Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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TI. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No. SS. des Zudenthums. Ein unparchensches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Dr. Ludwig Philippson, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnüdigster Concessi'on.) Leipzig, den 16. Juli 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition aUhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 3. Juli. Wir wollen nicht unterlassen, unsre Glaubensgenossen! auf Etwas besonders aufmerksam zu machen. Nicht nach! unserm Willen, wol aber durch die uns ertheilte, ver-! schiedene und gesonderte bürgerliche Stellung haben wir! allerdings außer unfern religiösen Interessen noch ein ei-; genthümliches, uns verbindendes, das der bürgerlichen Gleichstellung. Im Anstreben derselben stoßen wir auf Angriffe und Verteidigung. Daß das Gebiet unsrer Verteidigung in materieller Beziehung den auftretenden Kämpfern keine besonderen Fruchte trägt, ist bekannt, und auch ganz gnt, damit uns persönlicher Eigennutz nicht vorgeworfen werden kann. Es kamen aber und kommen j Fälle vor, wo ans das Gegentheil speknlirt wird, wo jn- - denfeindliche Schriftchen in die Welt spedirt werden, in! der Hoffnung, daß die Juden gierig danach greifen wer-! den. Denn dem, der Etwas mit Leib und Seele ver- * ficht, ist es auch notwendig, den Gegner kennen zu terj neu. So geschieht's, daß eine judenfeindliche Literatur! durch die Juden selbst Frist und Nahrung erhält. Man j wird aber zugeben, daß dies ziemlich beschränkt von uns! ist. Wollen wir Gehässigkeiten vernehmen, so brauchen! wir unsre Augen nicht anzustrengen, unsre Ohren genü- ' gen dazu ohne weitere Bemühung. Ich dächte daher, wir machten dem, was uns betrifft, ein Ende, und jeder Jude, der überhaupt an diesen Streitschriften Theil nimmt, mache es sich zum Grundsatz — keine judenseindliche Schrift zu kaufen — es ist ja doch nur immer wieder aufgewärmter Kohl — sondern vielmehr was er einmal für solche Zwecke bestimmt, den Produkten znzmvenden, welche im Innern wie nach außen das Heil des Judentums erstreben. Wir empfehlen diesen Grundsatz recht dringend, und balten uns überzeugt, daß dadurch die Reihen dieser literarischen Plänkler sehr gelichtet werden würde. Wenn jetzt in einigen Provinzen Preußen's die Hanptgemeinden darum befragt werden, was in Bezug auf den Kultus zu thuu sei: so empfehlen wir denselben, vor Allem auf eine jüdische Gesammtbehörde für Preußen in Kultussachen zu dringen. Alle einzelnen Maßnahmen müssen ebne diese ohne Kraft und Nachhaltigkeit bleiben, und am Ende den Zweck verfehlen. Es ist bis jetzt der jüdischen Masse ganz überlassen geblieben, sich zu organistren. Dies ist aber für eine jede Masse eine Aufgabe, die sie unmöglich zu lösen vermag. Eine durchgreifende Organisation kann nur von einer Vertretung, die Ausführung von einer Behörde ausgehen. Diese muß aber aus dem Schooße des Judeutbums bervorgehen, weil jede andere weder die Bedürfnisse, noch die Hindernisse kennen kann, sich, will sie etwas wirken, doch wieder auf die Rathschläge von Juden stützen müßte, was dann wieder 'auf Einseitigkeiten hinauslaufen und desto größere Verwirrungen herbeisühren würde. Die Autonomie in