Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1842)
- Date
- 1842-07-02
- Page
- Seite 398 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Mittelalter angelangt, das die solidarische Verantwortlichkeit der gesammten Judenschaft, seinem innersten Prinzipe gemäß, als Grundsatz aufgestellt und auf das Konsequenteste durchgeführt hat. „Uns geht es wie den Mäusen," läßt Achim von Arnim seinen Zigeunerfürsten in der Jsabella von Aegypten sagen, „wenn eine Maus den Käse angefressen, so heißt es gleich: die Mäuse sind's gewesen." Aus der Praxis der Gerichte zum Glück verbannt, soll dieser Grundsatz, der jede Faser eines heutigen Menschen beben macht, nun als der Gipfel der Verwaltungsweisheit, natürlich nur in Betreff der Juden, gelten. Wenn man allgemeine Sätze durch Beispiele erläutert, so hat es doch auch zuweilen sein Gutes, den konkreten Fall auf den allgemeinen Gedanken zurückzuführen, der ihm zu Grunde liegt." — Das Leben wird wol wieder einmal gegen die Theorie Recht behalten. Die jüdischen Handwerker werden ruhig fortarbeiten, trotz des fürchterlichen Dilemma, in das sie eingeengt werden, entweder durch die Beobachtung des Rituals an der Konkurrenz mit Christen gehindert zu sein, oder „durch das! Aufgeben desselben in der Meinung der Christen sehr wesentlich zu verlieren;" sie werden ruhig fortarbeiten und wegen der Beobachtung des Sabats nach wie vor ihrem Gewissen verantwortlich bleiben. Die jüdischen Lastträger und Arbeitsleute Amsterdams, einer der rechtgläubigsten Gemeinden Europa's, werden vielleicht kaum etwas von den Behauptungen der Staatszeitung erfahren, und wenn sie der Herr Vers., wohl genährt und wohl gekleidet, am Sabat aus der Synagoge kommen sieht, so mag er sich überzeugen, daß das ihnen entgehende Sechstheil des wöchentlichen Erwerbs sie nicht gehindert hat, an den körperlichen Beschäftigungen der Christen rüstigen und erfolgreichen Antheil zu nehmen. Tilsit, 30. Mai. (Privatmitth.) Als Seltenheit verdient es der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, daß der hiesige bni'a Herr S. Löwenberg vor einiger Zeit von dem hiesigen Kreisphysikus und Sanitäts-Rath Dr. Suffert aufgefordert worden, an dem 9jährigen Knaben eines christlichen Gutsbesitzers unweit Tilsit, und kurz darauf an dem 4jährigen Knaben des hiesigen Gymnasial-Lehrers Or. Z. eine Operation vorzunehmen, um dadurch einem gefährlichen Uebel zuvorzukommen. Herr S. Löwenberg genügte der Aufforderung in Gegenwart des erwähnten Arztes und der Eltern dieser Knaben mit außerordentlicher Geschicklichkeit, indem er rib’n nehmen mußte. Die Operation gelang vollkommen, die Kinder sind genesen, und deren Eltern sind höchlich erfreut, ein befürchtetes Uebel völlig gehoben zu sehen. 4. Urgiss. Deutschland, Hannover, 10. Juni. (H. C.) Hinsichtlich der Juden ist der Beschluß zweiter Kammer angenommen, nämlich der Regierung zu erwidern, daß man Bedenken tragen müsse, in die Ausschließung der Juden vom Militärdienst zu willigen. Würz bürg, 19. Juni. (Privatmitth.) Das Tagesgespräch dahier ist gegenwärtig die, in voriger Woche stattgehabte Versammlung der sieben Rabbiner des hiesigen Kreises (Unterfranken und Aschafsenburg), die zufolge eines königl. Regierungsreskripts am 8. d. M. ihren Anfang nahm, aber schon am drauffolgenden Tage sich wieder löste. So viel man darüber vernimmt, war die Absicht der Regierung, die Rabbiner sollten sich über Einführung eines neuen, für alle Schulen ihres Bezirks gültigen, gleichmäßigen Lehrplans berathen, sich namentlich über ein allgemeines Religionsbuch verständigen und das Resultat ihrer Berathung der Regierung vorlegen. Eine solche Vereinigung soll jedoch nicht zu Stande gekommen sein, vielmehr war man, nebst der Differenz in mehreren andern Punkten, über die Wahl eines einzuführenden Religionsbuches — Büdinger und Behr waren vorgcschlagen — geteilter Meinung. So mußte sich natürlich die Berathung fast gleichzeitig mit ihrem Beginne wieder auflüsen, die gewiß, wäre sie ruhig und nach Wichtigkeit des Gegenstandes geflogen worden, unmöglich in so kurzer Zeit hätte beendigt werden können, um zu einem gewünschten Resultate zu führen. Mit desto größerer Spannung sieht man daher dem entgegen, was die Regierung in diesem Punkte unternehmen wird, da besonders der Referent des Schulfaches — erst vor Kurzem von Ansbach hieher versetzt — sich sehr lebhaft für das jüdische Schulwesen intereffirt. Unter des Letzteren Vorsitz fand im Laufe des vorigen Monats dahier eine Prüfung der Ress-