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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-16 · Heft 29 (16.7.1842) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 29 (16.7.1842)
Date
1842-07-16
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
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428 Waitzner Institut zurückgekehrtes, das keine Sylbe Hervorbringen konnte, nun aber schon Mehres spricht, und eines vom Auslande. Preußen. Brilon, 28. Juni. (Privatmitth. Verspätet.) Nachstehendes ist die im Aufträge der beiden Unterzeichneten von dem Enkel des Herrn Landrabbiners Friedländer hier, dem vr.)ur. Alexander Friedländer verfaßte, von einem zweiten Enkel des Herrn Rabbiners, Buchdruckereibcsitzer Moritz Friedländer hier gedruckte Addresse an Herrn Alexander von Humboldt. „Hochgeborener Herr Kanzler! Hochzuverehrender Herr Geheimrath! Ew. Excellenz erlauben wir uns für die öffentlich kundgegebene hohe, humane Theilnahme an den Verhältnissen der Preußischen Israeliten, im Namen der uns anvertrauten Korporation den tief gefühltesten Dank auszusprechen, der um so mehr der unverfälschte Ausdruck unserer Gefühle ist, je glänzender Ew. Excellenz erlauchter Name am Horizont der Wissenschaft und Kultur strahlt; je geringer die Zahl der Männer ist, die sich so liebevoll und in so eindringlicher Weise des „ewig bedrängten Volks" annehmen. In dieser Zeit der durch die eingeleiteten Verhandlungen bewirkten Spannung und Ungewißheit blicken wir daher auf Ew. Excellenz, als einen Mann, der mit einem „Humboldt'schen Auge" unsere Lage durchschaut, und in diesem unerschütterlichen Vertrauen wagen wir es, mit unserm Danke eine Bitte zu verbinden. Jüngsthin nämlich ist an den gehorsamst Unterzeichneten Rabbiner auf seine unterthänigste Immediateingabe folgendes Höchste Ministerialrcskript ergangen. (Folgt das bekannte Reskript s. No. 22.) Durchdrungen von der Humanität und Freisinnigkeit Unseres Erhabenen Monarchen, könnten wir in der Ansicht vom Wesen des Staats, als eines christlichen, nur das Günstigste für unsere gute Sache in Aussicht stellen, wenn ein christlicher Staat vorzüglich der sein sollte, welcher sich dem durch die christliche Religion aufgestellten Ideals eines Staats so nah', als möglich, bringt, eines Staats, der unsere, für unsere selbstständige, freie Entwickelung wirksame Einheit, dessen unmittelbare Lebenswirksamkeit sein soll: selbst zu sein die anerkennende und gewährende Macht des Rechts. Nur als solch frei-sittlicher Organismus vermag er sich über die konfessionellen Unterschiede zu erheben und gewährt gewiß den Israeliten ein ihnen durch die Jrrthümer der Jahrhunderte versagtes Recht. Aber wenn, wie es in dem erwähnten Höchsten Reskripte angenommen zu sein scheint, ein christlicher, auf dem Grundsätze allgemeiner Liebe fußen sollender, 'Staat der ist, der seinen hohen Zweck nur durch Ausschließung Andersglaubender erreichen zu können glaubt, so sind damit die schönsten Hoffnungen der Preußischen Unterthanen Mosaischen Glaubens vernichtet. Wenn diese Idee wieder Leben wird, so wird auch das neunzehnte Jahrhundert den Schmerz entschwundener Zeiten nicht heilen! Aber gewiß, sie kann es nicht werden; denn sie hat das Beispiel anderer Staaten, welche allen Unterthanen, ohne Unterschied des Glaubens, gleiches Recht gewähren; sie hat Vernunft und Offenbarung gegen sich. — Haben wir denn die traurigen Scenen der Geschichte schon vergessen, die dadurch entstanden, daß der Staat für eine Konfession besonders Parthei ergriffen? — Auch erstreben wir ja.'weder „obrigkeitliche Gewalt über Christen" noch „das christliche Gemeinwesen beeinträchtigende Rechte." Gewalt können und wollen wir nie erlangen, so lange sie nicht das ausschließliche Moment der Obrigkeit ist; so lange es der Beruf der letzteren bleibt, die menschliche Freiheit und das Recht zu schützen, so lange Aemter und Würden nicht blos eine äußerliche Autorität, sondern die wahre Herrschaft des Gesetzes sind, welches die allgemeine Freiheit vor Uebergriffen der Selbstsucht schützt. — „Beeinträchtigende Rechte," Privilegien wollen wir eben so wenig; es haben sie vielmehr alle Preußischen Israeliten mit einer ihnen aufgebürdeten, falsch verstandenen Nationalität jüngst von sich gewiesen, als man ihnen die Kriegsdienstpflicht zu entziehen drohete. Sie haben es da nachdrücklich wiederholt und wiederholen es noch jetzt, daß sie mit ihrer materiellen und moralischen Errungenschaft aufgegangen in das große Ganze Preußens, daß auf Leipzigs Ebenen ihre Vorfahren für dasselbe einen freiwilligen Heldentod gestorben

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