Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 430 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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430 den Kampf gegen die Vorurtheile der Finsterlinge unternommen und mit Ausdauer durchgeführt hat. Uns wenigstens gereicht es zur beseligenden Freude, was auf das so eben in der Wahl begriffene Schwersenz schon augenblicklich wohlthatig influirt hat und ohne Zweifel auch Lissa, Krotoschin, Gnesen und Kurnik zu gleichen Schritten ermuntern wird. Haben wir dann erst 5 bis 6 solcher Männer als Rabbiner in unserer Provinz, so werden gewiß Dinge zur Sprache kommen, deren Lösung vom wichtigsten Interesse ist. Möchte nur — das habe ich sck licßlich noch zu erinnern — der intelligentere Theil unsrer Gemeinde nicht vergessen, daß auch Herr I)r. Gebhardt, der eine so geraume Zeit in der großen gebildeten Welt gelebt, uns ein großes Opfer bringt, daß ihn zu dem Entschluß, nach Wreschen zu gehen, doch gewiß nur der fromme Wunsch vermögen konnte, in unsrer Provinz eine bessere Bahn zu brechen, in den verödeten Steigen Zions den Pfad unseres Gottes zu ebenen und daß es höchst unpassend und inkonsequent wäre, wenn wir an einen Mann von so gediegener Bildung mittelalterliche Forderungen stellten, deren Befriedigung sein besseres Bewußtsein schwer verletzen würde. Aus Westfalen, im Juni. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit wurde das Verhältniß des israelitischen Geistlichen und seine Stellung zu seiner Gemeinde in dieser Zeitung besprochen, und dies veranlaßt mich, auch einmal von den gegenwärtigen Verhältnissen des israelitischen Lehrers in Preußen, zu sprechen. Ich übergehe hier die wenigen öffentlichen Schulen, an denen höchstens ein Dutzend Personen eine bessere Stellung gewinnen können, ich spreche hier von dem Verhältniß der großen Anzahl der jüdischen Lehrer, die als Privat- und Gemeinde- Elementarlehrcr sungiren. Welch herrliches Leben hat doch der Lehrer! hört man so manchen geringen Mann neidisch ausrufen; aber hat derjenige auch bedacht, oder wol nur einmal gefühlt, welche Geduld und Ausdauer, welchen vielfachen Verdruß und Aerger ein solcher beneidenswerther Lehrer zu ertragen hat, und daß endlich der Lohn dieses vielseitig geplagten und gequälten Menschen, (besonders des israelitischen Lehrers) — Undankbarkeit ist, ja die schnödeste, schwärzeste Undankbarkeit, nach so vielen mühevollen Jahren seines Lebens, die er der Erziehung und Pflege des Menschengeschlechts gewidmet hat?!! Wer mir nicht glauben will, der frage jeden ergrauten Lehrer, ergraut oft vor der Zeit. Mühevoll muß er sich die Kenntnisse für seinen Beruf erwerben, indem, wie bekannt, der israelitische Lehrer weit weniger Gelegenheit hat, sich für das Schulfach auszubilden. Nach mühevoll überstandener Prüfung verstreichen oft noch Jahre, bis es ihm gelingt nur eine leidliche Privatstelle, — denn das sind in Preußen die meisten, — zu erhalten. Gleich jedem andern Gewerbetreibenden muß er sich eine Konzession verschaffen, und diese gilt nur so lange, als er auf einer Stelle sungirt. So oft er diese wechselt, so oft muß er auch dafür 2 bis 3 Thlr. hingeben, als wäre die Sache nicht mit einem Male abgemacht und könnte diese einmalige Konzession nicht für den ganzen Umfang des Staates gelten. Gewerbetreibende, besonders Hausirer (und ist in mancher Beziehung der israelitische Lehrer etwas Anderes?) haben eine Konzession, durch welche sie befugt sind, oft sogar in mehreren Provinzen ihr Gewerbe zu treiben. Doch auch diese Unbill ließe sich noch ertragen. Den meisten Lehrern gelingt es nur, mit den betreffenden Gemeinden auf ein Jahr, höchstens auf zwei zu kontrahiren und müssen die meisten ein dreifaches Amt übernehmen, das eines Lehrers, Kantors und Predigers; viele unter ihnen bekleiden auch dabei das Amt eines Schächters. Mit Einschluß der Nebeneinkünfte nebst freier Station beziehen sie dafür jährlich 80 bis 80 Thlr.; manche noch viel weniger. Hierbei ist es besonders der Wandeltisch oder die sogenannte „fliegende Kost," die zur freien Station gehört, und die dem Lehrer seinen Beruf am meisten verleidet. Wie oft muß da der Mann, der die Jugend bildet, Vermittler — “toss rrVü — und Prediger ist, gleich einem Bettler, warten, bis man ihm einen Bissen Brod reicht, und nehmen muß er es, wie es ihm gegeben wird. Wie oft wird ihm da mit Hohn, Verachtung und Murren seine Mahlzeit, die noch dazu oft dürftig und karg genug ausfallt, vorgesetzt. Fast jedesmal bedenkt, ja bespricht der Kostgeber, ob die Mahlzeit der Lehrer, der sich doch alle Tage im Schweiße seines Angesichts mit den Kindern hinlänglich plagen muß, auch verdient habe. Eben so werden das Gehalt und die Neben-