Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-23 · Heft 30 (23.7.1842) · p. Seite 445

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 30 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225258--04544-3314140
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

445 auf die Agadisterr zurückzuführende Tradition verstanden, aber solche Bezeichnungen sind nun einmal begriffsverwirrend und sehr zu vermeiden u. s. m. Auch wäre zu wünschen, daß Herr Bl. die einzelnen Bücher mit kurzen, die Hauptmomente der biblischen Kritik zusammenstellenden Einleitungen versähe, was beim Pentateuch sehr vermißt wird. Wir werden übrigens, wenn das Bibelwerk weiter vorgerückt sein wird, eine ausführliche, in's Innere eingehende und den wissenschaftlichen Standpunkt desselben würdigende Rezension darüber liefern, j Bis dahin sprechen wir den gerechten Wunsch und die! gegründete Hoffnung aus, daß ihm weitverbreitete Theil-; nähme auch unter den Glaubensgenoffen zu Theil werde, z Der Wunsch ist gerecht, da Herr Bl. die neusten Leij stungen, namentlich das P hilippson'sche Bibelwerk mit richtigem Takt vielfach benutzt und die magyarische Sprache mit Meisterschaft handhabt. Die Hoffnung ist aber auch gegründet, da die Israeliten auf das Studium der magyarischen Sprache großen Eifer verwenden, was auch in den öffentlichen Blättern rühmliche Anerkennung sinder. St. Nico lau, 21. Juni. (Privatmitth.) Aufforderung zu einer neuen, vielfach zu verbessernden Auflage der Scheiltot des R. Achai Gaon und der Halachot Gedolot. Die beiden ältesten nach talmudischen Werke, die Sch. und die H. G., — welche erstere in gleichen Rang mit dem Talmud gestellt wurden (Mordechai Jebamot p. 15) — sollte man glauben, werden sich wol einer sorgfältigen Pflege und eines fleißigen Studiums erfreut haben und noch erfreuen. Aber dem war und ist nicht also! Dem in den talmudischen und rabbinischen Schriften Bewandertem wird es sich oft gezeigt haben, daß die Gelehrten -nach Alfasi und Maimonides diese Werke nur wenig studirten und zuweilen nur von Hörensagen zitirten. Und heutzutage dürfen wir nur bei vielen alten und neuen Rabbanan oder Theologen im Bücherkasten Nachsehen, und wir werden entweder diese Werke ganz vermiffen, oder doch den meisten Staub und Schimmel auf und an denselben finden? Bon jener altern Zeit darf uns dies' nicht sehr wundern. Da galt der Grundsatz, daß das immer Spatere auch immer vollkommener sei. Man wurde hiebei nicht etwa von der, auch im Talmud bei Feststellung der Halacha vorkommenden Bevorzugung des Spätem (önnM N2^N) geleitet; denn jeder unbefangene Talmudsforscher wird es einsehen, daß diese Bevorzugung nur kn solchen Fallen Statt hat, wo es mehr auf die Erwägung der vor Augen liegenden Gründe pro et contra ankommt, in 'solchen hingegen, wo es sich mehr um das Derstandrilß älterer Stellen, um die Erforschung der Beweggründe der Verordnungen und Borschriften, überhaupt um die Ergründung der Vergangenheit handelt, dem dieser naher Stehenden der Vorzug eingeräumt wird. Und wenn die Geonim den Jeruschalmi verwarfen, so geschah dies nicht in Folge jener Bevorzugung des Sparern (denn in diesem Falle würden sie ihn nur in Kollisionsfallen mit dem spatern Talmud unberücksichtigt gelaffen, ihn aber nicht ganz aus dem Kreise ihrer Studien verwiesen haben, vgl. Rapaport: Biographie des R. Riss. Anm. 18), sondern hauptsächlich aus babylonischem Stolze, der in dem bekannten Briefe des R. Scherira Gaon (in Jochßin) fühlbar genug hervorsticht. Ich werde nächstens in einer ausführlichen Abhandlung viele Beweise gegen die Meinung des Alfasi (der auch der gelehrte Herr Rap. am angeführten Orte beizupflichten geneigt ist) heranbringen, nach welcher der Jeruschalmi der Redaktion des babylonischen Talmud Vorgelegen hätte. Für jetzt mögen folgende zwei genügen. 1) Im Traktat Megilla 2a bringt der Jeruschalmi eine Meinung im Namen der dortigen (babylonischen) Gelehrten (-porrr “psn öün) und macht einen Einwurf dagegen; im babyl. Talmud Megilla 5b findet sich aber jene Meinung im Namen des Nabba b. Raba, ohne den Einwurf zu beseitigen oder auch nur zu erwähnen. 2) Ibid. 3 a heißt es im Jeruschalmi: „N. Abba b. Sabda im Namen des R. Chankna: Rabbi wollte den Fasttag des neunten Ab abschaffen, man willigte aber nicht ein; da sagte R. Elasar zu ihm: ich war mit Dir und es wurde nicht so gelehrt, sondern Rabbi wollte den von Sabat auf Sonntag verlegten Fasttag abschaffen." Bei einem andern Falle, setzt der Jeruschalmi hinzu, war R. Elasar der Erzähler und R. Abba b. Sabda der Widersprecher. Im babyl. Talmud das. 5 a—b wird aber R. Elasar als Erzähler in Betreff des neunten Ab, und R. Abba b. Sabda als Widersprecher aufgeführt. Hätte nun die Redaktion des bab. Talmud den^ Jeruschalmi vor sich gehabt, so würde sie ganz gewiß die entgegengesetzte Angabe bekgefügt haben: denn der Talmud war in dieser Beziehung so äußerst ängstlich, daß er häufig in ganz gleichgültigen Fällen ganze Diskussionen darüber anstellt (man vergleiche z. E. Jebamot 65b, wo darüber diskutirt wird, ob die betreffende Bestimmung R. Abuhu im Namen des R. Jocha- 3V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.