Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Seite 383 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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383 gestellt war, durch Uebernahme der vorschriftsmäßigen Rabbinatspflichten Rabbiner unserer Gemeinde zu sein und zu bleiben. Er hat auf unzweifelhafte Weise zu erkennen gegeben, baß er dies nicht will; und so müssen wir denn das Dienstverhältniß des Herrn R. Tiktin zur Gemeinde als von ihm freiwillig gelöst und aufgehoben anseh en. Wenn es irgend einem Mitgliede der Gemeinde in nächster Zeit noch gelange, Herrn R. Ti kt in zur Uebernahme der statutenmäßigen Amtspflichten eines ersten Rabbiners zu bewegen, so soll er uns ein willkommener Friedensbote sein, und wir wollen mit Freuden das Band zwischen der Gemeinde und Herrn R. Tiktin schließen und befestigen. Aber Statutenwidriges anzuerkennen und in Schutz zu nehmen, das wird, dies hoffen wir zuversichtlich., kein Ehrenmann in unserer Gemeinde von ihrem Vorstande fordern; dazu würden wir uns auch durch keine Gewalt bewegen lassen. — Möge der Friede einziehen in unsere Gemeinde und in ihr eine dauernde Stätte sich gründen. Aber möge der ersehnte Friede nicht um den Preis des Rechtes erkauft werden, ohne welches kein Friede von Dauer sein kann. Breslau, den 25. Mai 1842." Königsberg, 7. Juni. (Privatmitth.) Aus einem Artikel in der gestrigen hiesigen Zeitung über den auch in Ihren Blättern besprochenen Aufsatz des Herrn H. in der Staats-Zeitung hebe ich Folgendes hervor: „Ein Aufsatz in der Staatszeitung „über Anzahl und Vertheilung der Juden in Preußen" zeigt namentlich gegen das Ende die entschiedene Tendenz, die erwähnten Gesetzes-Jdeen (in dem bekannten Ministerial-Erlaß) als zeitgemäß, für Juden und Christen gleich heilsam darzustellen. „Die sittliche Stellung der Judenschaft hängt wesentlich davon ab, daß es ihr möglich bleibt, eigene Anstalten für den Elementarunterricht und für die Verpflegung der Armen und Kranken zu unterhalten. Das vermögen aber nur zahlreiche und wohlhabende Judengemeinden." Hiemit soll offenbar die Bildung gesonderter Judenkorporationen als nothwendig dargestellt werden. Fragt man aber, welchen Umständen die in neuester Zeit immer zunehmende Verbrüderung zwischen Christen und Juden zugeschrieben werden muß, so ist der einzige Grund dieser erfreulichen Erscheinun die gemeinsame Bildung. Gerade weil in den Schulen von Jugend auf jüdische und christliche Kinder einander nahe gerückt werden, weil sie hier einsehen lernen, daß ihre verschiedenen Glaubensdogmen kein Hinderniß freundlicher Verhältnisse sind, daß es keine gesonderte jüdische, sondern nur eine gemeinsame deutsche Bildung in unserm Baterlande giebt, daß Juden und Christen gleich tief von dieser Bildung durchdrungen werden, und später in Wissenschaft und Kunst dieselben Ideale verfolgen, nur hiedurch sind jene traurigen Vorurtheile gegen die Juden großentheils zum Falle gebracht, und nur durch das Beibehalten gemeinsamer Bildungsanstalten läßt sich ein solches, unseren aufgeklärten Begriffen angemessenes Verhältniß für die Zukunft sichern. Der Religionsunterricht ist in unseren Schulanstalten durchaus kein so vorwiegendes Element, daß nicht Anhänger verschiedener Religionsparteien in derselben Anstalt vereint sein könnten- Obgleich der jüdische Schüler in der Schule nicht gezwungen wird, am christlichen Religionsunterrichte Theil zu nehmen, so ist das Bedürfniß, sich mit den Lehren der christlichen Religion bekannt zu machen, für den gebildeten Juden so dringend, daß oft selbst strenggläubige Juden freiwillig an diesem Unterrichte Theil nehmen. Worin liegt also die Nothwendigkeit besonderer jüdischer Unterrichtsanstalten? — „Keine weise Regierung," heißt es in jenem Aufsatze weiter, „könnte Anstand finden, eine Gleichstellung der Juden und Christen unbedingt auszusprechen, wenn hiedurch wirklich die kräftigste Entwickelung derselben gesichert, und wenn nicht die Juden durch ihre Religion selbst genöthi'gt wären, eine besondere Nationalität zu bewahren." Man hätte statt dessen sagen sollen: Keine weise Regierung kann Anstand finden, unter Umständen wie die unserigen eine Gleichstellung der Juden und Christen unbedingt auszusprechen! Denn wer kann nach den Befreiungskriegen noch von einer besonderen Nationalität der Juden sprechen? Würden die Juden mit allgemeiner Begeisterung für die deutsche Nationalität die Waffen ergriffen haben, wenn diese ihnen eine fremde, der ihrigen widersprechende gewesen wäre? Auch in diesem Aufsatze dient übrigens das alte