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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 454

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 454 (sequence 2)
Language
German
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454 Ihren Werth daraus deduziren, so fürchte ich, es wird ein Hermes daraus, der bekanntlich mit einem Kopf ohne Herz, Arme und Beine dargestellt wird. Rach einem kurzen Ueberblick der Verhältnisse, den ich Ihnen schenken will, und woraus die Verwirrung unsrer Lage im preußischen Vaterlande sich schon sichtbar macht, fahren Sie fort: „Jene moderne Schule des StaatSrechts, die den Staat nach allgemeinen Grundsätzen aufbaut, ohne sich um die gegebenen Verhältnisse zu bekümmern, würde sich leicht zu helfen wissen. Sie erklärt es für einen Ueberrest mittelalterlicher Barbarei, wenn der Staat irgend einen Unterschied unter seinen Bürgern nach ihrem Glaubensbekenntnisse macht, und verlangt, daß man die Juden überall mit den Christen auf vollkommen gleichen Fuß stelle. Unglücklicher Weise ist es bis jetzt noch nicht gelungen, irgend wo in der Welt einen reinen Vernunftstaat zu bilden. Wir Menschen sind schwache, gebrechliche Wesen, voll Leidenschaften und Vorurtheile, die sich durch keinen Beschluß der Gesetzgebung aufheben lassen und auf welche daher auch unsere bürgerlichen Einrichtungen berechnet sein müssen, wenn sie ihren Zweck nicht verfehlen sollen." Dies also ist das Prinzip, die Basis des Hermes'schen Staatsrechts, und Jedweder wird gestehen, das ist ein weises Prinzip. Denn mit diesem Prinzip in der Hand soll es mir nicht schwer werden, jede Ungerechtigkeit zu entschuldigen, jeden Druck zu vertheidigen, jede Tyrannei zu rechtfertigen. Ich brauche nur zu sagen, es ist eine Leidenschaft, ein Vorurtheil, auf welche dieses und dieses beschränkende, bedrückende, fesselnde Gesetz berechnet ist, und die Vernunft, die dagegen spricht, kann und darf nicht gehört werden — um selbst die Thaten eines Robespierre, um selbst eine St. Bartholomäusnacht zu rechtfertigen. Mein lieber Herr H.! was für eine unvernünftige, leidenschaftliche Theorie bauen Sie da auf. Hiermit ist denn eine jede unterdrückte Partei zum Stillschweigen verdammt. In einem Lande, wo unglücklicher Weise die katholische Kirche unterdrückt wäre, braucht man nur einzuwenden, zwar spricht die Vernunft, ihr Katholiken solltet mit den Protestanten gleicher Rechte genießen: aber die Leidenschaft, das Vorurtheil dos Religionshasses ist da, sie läßt sich nicht wegpusten, und so muß das Gesetz darauf berechnet sein, und ihr nachstehen. Rach diesem Prinzip wären die englischen Katholiken noch lange nicht emanzipirt, und Spanien war im Rechte, als es die Protestanten mit Feuer und Schwert verfolgte. Sehen Sie, ich habe gerade eine diametral verschiedene Ansicht, und meine: weil die Menschen voll Leidenschaft und Vorurtheile sind, muß daS Gesetz über diese erhaben stehen, mt die Menschen davon zu Helten; darf das Gesetz jenen nicht Huldigen, um nicht selbst von ihnen verschlungen zu werden. Denn ein Gesetz, das von Leidenschaft und Vorurtheil durchtränkt ist, nennt die Finster« niß Licht, das Saure Süßigkeit, verewigt Haß und Unterdrückung, und stempelt sie zu Gerechtigkeiten und Liebe! Und wer von uns hat nun Recht? Fragen Sie die Weisen und Großherzigen aller Nationen und Zeiten, fragen Sie den Stifter Ihrer Religion selbst! Doch Sie benutzen diesen Stoßseufzer von den Leidenschaften und Vorurtheilen der Menschen noch zu etwas ganz Anderm. Sie fahren nämlich fort: „Wir Christen so wenig, als die Juden, sind reine Vernunftwesen; wir erkennen die Schwächen und die Gebrechen, die wir an uns tragen; und wir haben, die Ueberzeugung, daß nur die Religion uns aus dem mangelhaften Zustande, in dem wir uns befinden, zu einem höheren, besseren, reine- - reu und sittlicheren erheben kann. Die Religion, von der wir diese Wirkung mit Zuversicht erwarten, ist die christliche, und alle unsere Staatsgesellschaften sind deßhalb ihrem Wesen nach auf das Christenthum begründet; alle unsere bürgerlichen Einrichtungen sind von dem Geiste des Christenthums durchdrungen. Sollen wir diese Grundlage, auf der wir uns sicher fühlen, die uns eine schönere glücklichere Zukunft verbürgt, sollen wir sie aufgebm, um den Forderungen des Vernunftsiaates zn genügen? Sind wir deßhalb unvernünftig, weil wir nicht Alles, was an und für sich vernünftig wäre, auf unsere bestehenden Verhältnisse anwendbar finden? Wir glauben nicht. Wir glauben, daß wir, so lange wir die Religion als die Grundlage unserer bürgerlichen Einrichtungen anerkennen, den Juden unmöglich vollkommen gleiche Rechte mit den Christen gewähren können, ohne in einen Widerspruch mit uns selbst zu fallen, dessen nachtheilige Folgen uns zeitig genug fühlbar werden würden. Bei jeder Gesetzgebung zur Feststellung der jüdischen Verhältnisse in einem christlichen Staate kann es sich daher unserer Meinung nach immer nur um ein Mehr oder Minder der den Juden anfzulegenden Beschränkungen, keineSweges um völlige Aufhebung dieser Beschränkungen handeln." Indem ich diese Ihre Worte abschreibe, fühle ich mich zu dem heftigsten Ausbruche des Grimms geneigt. Nicht, Herr, weil Sie uns mit mehr oder minder großen Beschränkungen versehen wollen — denn das ist ja uns so etwas Ungewohntes nicht — sondern weil hier abermals

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