Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 429 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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429 und uns unsere Religion nicht hindert, ein Gleiches zu thun! Darum sollten wir aber auch nur ein Gesetz erwarten dürfen, das, nach des hochseligen v. Hardenberg's Ausspruche, die vier Worte enthält: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten! Dieser Hoffnung indeß dürfen wir nach obigem Höchsten Reskripte noch nicht Raum geben; vielmehr können wir uns einer durch Höchstdasselbe vermehrten, unheimlichen Angst nicht erwehren. Doch wohlan, getrost wollen wir harren; wir ergeben uns mit bittrer Resignation in das Unvermeidliche. Aber „die Weltgeschichte ist das Weltgericht!" Sie soll der Nachwelt zeigen, daß wir im Kampfe für unser Recht nicht ermatteten. Daß Ew. Excellenz uns in diesem Kampfe mit Rath und That ferner beistehen wollen, dahin geht, mit nochmaliger Wiederholung des innigsten Dankes, unsere gehorsamste Bitte. Zn tiefster Ehrerbietung Ew. Ercellenz Soestu.Brilon, (Westfalen) den 5. Juni 1842. ganz gehorsamste L. L. Hellwitz, I. A. Friedlander, Obervorstcher der Israeliten Landrabbiner des Herzogthums des Herzogthums Westfalen Westfalen u. des Fürstenthums und der Grafschaft Mark. Wittgenstein. Wreschen, 21. Juni. (Privatmitth.) Die Anstellung des Dr. Gebhardt zum Rabbiner unsrer Gemeinde ist wirklich erfolgt, die Beschwerde der Gegner in einer Weise und einem Tone zurückgewiesen, daß hoffentlich nicht nur diese, sondern auch die Verstockten in andern Kommunen es jetzt nicht mehr wagen werden, jeder bessern zeitgemäßen Wahl durch ihre Ränke hemmend entgegen zu treten. „Wir können nur," so lautet die Verfügung an die Querulenter, „unser Befremden ausdrücken über die Drei- „stigkeit, mit welcher Sie sich erkühnt haben, uns „eine wahrheitswidrige Behauptung vorzutragen, die „Ihnen selbst als solche bekannt sein mußte „Anlangend die Qualifikation des Herrn Gebhardt „zum Rabbiner, so ist dieselbe durch die uns vorlie- „genden Rabbinats-Atteste, worunter Eins vom „Rabbinat zu Berlin, ferner durch ein Abgangs- „zeugniß der Universität Berlin zur Genüge darge- „than.... Hiernach kann die von Ihnen eingereichte „Protestation nur als Beleg muthwilligen Queruli- „rens und strafbarer Umtriebe, die Sie hervorzuru- „fen gesucht haben, dienen. Wir nehmen daraus „Veranlassung, Sie vor künftigen ähnlichen Schrit- „ten allen Ernstes zu warnen." Posen den 12. Mai 1842. Königl. Regierung. Abtheilung des Innern, (gez.) Schubring. Sobald die Bestätigung der Negierung eingelaufen war, wurden unsrerseits Anstalten zur Jnstallirung getroffen. Die Angesehensten unserer Gemeinde kamen dem Herrn Dr. Gebhardt bis Nckla, eine kleine Meile von hier, entgegen und wurden durch seine gemüthlichen Anreden nur noch feierlicher gestimmt. Am folgenden Morgen Dienstag den 24. Mai hielt der neue Rabbiner die Jnstallationsrede mit beredter Zunge und in herzlich ergreifenden Worten. Die Menge christlicher Honeratioren, die Militär- und Civilbeamten, unser ehrwürdiger Herr Pastor Vogel, der sich auch bei der Proberede eingesunden hatte, waren sichtbar gerührt und spendeten dem Rednertalent des Rabbiners unumwunden ihre ungetheilten Lobeserhebungen. Der Wunsch und Eifer, unfern hochgeehrten Geistlichen hier zu haben, war so groß, daß wir seinem Vorstellen, noch einige Zeit in Posen zu bleiben, widerstanden. Auch dießmal,— Donnerstag den 9. d. M. kamen viele Männer und Frauen in eleganten Equipagen nach Nekla zum Empfange entgegen, darunter unsere ehrwürdigen Rabbinats-Affefforen , der alte Lewandowski und der 82jahrige Greis ‘in? "n. Wiederum ein Beweis, daß wahrhaft fromme Männer das Gute und Verdienstliche ohne alle Nebenrückficht anerkennen, und nur ungemessener Ehrgeiz, verblendeter Eigendünkel und verbissener Ingrimm diejenigen leitet, die allem Neuen ohne Unterschied schroff entgegentreten. — In der Stadt angelangt, begab sich der Zug sogleich in das festlich erleuchtete Gotteshaus, wo wir dem Allgütigen inbrünstig dankten, der unser zur Erhaltung und Erkräftigung der väterlichen Religion bei der aufkeimenden Jugend und zur Verherrlichung seines Namens unternommenes Werk, gelingen ließ. Von hier ging's in die hell illuminirte Rabbiner-Wohnung, für deren Ausschmükkung mit Blumenguirlanden u. dgl. m. unsere Jugend gewetteifcrt hatte. Auch andere Gemeinden werden es gewiß lobend anerkennen, daß man hier mit Offenheit und Muth 29