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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-16 · Heft 29 (16.7.1842) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 29 (16.7.1842)
Date
1842-07-16
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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431 gefalle dem Lehrer ausgezahlt. Und bald mangelt die Beheizung, bald ist die Wohnung, oder das Bett im elenden Zustande, und doch muß der Lehrer darüber, will er in Frieden mit der Gemeinde leben, seinen Aerger in sich ersticken und schweigen. Ja, sogar die Gunst eines jeden einzelnen Gemrindemitgliedes muß sich der Lehrer zu erwerben und zu erhalten suchen, damit er sich nicht gezwungen sehe, vielleicht schon nach einem Jahre die bisherige Stelle zu verlassen und den Wanderstab zu ergreifen. Will indessen der Lehrer seinen Charakter, seine Stellung behaupten, will er sein Ehrgefühl, sein Gewissen von Schmeichelei und Heuchelei vorwurfsfrei behalten: so Gnade ihm Gott! Solchen stolzen Lehrer, solchen Menschen, der sich nicht zu betragen weiß können wir nicht länger behalten; der muß fort — und fort muß er, trotz dem man sich hinlänglich überzeugt hat, daß seiner Tüchtigkeit wegen seine Stelle so leicht nicht durch einen Andern ersetzt werden kann. Es ist kaum glaublich, obgleich dieß so häufig die Erfahrung lehrt, daß oft wegen eines geringfügigen Vergehens, das man vielleicht mit Absicht dem Lehrer aufbürdet, er förmlich mit Schimpf und Schande — fortgejagt wird. Wie oft hat schon mancher Lehrer zu sich sagen hören müssen: „Nur mit meiner Frau müssen Sie sich gut vertragen!" Merkwürdig ist es hierbei, welcher schnelle Wechsel der Gesinnung hierbei oft genug vorkömmt: den Lehrer, den man anfangs hochgeehrt, wie einen Engel aus Himmelshöhen angebetet hat, läßt man am Ende so weit herabsinken, daß man ihn wie einen gemeinen Dienstboten behandelt und entläßt. Wenn nun der gewissenhafte Lehrer sich auch noch so viele Mühe gegeben hat, erfolgreich für seine Schule zu wirken, sein Wirken war vergebens. In einem Jahre, ja wenn auch in zwei Jahren läßt sich wahrlich wenig leisten und Gedeihliches zu Tage fördern, wenn man noch dazu annimmt, daß der israel. Lehrer in weit mehreren Gegenständen zu unterrichten hat, als sein christlicher Kollege, und er anfangs so viele Abtheilungen in seiner Schule machen muß, als in dieser Schüler vorhanden sind. Und wie weit kann er diese bringen, wenn er weiß, daß schon im künftigen Jahre ein Anderer seine Stelle bekleiden wird, welcher in der Meinung eine bessere Unterrichtsmethode als sein Vorgänger zu besitzen, mit den Kindern fast von vorne wieder anfängt; aber auch dieser ist vielleicht so glücklich, nach ein Paar Jahren einen Nachfolger zu bekommen, der eben so wieder von vorn anfängt. Deshalb können in sehr vielen jüdischen Schulen die Kinder nur sehr geringe Fortschritte machen; an ein gründliches, feststehendes Wissen ist hier nicht zu denken, desto mehr bemerkt man hingegen Oberflächlichkeit. — In vielen Gemeinden will der Gemeindevorstand auch zugleich Schule und Lehrer überwachen. Sehr lobenswcrth, wenn ein solcher Mann Sachkenntniß vom Schulwesen besitzt, und mit Eifer und uneigennützigem Bestreben für das Wohl der Jugend besorgt ist und wirken will. Ist dies aber nicht der Fall, so muß der Lehrer befürchten, daß ein solcher Schulvorsteher nur darnach strebt, über ihn herrschen und sich auf diese Weise eine Art obrigkeitliches Ansehen geben zu können. Einem solchen Schul-Inspizienten wird er es nie recht machen können und hat demnach auch von dieser Seite wiederum zu befürchten, baldigst seine Entlassung (ob in Ehren?!) zu erhalten. Wehe dem Lehrer, der unter diesen traurigen Verhältnissen auf den unglücklichen Einfall gekommen ist, sich zu verehlichen! Sein Kummer, seine Sorgen und Plagen vergrößern sich dann mit jedem Tage, wenn er nun auch, noch dazu bei seinen so geringen Einkünften, Weib und Kinder zu ernähren hat. Welche harte Kämpfe wird er nun für den Unterhalt der Seinigen zu kämpfen haben! Glücklich ist sein Zustand, wiewol gewiß nicht beneidenswerth zu nennen, so lange er sich nicht die Gunst seiner Gemeinde verscherzt hat. Hat er diese aber einmal verloren (und wie leicht kann er diese nicht!) dann hat er nicht nur sich allein, sondern auch die geliebten Wesen höchst Unglücklich gemacht. Betteln kann er dann, er und sein Weib und seine Kinder, da er um so schwerer wieder Aufnahme in einer andern Gemeinde findet. Was Wunder also, wenn manche Lehrer so gewiffenslos handeln und mit kriechender Schmeichelei um die Gunst jedes einzelnen, ja oft dazu unwürdigen Gemeindcmitgliedes buhlen und sich diese gewinnen suchen, unbekümmert, ob dadurch die ihm anvcrtrauten Kinder verwahrlost werden und bleiben; denn mit der Phrase: die Eltern der Kinder wollen es doch nicht anders haben! kann er seine Handlungsweise nicht entschuldigen.

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