Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 war daher keinesweges nöthig, daß die Juden in corpore Protest einlegten gegen jene Beschwerde über Beleidigung ihrer Gesammtheit durch einen allerdings zum Mindesten sehr unpassend gewählten Ausdruck in der Vossischen Zeitung, wenn auch gewiß die Meisten mit Vers. dieser Zeilen einverstanden sind, daß der Artikel gar nicht viel Aufmerksamkeit verdiente. — Dieser Punkt hat uns etwas zu lange anfgehalten, er ist erledigt und wir kommen weiter. 2) Ein gewisser literarischer Vagabond, Vers, einer allen Kram- und Käsehändlern rühwlichst bekannten Geschichte des Befreiungskrieges und eines nicht minder gediegenen Musenalmanachs (Deutschland, kennst du ihn!?), macht stch's zum besonder» Geschäfte, recht viel, Gott weiß, ob für oder gegen die Juden zu schreiben. Das Ding soll, wie ein achtbarer Breslauer Publizist, der ihn einmal in der Breslauer Zeitung gebührend Ln seine Schranken gewiesen, behauptet, einmal recht lukrativ gewesen sein, indem die Juden selbst sich joci causa 3 Sg. für die „Judenfrage" aus der Tasche spielen ließen. Dies brachte denn dem Verf. einen gewissen Glauben an eigner Klassicität bei, und er erklärt in der Schles. Zeit., wie er jedes zu Gunsten der Juden erscheinende Werk mit einem Gegenstück versehen werde und wie jetzt eben „Dr. Jost an die Reibe kommen" solle. — Wir bedauern den armen Jost, dem obngefähr so zu Muthe sein wird, wie dem Elephanten, als die Mücke ihm einmal über das Os samu» hinabkrech, können aber glcichwol nicht umhin zu fragen, ob wol das Censuredikt einem Protestanten erlauben würde, sich ein Gewerbe mit Schmähschriften gegen die Katholiken zu machen! — 3) Wir wollen dieser und tausend andern Neckereien keinen großem Wertb beilegen, als sie haben, d. h. — keinen. Was aber sollen wir sagen, wenn Zeitungsschreiber sogar so weit gehen, hochgestellte Männer mit Ln ihre Zwecke hineiuzuziehen und, gestützt auf die bekannte Nichtachtung, mit der die deutsche Journalpresse von offizieller Sette bebandelt wird, Namen anführen, die die Welt nicht anders, als mit Ehrfurcht zu nennen gewohnt ist.— Es wurde früher in diesen Blättern ein Artikel d. Staatszeitung beleuchtet, nach welchem im Lause des Jahres die meisten Kriminaluntersuchttttgen unter den Juden vorgekommen sein sollten, es wurde gezeigt, wie nicht die Zahl der Untersuchungen, sondern die Zahl der Bestrafungen und die Qualität der Verbrechen einen Maßstab abgeben könne, es wurde angeführt, daß die Statistik der Zuchthausbewohner überall, selbst im Regierungsbezirk Posen, jederzeit zu Gunsten der Juden gesprochen habe, es wurde endlich als Beleg eine Statistik des Rawitzer Zuchthauses gegeben. Wir fügen hier die mittlerweile bekannt gewordene des Kosten er Korrektions- Hauses hinzu. Dieses ist im Jahre 1841 überhaupt von 228 Personen bewohnt gewesen, unter denen nur acht Juden gefunden worden (P. Z. — Schles. Zeit. No. 97. 1842), also ist nnter 284 Personen ein Jude. — Im R. B. Posen befinden sich nach Votger unter 1,080,000 Eiuwobner 10,000 Juden, also unter 154 — 1 Jude, mithin verhält sich die Korrigeudenzahl der Juden zu der der Ehristeu — 15^ : 28f, also nicht viel unter 1: 2, d. b. es befinden sich verbältnißmäßig unter den Juden ohngefäbr halb so viele Korrigenden, als unter den Christen. Nun soll aber der Minister Mühler seiner Berichterstattung die Bemerkung hinzugefügt haben, es sei merkwürdig, daß die Anzahl der Verbrechen unter den Juden im Verhältnisse zu der Freiheit, die sie im Staate genießen, steige, und so z. B. im Großherzogthume Baden, wo sie fast völlig gleiche Rechte mit den Christen haben, besonders ungünstig fein. — Es ist in der That unbegreiflich, wie man seine verläumderische Absicht unter einer solchen Auktorität zu infinuiren wagen kann, indem der eben so biedere als aufgeklärte Mühler nie, wir könnend versichern, gedacht hat oder gedacht haben kann, eine solche Behauptung aufzustelleu. — Wir haben eben Hitzig's Annalen d. Krimiualrechtspstege, fortgesetzt von Demme, 1841, vor uns liegen, und bitten unsre Leser, S. 435 nachzuschlagen. Hier findet sich wörtlich folgendes: „Großherzogthum Baden. — Uebersicht der Strafrechtspflege v. I. 1839. Von 100 der in Untersuchung „gekommenen gehören 30, 58 der evangel., 07,50 der „kathol. K. und 1, 92 dem Mosaischen Glauben an.— „Von 100 Bestraften gehören 32,11 zur evangel., „06,83 zur kathol. K. und 1, 06 zum Mos. Glauben. „— Von 100 Freigesprocheuen 28, 84 zur evangel., „08, 25 zur kathol. K. und 2, 91 zum Mos. Glauben. „— Von der ganzen Bevölkerung bekennen sich 31,46 „v. 109 zur evangel., 06,86 zur kathol. K. «.1,68 „zum Mos. Glauben." Hier spricht also das Verhältniß der Freigesprochenen, welches doch allein als Norm dienen kann, zur Bevölkerung am günstigsten für die Juden, am ungünstigsten für die evangel. Christen. Es ist merkwürdig, daß dasselbe Verhältniß in der That auch in Preußen bewährt worden. Mährend man aber dort die einfachen