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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-09 · Heft 28 (9.7.1842) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 28 (9.7.1842)
Date
1842-07-09
Page
Seite 409 (sequence 5)
Language
German
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409 ren Humanität, so muß uns noch mehr die folgende Nachricht von der Wahrheit dieser Behauptung überführen können. An der Spitze unserer Regierung stand seit 3 Jahren ein Mann, den wir Alle höchst ungern verlieren, der jetzt zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannte Herr von Schaper. Wie die ganze Bevölkerung dieser Stadt den innigsten Antheil hieran nimmt, so auch die jüdische Einwohnerschaft, deren er sich ebenfalls stets mit der edelmüthigsten Fürsorge angenommen hatte. Am ü. d. M. verfügte sich daher das hiesige Israelitische Konsistorium, bestehend aus dem Präses desselben Herrn Oberrabbiner Joseph Kahn, dem Synagvgen-Vorsteher Herrn S. Allmayer und dem dritten Mitgliede Herrn H. Lazar zu Sc. Erccllenz, um demselben Namens der Israeliten des Bezirks seine Theilnahme an der hohen Beförderung und seinen Dank für die den jüdischen Unterthanen stets bewiesene Gnade darzubringen. Auf das huldreichste empfangen, sprach der Herr Obcrrabbiner Kahn als Vertreter der Uebrigen eine kurze, aber eindringliche und paffende Anrede, auf welche Se. Erccllenz bis zu Thranen gerührt, in den erhebendsten Ausdrücken ungefähr Folgendes erwiderte: „Meine Herren! Ich sage Ihnen für Ihre Theilnahme an meinem Schicksale meinen herzlichsten Dank, Sie versichernd, daß ich höchst ungern aus Ihrer Mitte scheide und daß ich mich Ihrer stets mir Liebe erinnern und wie bisher, so auch in meinem künftigen Amte annehmen werde. Bewahren auch Sie mir Ihr liebevolles Andenken. Ich meines Theils werde nie versäumen, Ihnen zu zeigen, daß ich noch dieselben Gesinnungen hege, wie sie in dem letzten Schreiben der Regierung ausgesprochen sind, und will auch bei meiner jetzigen baldigen Anwesenheit in Berlin Se. Majestät dem Könige meine Meinung über die Stellung Ihrer Glaubensgenossen offen aussprechen, und dabei zugleich allen meinen Einfluß wegen Ihrer bürgerlichen Verbesserung geltend zu machen suchen. Indessen nochmals meinen besten Dank. Wir scheiden noch nicht: sondern nach meiner Rückkehr aus der Residenz bleibe ich noch einige Tage in Trier und dann sehen wir uns wieder. Bis dahin leben Sie wohl, meine Herren!'^ — Wahrlich, solche Aeußcrungen aus dem Munde eines so hochgestellten Mannes müssen zu den frohesten Hoffnungen berechtigen und wir glauben, daß die Unterredung mit Se. Majestät, unserem gnädigen Monarchen, von recht wohlthätigen Folgen für uns sein wird. Wenn doch alle unsre hohen und höchsten Beamten solche humane Gesinnungen hegten, wie dieser freigesinnte, treffliche Mann! Bei dieser Gelegenheit können wir es uns nicht versagen, die rastlose Thätigküt unseres allgemein verehrten, neuen Oberrabbincn hervorzuhebcn. Die Regierung nicht minder, wie alle Beamten, bei denen er vermöge seiner Offenheit und Freimüthigkeit in größtem Ansehn steht, kommen ihm deshalb auch in allen seinen guten Unternehmungen auf das liebreichste entgegen, und auch die sämmtlichen Israeliten hiesiger Stadt sowol, als seines ganzen Rabbinats sind ihm darum mit der aufrichtigsten Hochachtung und Liebe ergeben. Während seiner kaum sechsmonatlichen Amtsführung fühlen wir Alle schon die Folgen seiner segensreichen Wirksamkeit, und es bestätigt sich immer mehr, daß die Notabeln nur die richtige Wahl getroffen, daher wir täglich mehr Grund haben, zu glauben, daß derselbe alles, was er in seiner tüchtig gediegenen Antrirtspredigt *) versprochen, glücklich durchführen werde. Ein neues Leben ist seit seinem ersten Auftreten überall erwacht und der Sinn für das wahrhaft Gute und Schöne, der nun einmal geweckt ist, wird besonders in der hiesigen Gemeinde forterhaltcn werden. — Sein Hauptaugenmerk richtete unser geistlicher Obere zuerst auf den sehr vernachlässigten Jugendunterricht, und seinen vielfachen Bemühungen ist es Gott sei Dank! gelungen, daß viele, selbst geringe Gemeinden seines Sprengels sich entschlossen haben, geprüfte Lehrer mit dem nächsten anzunehmen. — Ueberdieß ist die Rcgulirung des Schulwesens und die Errichtung neuer Elementarschulen dadurch erschwert, daß der Mangel an geprüften Lehrern noch immer so groß und daß es uns deßungeachtct nicht gestattet ist, Ausländer anzunehmen. Hochlöbliche Regierung wird, wie in Allem, so auch hierin dem Anträge des Herrn Oberrabbinen willfahren und ihm erlauben, letztere hcrcinzuberuscn. Wenn nun dagegen auch im Gottesdienste noch *) Wir verweisen hierbei auf den Bericht unseres wackern Schloß in No. 12 dieser Zeitung. Corresp.

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