Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Seite 456 (sequence 4)
- Language
- German
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456 Juden, obschon sie mit dem Schwerte in der Hand unterjocht worden, hatten das römische Bürgerrecht. — Und noch Eines. Lesen Sie Ihre Phrasen noch einmal, und bemerken Sie, wie Sie das Chriflenthum und die Vernünftigkeit gegenüberstetten, wie Ihre Worte geradezu involvireu, daß — mmu Feder sträubt sich, die Folgerung, die aus Ihren Worten fließt, rüederzuschreiben, Sie verdienen zu den „Freien" zu gehören, die Sie doch selbst denunzirt haben. Sie sehen, mit Ihren allgemeinen Phrasen sind Sie schlecht gefahren, Sie haben in wenig Worten so viel Verkehrtes und Falsches gesagt, daß bei genauerer Erwägung vor den Konsequenzen Ihrer Sätze Ihr eignes Haar sich sträuben müßte. Gehen wir nun in die positiven . Beweise für Ihre Unduldsamkeit und Ihre Beschränkun-! gen ein. Hat sich die Logik des Herrn H. im objektiven l Theile sehr kurz und fadenscheinig erwiesen, wie nun im ' subjektiven? j Sie sprechen zuerst von den Ländern, in welchen die! Juden emanzipirt sind. Holland, meinen Sie, habe die I Juden emanzipirt, als es sich von den Spaniern losriß! und die von den Spaniern verfolgten, mit reichen Geldj Mitteln versehenen Juden willkommen hieß. Woher haben j Sie dies, Sie, Geschichtsschreiber? Sie sind gänzlich j im Irrthum, denn die Emanzipation der Juden geschah erst den 2. September 1796, und hatten die Juden vorher auch einige Freiheiten mehr in Holland als anderwärts, so waren sie doch sowol von den Innungen j als auch vom Staatsdienste ausgeschlossen, und waren der Jurisdiktion und Macht der Rabbinen außerordentlich unterworfen. So fällt Ihr ganzes Raisonnement über den Haufen. Was soll man nun von den Vorwürfen halten, die Sie auf die holländischen Juden häufen? In keinem europäischen Staate bekleiden so viele Juden Staatsämter, wie in Holland, und ich verpflichte mich, Ihnen in der kürzesten Zeit den glänzendsten Gegenbeweis zu liefern. Ein schwedischer Konsul in Amsterdam, Egidius, hat vor Kurzem die holländischen Juden ebenfalls zu schmähen versucht, und darauf haben sämmtliche Ministerien und viele hohe Würdenträger, z. B. General Chassv die ausgezeichnetsten Zeugnisse für die holländ. Juden erlassen, die ich Ihnen in einigen Tagen werde mittheilen können. General Chasse sagte darin unter Anderm: wenn er einen Feldzug zu machen hätte, so würde er sich glücklich schätzen, einige Tausend Juden unter seinem Kommando zu haben! Und doch wollen Sie die holländ. Juden dem Volksgeisie, dem Patriotismus gänzlich ent- \ fremdet darstellen? Schreiben Sie stets Geschichte auf diese Weise? oder verfahren Sie bloß so in der Politik? — Also, Ihre Assertion geht dahin, die Inden in Holland find in Sitte und Gebrauch zu sehr Juden geblieben. Und in Frankreich? Ja, da behaupten Sie, sind die Juden solche nur noch dem Namen nach, die große Mehrzahl hält keines der jüdischen Religionsgesetze mehr ff.! „Die große Mehrzahl" ist gewiß, ist sicherlich falsch. Aber ' wie? Die Wirkung der Emanzipation in Holland soll darum eine schlechte sein, weil die Juden allen ihren Religionsgcbräuchen treu geblieben; und die Wirkung der Emanzipation in Frankreich soll darum eine schlechte sein, weil die Juden ihren Religionsgebränchen untreu geworden. Wo ist nun da Logik und Verstand? Wie soll man es nun recht machen; wenn Alles, was man tbut, schlechte Wirkung hervorbringt. Es ist dies wirklich kurios! Sie kommen, woblunterrichteter Herr Doktor, auf England zu sprechen. Da sagen Sie: „England, das häufig gleichfalls als eines der Länder genannt wird, in denen die Juden einer vollkommnen Rechtsgleichheit genössen, hat vielmehr die im Parlament mehrfach beantragte Juden-Emanzipation bisher beharrlich verweigert." Fast fühl' ich mich versucht, nicht bloß Uttkenntniß dessen, worüber Sie schreiben, sondern auch Täuschung, absichtliche Täuschung m Ihnen zu suchen. England hat die Juden-Emanzipation verweigert? Wissen Sie nicht, oder wollen Sie nicht wissen, daß das Unterhaus schon dreimal die Juden emanzipirt haben wollte, und zwar mit Majoritäten von 1V0 bis 150 Stimmen? Wissen Sie nicht, daß aus allen Enden des Landes Petitionen zu Gunsten der Juden an das Parlament gelangten, daß der Lordmajor von London sich selbst an die Barre des Unterhauses begab, um eine Petition der City zu Gun-! sten der Inden zu überreichen? Wissen Sie nicht, daß nur der hartnäckige Widerstand von einem Dutzend Pear's! die Bill zum Verwerfen brachte, da doch die Regierung! Ihrer Majestät sie selbst beantragt hatte? Also ein Dutzend Pear's sind Ihnen England, aber die Regierung, das Unterhaus, das Volk ist nicht England? Wahrlich,; wäre es auf ein Dutzend Pear's angekommen, auch die Katholiken wären in England noch nicht emanzipirt; daß aber das Schicksal der Handvoll englischer Juden eine Agitation, wie das der Katholiken nicht hervorbrachte, das liegt in der Natur der Sache, und wäre zu viel gefordert. Während Sie also in . Holland die Juden die aus der Emanzipation fließenden Erwartungen täuschen lassen, weil