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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-02 · Heft 27 (2.7.1842) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 27 (2.7.1842)
Date
1842-07-02
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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391 UM den Juden gründlich auszuschließen, und wo möglich seine bürgerlichen und religiösen Intentionen immer mehr in Zwiespalt zu bringen. Die Juden haben nun, als sich diese ganze Streitfrage erhob, eine sehr bedeutende Regsamkeit entwickelt, und nicht ermangelt, mit aller Kraft und auf jede loyale Weise dagegen zn protesiiren. Diese Bemerkung giebt uns den nächsten Uebergang zu einem Blick nach innen. Wie sieht es da aus? Wir müssen gestehen, entwickelten unsre Glaubensgenossen da nur die Hälfte der Thätigkeit, die sie beim Angriff ihrer bürgerlichen Stellung äußern — es würde Großes und Herrliches geschehen. Schreiber Dieses glaubt sich berechtigt, dergleichen auSzusprechen, da er es an der Anstrengung nach beiden Seiten hin nicht fehlen laßt, so weit seine schwachen Kräfte ihn dazu befähigen. Aber tief betrübend ist die unendliche Stagnation, die Lm Innern des Judenthums statt hat und immer mehr statt greift. Zwar wenn irgend eine pikante Streitfrage zum Vorschein kömmt, wird nicht ermangelt, Partei zu ergreifen, und Ln schnöder Geschäftigkeit durch eine Fluth von Persönlichkeiten Lärm und Lust zu verbreiten. Man glaube aber nur nicht, daß dabei Begeisterung für ein Prinzip thätig ist. Man sieht da oft als die ärgsten Trommelrührer solche figun'ren, die jedes religiöse Gesetz, was ihre werthe Person betrifft, mit Füßen treten. Wir erachten aber, und jeder Vernünftige mit uns, solche Katzbalgereien für kein Zeichen des wahren regen und bewegten Lebens. Wo aber äußert sich denn jetzt eine wahre Lebensthätigkeit im Innern des Judenthums? Alle Vorschläge, große oder kleine, die etwa einen galvanischen Reiz auf die abgestorbene Muskulatur üben könnten, gleiten ab. Es findet keine Konzentration von irgend Kräften statt, Alles ist zerstreut und vereinzelt. Die jüdischen Kircheninstitute zerfallen, die jüdische Literatur findet eine nach Verhältniß geringfügige Unterstützung, und der Einzelwille zerschellt an dem unbeweglichen Fels der Gleichgültigkeit. Ja, es liegen jetzt bedeutsame Fragen dem Judenthume zur Durcharbeitung vor; ja, es giebt auch einzelne Männer, welche ihre Kräfte auf's höchste anstrengen, zu ihrer glücklichen Lösung beizutragen; aber was hilft es: um Eindruck zu machen und zu wurzeln, bedarf es eines festen Bodens, aber in einer ungeheuren Masse flüssiger Gallerte läßt sich auf nichts Bleibendes rechnen. Haben wir also unserer Pflicht nach außen genügt: so kömmt es noch mehr darauf an, nach innen zu erstarken und uns kräftig aus der Ohnmacht zu erheben. Zeitungsnachrichten. 'Preußen. Von der preußischen Grenze, 9. Juni. (Eingesandt.) Folgende Bekanntmachung der Königl. Regierung zu Gumbinnen, abgedruckt in dem Amtsblatt No. 6. d. I., ist noch nicht zu weiterer Kenntniß gekommen. Unter Aufhebung aller bisher von No. 27. - , r~ ... V , _ w SSctrifft die uns erlassenen Anordnungen, berressend polizeilichen das Einschlcichen fremder, insbesondere Maßregeln russisch-polnischer Juden, bestimmen wirA^"^^ hierdurch auf Grund der uns dieserhalb fremder, mshöhern Orts ertheiltcn Ermächtigung zur allgemeinen Nachachtung, wie folgt: russisch, polni- 1) Es darf fernerhin kein rus-^'"^"derm sisch-polnischcr Jude über die umheiticiben Grenze hierher in's Land gelassen werden, der nicht Januar, wenigstens fünfzig Thal er baares Geld oder Geldes-Werth bei sich führt. 2) Diejenigen Juden, welche aus dem nördlich von der Memel gelegenen und dort unmittelbar angrenzenden Rußland nach Preußen kommen, haben unverzüglich bei dem nächsten, von uns hiemit beauftragten Beamten zu Jonaten oder Eydalhen, Kreises Heydekrug, zu Meischlauken, Eoadjuthen, Meschpeltern, Schacken oder Laugsargen, Kreises Tilsit, so wie zu Klein-Schustern oder Schmaleningken, Kreises Ragnit, Grenz-Einlaß-Scheine zu lösen, welche sie innerhalb dieser Kreise behufs des Grenzvcrkehrs polizeilich legitimiren, sofern solche von dem nächsten Herrn Landrath, bei welchem sie sich sofort zu melden haben, visirt werden. Wollen diese Juden weiter in's Land, so haben sie sich dieserhalb an das nächste landräthliche Bureau in den vorerwähnten Kreisen zu wenden, woselbst ihnen, sofern ihrem Gesuche nach Inhalt der weiter folgenden Bestimmungen nachgegebcn werden kann, der erforderliche Paß ausgeftrtigt werden wird.

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