Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Seite 410 (sequence 6)
- Language
- German
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410 keine wesentlichen Verbesserungen eingetreten sind, so haben wir es doch unserem neuen Rabbiner zu danken, daß jetzt die größte Ruhe während desselben herrscht, daß die trrrrs den SegenSspruch nicht mehr ohne Fußbeveckung verrichten und daß wir alle Sabbat recht nette und belehrende deutsche Vorträge hören, die an den in der Muttersprache wiederholten, mit einem Gebete um Emanzipation verbundenen farnan irii:n angeknüpft werden. Daß aber in der Lhat auf diesem Felde noch so blutwenig geschehen und noch so vieles brach liegt, — daran ist nicht sowol der Eifer unseres Geistlichen, als vielmehr außer so vielen persönlichen und örtlichen Verhältnissen und Schwierigkeiten, die sehr alte, baufällige Synagoge und der ebenso alte, wenn nicht ältere im Schuld, Beide müssen erst neu sein, ehe der Gottesdienst neu werden kann. Die Gemeinde, der die Mittel dazu durchaus nicht fehlen, wird sich nun endlich bewegen lassen, ein neues Gotteshaus zu errichten, das wahrlich sehr Noth thut! Wie wir vernehmen, will unser wackerer Synagogen-Vorstand mit Genehmigung des Herrn Oberrabbinen dessen Antrittspredigt zum Besten des Synagogenbaues drucken lassen. Wir machen im Voraus hierauf auf-! merksam und hoffen mit Sicherheit, daß sowol der j herrliche, sehr behcrzigenswerthe Inhalt der Predigt,! als der edle Zweck ihrer Veröffentlichung, derselben i einen' recht bedeutenden Absatz verschaffen werde, i --<?• Tilsit, 30. Mai. (Privatmitth.) Als Nach-! trag zu dem Berichte in No. 23 sei hier Folgendes j bemerkt. Vor 25 Jahren bildeten die jüdischen Ein-! wohner Tilsits nur ein höchst unbedeutendes Jischub.! Durch Niederlassung mehrerer Familien aus den j Westpreußischen Gemeinden, ist die jetzige nicht kleine Gemeinde entstanden, deren Familienzahl auf 52; sich beläuft, wovon jedoch nur 25 zur Gemeinde; gehören. — Konstituirung der Gemeinde durch Einführung zweckmäßiger Statuten, Abschaffung der; Versteigerung der Lora-Funktionen, Besetzung des! Lehreramtes mit einem geprüften und von der Regierung bestallten Lehrer; ferner Gründung mehrerer Wvhlthätigkeits-Anstalten, als: 1) ein Verein zur Krankenverpflegung und zur ordnungsmäßigen Leichenbestatrung pn nebst einem Krankenhaus zur Aufnahme hiesiger und fremder Kranken; 2) ein Wohlthätigkeits-Verein riart und 3) ein Frauen- Verein :n, dieses sind die wesentlichsten Früchte, die in diesem Zeitraum zur Reife gelangten. Alle diese Verbesserungen jedoch werden gekrönt durck die neu erbaute, prachtvolle Synagoge, deren innere geschmackvolle Verzierung nichts zu wünschen übrig läßt, und namentlich das schöne Tabernakel, vom Bildhauer Goldbaum aus Bromberg. Schon längst fühlte die hiesige fromme Gemeinde das Bedürfniß einer geräumigen Synagoge, nur fehlte noch die König!. Genehmigung dazu, die zwar vor einigen Jahren beantragt, aber nicht erlangt worden war. Im April v. I. faßte unser ehrwürdiger Synagogen-Vorsteher, der Kaufmann Herr G. Simon den Entschluß, bei unserm allergnadigsten Könige das erwähnte Gesuch zu erneuern, mit dem Inhalt: Wie er als Testamentarius mit dem Legat des I. Hennigson von 1000 Thlrn., welches blos und allein zum Bau der hiesigen Synagoge bestimmt ist, sich zu verhalten habe. Kurz darauf erfolgte an den Bittsteller durch hohe Königl. Gnade die Erlaubniß dazu in einer König!. Kabinetsordre. Es ist nicht zu weit gegangen, wenn man behauptet, daß selten eine Gemeinde mit mehr Begeisterung, als die unsrige, zum Bau dieses Gotteshauses geschritten. Den deutlichsten Beweis liefert der Umstand, daß dieser Bau erst vor einem Jahre projektirt, mit Vorschüssen und mit milden Beiträgen begonnen wurde, und jetzt schon erfreuen wir uns seiner gänzlichen Vollendung. Die Baukosten betragen .10,000 Thlr. und die Gemeinde schuldet nur etwa noch den dritten Theil des Betrages. Urgiss. Berlin, 19. Juni. Dem beabsichtigten neuen Judengesetz ist durch eine höchst uncrwarl-te Instanz ein Einwand entgegengestellt wordeiz. An den Kabinetsrath Müller gelangte nämlich ein Schreiben, das, wie sich nach Eröffnung desselben ergab, an den König gerichtet war und den mit kabbalistischer Gelehrsamkeit abgefaßten Nachweis enthielt, daß seit zweihundert Jahren jedes gegen die Juden erlassene Gesetz auf der Stelle irgend ein Unglück zur Folge hatte. Durch eine große Anzahl von Daten, die bis in bas kleinste Detail der Geschichte