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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-16 · Heft 29 (16.7.1842) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 29 (16.7.1842)
Date
1842-07-16
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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4 22 Kultussachen ist unser höchstes Palladium, mit ihr würde alle Mnsr-e Selbstständigkeit fallen, und der jetzige Zustand rrvch vorzuziehen sein. Gehen nun von verschiedenen Gemeinden verschiedene Vorschläge ein, so würde dadurch die Sache nur rathloser stehen; es ist also nichts nothwendiger, als daß alle Gemeinden sich darin treffen, daß sie eine jüdische Kultusbehörde fordern. Das preußische Eerrsurgesetz ui Bezug auf das Zudenthum von L. in M. Weise und erhaben ist das unterm 24. Dezemb. 1841 promulgirte Censnrcdikt. Wenn dasselbe bis jetzt noch nicht seine gehörige Würdigung gefunden, so liegt dies wol eben nur darin, daß erst ein vieljähriges tiefes Studium im Stande sein wird, das wichtige Dokument mit einem angemessenen Kommentar zu versehen. Zum Materiale hiezu etwas beizulragöi, ist der Zweck dieser Zeilen, wobei freilich nur die für uns wichtigste, durch diese Blätter vertretne Tendenz in's Auge gefaßt wird. — Es kommt nämlich in jener Verfügung folgende Stelle vor: „Alles, was wider die christliche Religion im Allgemeinen oder wider einen bestimmten Lehrbegriff auf eine frivole, feindselige Weise gerichtet ist, darf nicht geduldet werden u. s. w." — Wie leicht diese Stelle falsch verstanden werden kann, beweisen nur zu viele andere Staatsgesetze, in denen nicht die Exklusion der Juden direkt, sondern nur die Admission der Christen beider Bekenntnisse ausgesprochen ist. Wir führen aus dem Gedächtnisse die neuesten Kabinetsorders über kreislandschaftliche Versammlungen und über das Dreiding an. — Richten wir unfern Blick auf die neuesten Produkte unserer journalistischen und Brochürenpresse, so müssen wir geneigt sein zu glauben, daß unsere ephemeren Skribenten nicht besser im Sinne unsers erhabenen Gesetzgebers handeln zu können glauben, als wenn ste auf Juden und Judenthum aus besten Kräften schimpfen und schmähen. Wir wollen nur einige Belege anführen. 1) In neuester Zeit mußten die Blatter gewisser Farben ihre Spalten hergeben, einen Artikel in alle Theile zu zergliedern, der im Grunde als eine einmalige Würze irgend einer honorabeln Kaffegesellschaft hinlänglich ausgebeutet war. Auf dem Hamburger Dampfschiffe sollen zwei „jüdische Jünglinge" sich unbescheiden betragen haben. — Ein der Vossischen Zeitung, wo diese merkwürdige MMegobenheit zuerst mitgetMt worden, eingefandter Artikel fordert, ob mit Recht oder Unrecht, wollen wir vorläufig dahin gestellt sein lassen, den Schutz der Censur gegen Schmähungen einer ganzen Korporation auf. Rellstab meint, kein Unbefangener könne hierin eine Schmähung finden. Die L. A. Z. meint, R. habe Recht, „und es würde unbegreiflich sein, wie ein verständiger Mann über jenen Bericht sich beschweren könnte, wenn nicht die Stimmung unter unfern Juden von solcher Art wäre, daß sich an Unbefangenheit nicht denken läßt." — Wir meinen nun aber so: Wollten wir dergleichen Fraubasereien unsere Zeit und die Spalten der unsre Interessen vertretenden Organe widmen, so müßten wir Papier und Zeit wenig zu schätzen wissen. So hätten wir denn zuverlässig jenen Artikel mit so vielen Andern ruhig in den Orkus steigen lassen, wo nach Schiller das Gemeine klanglos hinabgeht, wenn nicht, wer sollte es denken! aus diesen unschuldigen Papicrschnitzetchcn, wie aus einem Ei die Zerstörung Troja's, neue Waffen gegen uns geschmiedet würden. — Es tritt nämlich die L. A. Z. oder ein Korrespondent derselben mit folgendem Syllogism auf: Seht, wir sind jetzt eben mit der bewußten Judenftage beschäftigt, wir sehen's ein, ibr habt Recht, wir sind eure Tyrannen, eure Unterdrücker, aber wir sind eben im Begriffe, euch die so lange geraubten Menschenrechte einzuräumen, wir wollen das Sklavenjoch von euch nehmen, sogar „die allgemeine Stimmung ist für" euch. Ihr wollt keine Korporation sein, gut; — warum tritt nun aber einer aus eurer Mitte auf und spricht von Schmähungen einer Korporation! — Hoc sedet! — Ihr werdet freilich sagen: Was hat unser Gesammtwesen mit der Stimme eines Einzelnen zu schaffen? — Wol wahr! Aber warum seid ihr nicht in corpore gegen diesen Einzelnen zu Felde gezogen, warum habt ihr nicht sogleich Protest gegen seinen Artikel eingelegt? — Wie nun, wenn es geheißen hätte: der Sopha's hatten sich ungebührlich bemächtigt zwei Portepeefahnriche, Referendare, Commis-Voyageurs oder — Alt-Lutheraner. — Halt! diesen Zusatz, Herr Korr., hat Ihnen Ihr böser Dämon eingegeben. Wir wollen Ihr Räsonnement nun ein wenig beleuchten. — Für's Erste danken wir Ihnen recht aufrichtig für die Versicherung, daß unsere Anerkennung als Menschen wirklich so nahe war. Wir haben in der That schon viel gewonnen, wenn unsere Feinde uns das Geständniß ablegen, daß wir — unrecht leiden.— Daß die allgemeine

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