. Aber genug hiervon, denn wir wollen nicht thrologasier«. Wie «Arrisch ist es aber, daß sie behaupten, jene Neuerer wollen vom Staate als Juden behandelt sein, nachdem sie im Herzen längst aufgehört, Juden zu sein. Wird der Jude etwa vom Staate so sehr gehätschelt und auf Händen getragen, daß es für ihn appetitlich ifl, Jude zu heißen, so er nichts mehr für sein Judenthnw fühlet? Der Nonsens liegt hier fingerdick auf. Sie weisen nun noch darauf hin, daß die Juden im Staate nicht verachtet würden — weit Meyerbeer Ritter des Verdienstordens geworden. Uns, Herr H., will dies nur bedttnken, daß damit erwiesen worden, wie Meyerbeer nicht verachtet wird, und weiter gar Nichts. Sonst erblicken wir nur eine Anomalie und Inkonsequenz darin. Denn so lange der Jude, weil er Jude ist, gesetzlich nicht einmal Lehrer der Botanik, oder Gerichtsschreiber werden kann, so lange der Jude, weil er Jude ist, nicht Unteroffizier, der Jude Stadtverordneter, aber nicht Schiedsmann ff. werden kann: so lange ist der Jude als Jude verachtet, und wenn 10 Meyerbeers und 10 Rothschilds Orden und Stellen bekommen. Offen gesagt, daß Se. Majestät dem Talente ein Zeichen der Huldigung verliehen trotz dem Glaubensbekennrniß, ist schön und edel und verehrungswürdig — aber in dem trotz liegt das ganze Uebel. Und kommen Sie nun mit Ihrer Folgerung, daß wir nunmehr uns nicht mehr als verachtet anseben können: so klingt uns dies nur wie Hohn. Und dieser Hohn bringt Sie zu einem Schlüsse, der eine Bosheit wird. Hier steht sie: „Aber wenn man die Juden, als solche, nicht verachtet, so folgt daraus nicht, daß man sie zu alten bürgerlichen Rechten zulassen soll, die bisher den christlichen Staatsbürgern Vorbehalten waren, und von denen sie theils ihr Glaubensbekenntuiß, so fern sie demselben nicht untreu werden wollen, theils die freilich nur durch Jahrhunderte der ungerechtesten Unterdrückung zu erklärende, jetzt aber einmal vorhandene und nicht im Augenblicke aufzuhebende sittliche Verwahrlosung der weit überwiegenden Mehrheit ihres Stammes ausschließt." Sehen Sie, da haben Sie den ganzen Pferdefuß, nachdem Ihr H. uns längst die Hahnenfeder kund gethan. „Die sittliche Verwahrlosung der weit überwiegenden Mehrcheit ibreS Stammes!" Heraus, Herr Hermes, heraus, wenn Sie ein Mann der Wahrheit sind, wenn Sie nicht bloß der augenblicklichen Zeitlaune als Zeitungsschreiber Beifall abbuhlen wollen, heraus mit Beweisen! Fakta, Fakta, keine boshaften Tiradeu, keine leeren, trügerischen Reden: „ein Königreich ttm. Fakta!" Beweisen Sie, daß der Jude in Preußen, Deutschland, Frank-

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