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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-23 · Heft 30 (23.7.1842) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 30 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 444 (sequence 8)
Language
German
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444 die große Vermehrung der Juden klagt und sich dar» über beschwert, daß sie alle Geschäfte an sich reißen, auf der andern Seite die Verminderung derselben schmerzlich empfunden wird. Jedenfalls scheinen exemtive Gesetze für das Ganze nicht heilsam zu sein. Breslau, 5. Juli. Die Pr. St. Z. enthält folgenden Artikel: Zur Geschichte der kürzlich (No. 154 der Staats-Zeitung) erwähnten, im Schooße der hiesigen Juden-Gemeinde ausgebrochenen Differenzen, ist jetzt ein neues Aktenstück im Druck erschienen, nämlich die Vertheidigungsschrift des Ober- Rabbiners, Herrn Tiktin, gegen den Ober-Vorstand der Israelitischen Gemeinde, der dessen Amts-Suspension verfügt hatte. Herr Tiktin weist die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen: 1) Die rituellen Funktionen niemals, wie es die Gemeinde-Statuten vorschreiben, mit Zuziehung der beiden anderen Rabbinats-Beisitzer verrichtet; 2) die festgesetzten allmonatlichen Synagogal-Vorträge nicht regelmäßig gehalten; 3) in diesen Vorträgen nicht eigentlich die moralische Belehrung der Gemeindeglieder zum Gegenstände gemacht; 4) den Hebräischen Unterricht in den jüdischen Schulen nicht inspizirt und Liese Schulen überhaupt nicht beaufsichtigt, und 5) endlich die ihm fernstehenden Kranken nicht besucht und den Sterbenden keinen Trost zugesprochen zu haben, vollständig zurück, indem er entweder das Gegentheil darthut oder nachzuweisen sucht, daß es nicht an ihm, sondern an den Umständen gelegen, wenn er einige dieser Obliegenheiten nicht erfüllt habe. Sein persönliches Verhältnis in dem Konflikte mit dem zweiten Rabbiner, Herrn vr. Geiger, sucht er durch die Nothwendigkeit zu motiviren, sich und die durch ihn rcpräsentirte streng talmudistische Partei gegen die Reformations-Versuche der neueren Zeit, die namentlich in Herrn Geiger einen sehr weit gehenden Vorkämpfer gefunden, zu vertheidigen und zu befestigen. Er beruft sich zu diesem Behufe auf ein von neun Rabbinern kleiner Oberschlesischcr Gemeinden abgegebenes Gutachten, so wie auf die verketzernden Berichte zweier Polnischen Rabbinate. Letztere freilich dürften in den Augen aller Deutschen Israeliten seiner Sache nur schaden, doch muß gleichwol zugegeben werden, daß wenn der Standpunkt des Herrn Ober-Rabbiners Tiktin, der ein wesentlich konservativer ist, berücksichtigt wird, sein Verfahren in einem viel milderen Lichte erscheint, als es durch die Anklage seiner Gegner sich darstellt. Es ist daher zu wünschen, daß bald eine Vermittelung eintrete, durch die eine Beschwichtigung beider Parteien, deren schroffer Gegensatz sowol in der Geschichte des Judenthums, als in anderen ähnlichen Erscheinungen unserer Zeit seine Erklärung findet, herbeigeführt werde"). Literarische Nachrichten. St. Nicolau, 21. Juni. (Privatmitth.) Wie wir vernehmen, wird der wackere Herr Moritz Bloch, Mitglied der ungarischen Gelehrten-Gesellschaft, sein nicht unbedeutendes Verdienst um die magyarische Sprache und Literatur erhöhen, indem er zur Ueberfetzung und Kommentirung der Hagiographen und Propheten schreitet. Es steht zu erwarten, daß er möglichste Sorgfalt verwenden werde, um den bei solchen Arbeiten strenger» Forderungen der Kritik zu genügen. Auch möge der gelehrte Herr Bloch künftig manche mehr oder weniger flüchtige Uebertragungen und Ausdrücke vermeiden. So z. B. die Uebertragung des durch uram, mein Herr; die des NiN' durch Jehova, welche letztere uns um so unpassender erscheint, als die Ueberfetzung auch für Schulen bestimmt ist und die tiefe Ehrfurcht, mit welcher der Jude dieses so inhaltschwere und heilige Wort ausspcicht, gewiß sehr löblich ist. Ferner die Bezeichnung der Agada mit liagyo»iän\, *8) Tradition. Es ist noch Keinem in den Sinn gekommen, den ganzen Talmud, am wenigsten den agaoischen Theil desselben für traditionell zu erklären. Herr Bl. hat gewiß auch darunter nur eine ") Unseren Lesern wird aus No. 25 erinnerlich sein,' daß wir in diesem Streite, der im Augenblick nur um die Person geführt wird, Pcivatfchreiben sowol pro als contra zurückgewiesen, und nur Aktenstücke zu geben versprachen. So einen Auszug aus der Schrift des Ober- Vorsteher-Kollegiums. Die Gegenschrift des Herrn Tiktin ist uns weder zugesandt worden, wie die erstcrc, noch ist sie uns überhaupt vorgekommen, so daß Auszüge daraus wir noch nicht zu geben vermochten. Dies zur Antwort auf den Lug und Trug jener hungrigen Wegelagerer und Langfinger in Israel, der falschen, versteckten Freunde und Brüder der Missionare, und ihren beutelschneiderischen Korrespondenten. Odi profanum vulgus ct arceo. D. Redakt. •*) Vgl. 1 Mos. 19, 1. Komm

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