Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Und ein solcher Lehrer ist gewiß sicher, lange in seiner Funktion zu verbleiben. Ist es ihm nun gelungen, nach Jahren ein hübsches Sümmchen zusammengekargt und gespart zu haben, dann wirft er die ihm längst lästigen Banden des Druckes ab und wird endlich — Handelsmann. Nun lacht und spottet er der Welt, sein Wunsch ist ihm gelungen; sein j Ziel ist erreicht. Aber die schöne Wirksamkeit eines! solchen Subjekts in seinem Lehrerstande! Er war nur Lehrer, um für einen andern Zweck Geld zu ersparen. Ich frage nun, was aus diesem traurigen Zustande werden soll, in dem sich Schule und Lehrer befinden? Früchte kann doch wahrlich eine solche Schule nicht tragen, deren Lehrer gedrückt und geplagt wird. Kann der Lehrer mit Freuden in die Schule treten und dort mit regem Eifer seine Pflegebefohlenen unterrichten, wenn Aerger, Kummer und Nahruugssorgen auf seiner Seele lasten, wenn er schon heute nicht weiß, woher über's Jahr er sein Brod genießen wird, das ihm hier, das ihm dort auf jede Art und Weise sauer gemacht und verbittert wird? Kann ein solcher Gärtner, wenn seine Lebenssonne mit düstern Wolken des von undankbaren Menschen herbeigeführten Mißgeschicks umlagert ist, mit Lust und Muth an das heilige Werk der Menschenerziehung gehen? wenn er die Eltern der, ihm zur Bildung und Erziehung anvertrauten Kinder verachten muß? O, ein trauriges Loos ist dem jüdischen Lehrer zugeworfen! Er soll den Lebensfrieden der Menschheit predigen und kann ihn selbst nicht besitzen; er soll durch Lehren die Jugend abhalten, Schmeichler und Heuchler zu werden, und sieht sich selbst genöthigt, ein solcher zu sein; er soll die zarte Jugend heranbilden, einst glückliche Menschen zu werden, und kann selbst nicht glücklich sein; er soll ferner Freude und Heiterkeit in der Schule zu verbreiten suchen, und kann selbst nicht freudig und heiter sein, weil sein Leben ihm mannigfach vergällt, weil schnöder Undank ihm zum Lohne wird für alle seine Bemühungen, für seinen Eifer und Fleiß, für seine Redlichkeit und endlich für seine Plagen. Liebt ihr, Eltern, eure Kinder wahrhaft, wollt ihr das Wohl eurer Lieben, ihr Heil und Glück für die Gegenwart sowol, als auch für die Zukunft zu befördern suchen durch Unterricht und Erziehung von einem Manne, der Lehrer und Bildner der Jugend ist, der ihr Herz, ihren Geist und ihren Sinn veredlen soll: so trachtet vor allen Dingen darauf, — sobald ihr euch ohne Vorurtheil, von seinen Berufsfähigkeiten überzeugt habt oder durch einen Sachkundigen habt überzeugen lassen, — ihm nun euer volles Zutrauen zu schenken, sucht ihn, besonders in Gegenwart eurer Kinder, durch jedwede Art von Hochachtung auszuzeichnen, und ihn mit euch, nicht auf Monate, sondern auf viele Jahre zu verbinden! Nehmet das wahre Heil eurer Kinder, ihre schöne, schnell verschwindende Jugendzeit und eure eigenen Opfer an Kosten wahr, um sie richtig anzuwenden. Freilich kann das Uebel gründlich nur geheilt werden, wenn eine höhere Hand die Leitung übernimmt, genaue Prüfungen anordnet, Lehrerstand und Gemeinden überwacht, dann aber auch die Stabilität der Verhältnisse herbeiführt. Fr. Belletristik. Gedachtes und Gefühltes. 1. Wohl dem, der früh Sich Einem hat ergeben. Um Eines ringt Mit seinem ganzen Streben, Nach einem Preis Den starken Arm streckt. Und von sich ab Der Wirren Schwarm schreckt. Dann lenkt er fest Den schwanken Lebcnsnachen, Lockt um sich her Die Wankenden, die Schwachen; Bor seiner Stirn Der Bosheit Macht schweigt, Vor seinem Blick Selbst Schicksal's Nacht weicht. Ihn führt die Schlacht Doch sicher nur zum Siege,