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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-23 · Heft 30 (23.7.1842) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 30 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 449 (sequence 13)
Language
German
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verdankt man derjenigen, der wir Christen das härteste zuschreiben. Sie sind in ihrem Ursprünge ein Zeugniß der Gottesverehrung, mögen sie nun auf öffentliche, oder Privatkosten erbaut sein. Dies Letztere ist oft der Fall. Der fromme Mohamedaner oder Hindu macht diesen Herbergen Vermächtnisse, wie der Christ den Kirchen, Klöstern und Hospitälern. Das ganze Menschengeschlecht ist's, dem er in seinem Herzen wohlwill, sei's, daß er eine solche Herberge mit Thoren nach allen Weltgcgendcn errichtet, oder eine Cisterne in der Wüste anlegt, oder die frische Quelle zum Lagerplatz der Zugthiere hinleitet. Auch derer denkt er, der alte, bärtige, barsche Philanthrop, den Allah, Brama, und der Gott der Christen segnen möge! Jenseits des todtcn Meeres ist eine Wüste im brennenden Syrien, so diese Barmherzigkeit der Ungläubigen vergessen hat, — nicht weil jene nicht von ihr entdeckt worden, sondern weil ihr Allah grade am Ende der Tagereise ein natürliches Caravanserai, in einer ungeheuren Platane gegeben, welche Raum, Obdach und frisches Wasser für eine ganze Karavane, wenn's sein müßte, darbietet. Eines Abends versammelte der Zufall darunter einen Mahomedaner, einen Christen und einen Juden. Kaum hatte der Mahomedaner, ein Mollah (Priester) sein Roß getränkt als ein schwarzer Fleck am Horizont ihm die Ankunft eines Fremden verkündigte. Es war der Christ, ein Mönch von den Brüdern des heiligen Berges; ein Maulesel trug ihn von Haleb nach Jerusalem. „Salem Aleikum!" sagte der Mollah zum Nazarener, der ihm freundlich seinen Gruß im Namen Gottes erwiedcrte. Schon funkelten die ersten Sterne, und der Schakale Geheul ward hörbar, als der Jude, ein Rabbi aus Damaskus, unvermerkt — denn er kam zu Fuße — den kleinen Rasenfleck betrat, welchen die Quelle unter den Platanen hervorgelockt hatte. In den Zeiten Salomonis hatte sie auch diese auferzogen, sie die hinwiederum durch Jahrhunderte mit kindlicher Liebe, die Pflegerin mit ihrem Laubdach geschirmt. Wie Mütter, die in eine zweite Kindheit zurücksinken, sang die Quelle noch immer ihr Ammenlied. Bei ihrem Gemurmel entschlummerten,' nach freundlichem Gespräch, die drei Reisenden, ein Jeglicher auf der Lagerstatt, die ihm eine Wurzclvertiefung des ungeheuren Baumes Varbot, und bei ihrem Gemurmel erwachten sie im ersten Grauen des Morgens. Unter dem Nebel, der den Horizont einhüllte, dehnte sich die Wüste wie ein ungeheures, bräunlich schimmerndes Meer, welches Berge, voll der herrlichsten Rosen von Damaskus, umgränzten. An einem Punkt im Osten war's, als wenn sich hinter einem Rosenberge Engel bewegten, und goldne Lanzen, wie zu einem Gezelte, empor richteten. Die Sonne war im Aufgehen, das erkannten die drei Reisenden; ihre Herzen waren bewegt, und ihre Lippen erbebten. Einen Jeglichen drängte es Gott nach seiner Weise anzubeten; aber ach! ein Jeder fürchtete die beiden Andern zu verletzen. Sie hatten im Gespräche des Abends sich gegenseitig achten gelernt; aber jetzt, — wie sollte der gute Mollah mit erhobener Stimme Allah anrufen, ohne des Nazareners und des jüdischen Glaubenlehrers Andacht zu stören, und so auch umgekehrt. Und dennoch war bei Jedwedem das Bedürfniß in diesem begeisternden Augenblicke die Empfindung ihres Herzens dem Höchsten darzubringen, und ihm für den Schutz den sie genossen zu danken, so überwältigend, daß ihre Lippen erzitterten. Dennoch brach noch keiner das Schweigen. Stumm und zaudernd schnallte der Mohamedaner den Sattel seines Pferdes, ohne doch fertig zu werden; dem Mönch ging es mit seinem Maulesel nicht schneller von der Hand; der Rabbi schnürte und schnürte an seinen Bündel. Es waren dies zartfühlende Menschen, die Einer für des Andern Glauben Achtung hegten. Schon schimmerten am Gipfel des Rosenberges tausend strahlende Spitzen. Noch eine Sekunde — des Höchsten glorreichstes Werk wird sichtbar, und schweigen sollen die Lippen der Frommen? Wohl überrieselte sie ein Andachtschauer, doch entströmten ihnen kein Lobgcsang, kein Gebet. Da auf einmal ertönt aus den« Wipfel der Platane, eines Finken, einer Drossel und einer rothgesprcnkelten Bachstelze Morgengesang.» Der klare Triller des Finken verschmolz mit denen der andern Beiden zu einem herrlich jubelnden Chor. „Was zaudern wir meine Brüder?" fragten die Drei." Ja mit dem, was auf unsere Lippen sich reget?" sagte der Mollah, und beugte sich dreimal zur Erde. „Den Preis und das Lob Gottes des

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