Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
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380 der Statuten ihm obliegenden Pflichten erwähnte, konnte dem Vorstand auf keine Weise genügen. Noch mehr mußte ein Schreiben des H. T. an den Vorstand vom 13. Februar befremden, worin er gegen die Wahl des vr. Geiger „auf's Feierlichste" protestirte und die Einstellung der von diesem gehaltenen Predigten forderte. Der Vorstand richtete deshalb an ihn unterm 19. Februar eine kategorische Schlußerklärung, worin die Ungebührlichkeit eines Widerstandes gegen gesetzlich bestehende Verhältnisse klar entwickelt war, und in welcher cs unter Anderm heißt: „-Dieses vorausgeschickt bemerken wir, „daß die Anstellung eines Rabbiners an unserer „Gemeinde nicht Ihrer Rabbinats-Autorität unter- „liegen kann, da unsere Statuten ausdrücklich „vorschreiben, wie bei Ausnahme eines Rabbiners „verfahren werden muß, und nirgends in denselben dem ersten Rabbiner ein Vorbehalt einge- „räumt ist, einen Beschluß des Vorstandes in die- „ser Hinsicht von der Anerkennung des ersten Rab- „biners abhängig zu machen. „-Daß diese Wahl (des Herrn Dr. Gei- „ger) aber auch selbst nach ihrem eigenen „Ausspruche als vollkommen gültig zu betrach- „ten ist, geht aus Ihrem gutachtlichen Schreiben „hervor, wie die Akten über Ihre Anstellung „ergeben. Es hat nämlich der Vorstand der Ge- „meinde bei Gelegenheit Ihrer eigenen Anstellung „in Folge Auftrags der König!. Hohen Regierung „Sie um den Nachweis Ihrer Befähigung „zu dem Amte eines Rabbiners angegan- „gen. Ihre Erklärung hierüber lautete im Aus- „zuge und in der Uebersetzung folgendermaßen: „„Fern sei es von mir zu glauben, daß die „„Ausgezeichneten der Gemeinde Etwas von „„mir verlangen sollten, wodurch ich die Ehre „„einer so großen Gemeinde verletzen sollte, de- ,,„ren Mitglieder voll Kenntniß und Gelehr- „ „samkeit sind, die zu prüfen haben, und ohne „„deren Zustimmung Nichts geschehen darf; „„wie dies Brauch ist in allen großen Städten. „„Seitdem unsere Zierde, das große Synhe- „„drium, uns genommen ist, gibt es unter „„uns keine Ordinirenden und keine „„Ordinirtens^uiv »bi »b i:b ■p»). „„Indem ich nun das Schreiben der Hohen „„Regierung überdenke, sehe ich, daß sie in ih- ,,„rem Rechtssinne zu erfahren verlangt, wie „„es Brauch ist bei Anstellung eines ersten „„oder zweiten Rabbiners i» nn). „„Wenn Sie nun, hochgeehrte Herren, Der- „ „selben das Wahlverfahren in allen gro- ,,„ßen Gemeinden seit dem Erlöschen der „„Ordination anzeigen werden, so wird sie „„sich gewiß damit einverstanden erklären." ,,„(gez.) S. A. Liktin." „Schließlich glauben wir, daß Sie als Beamter „der Gemeinde, und so lange Sie im Amte sind, „immer denjenigen Pflichten Nachkommen müssen, „die Ihnen bei Uebernahme des Rabbinats zur „Bedingung gestellt sind, und die Gemeinde- „Statuten §. 72—78 vorschreiben, auf „deren pünktlichere Erfüllung Ihrerseits „wir Sie wiederholt verweisen müssen. „Indem wir Ihnen nun hiermit unsere desini- „tive Erklärung abgeben, und Sie daraus ent- „nehmen, daß wir Ihrem Anträge um Einstellung der Synagogen-Vorträge auf keine Weise „Statt geben können, fordern wir Sie auf das „gemessenste auf, den, wie Sie es nennen, ge- „störten Frieden in der Gemeinde dadurch wieder „herzustellen, daß Sie Sich den Beschlüssen „des Vorstandes nicht länger opponiren, „der sich jederzeit bemühen wird, Ihr Bestes „wahrzunehmen und auch gern sieht, daß Sie das „von Ihnen bekleidete Ober-Rabbinat noch fer- „ner beibehalten." Aber die Saat des Widerspruches war mächtiger geworden als unsere eifrigsten Bemühungen; sie hatte mächtig sortgewuchert im Stillen, gewuchert bis dahin, daß selbst der Ort der ewigen Ruhe vor ihrem Gifte nicht bewahrt bleiben sollte. Wir waren fast sämmtlich Augenzeugen des systematisch vorbereiteten und künstlich angestachelten Angriffs aus den in seiner geistlichen Funktion begriffenen zweiten Rabbiner der Gemeinde; wir mußten ihn schützen und die auf das leidenschaftlichste entflammten Gemüthcr in der Gemeinde durch eine rasche und entschiedene.' Maßregel dämpfen und zur Ruhe bringen. In Erwägung nun, daß die jüngsten Synagvgal-Vorträge so wie die eben erst auf