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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-06-25 · Heft 26 (25.6.1842) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 26 (25.6.1842)
Date
1842-06-25
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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377 er ist ein Ausländer; der andre wird von seinem Herrn fortgeschickt, weil entdeckt worden, daß er Jude, und so fort. Wird er Meister, so hat er ewig zu kämpfen; die Juden geben ihm Nichts zu arbeiten, weil er Jude, denn sie haben weniger Vertrauen zu ihm, der Christ giebt ihm keine Arbeit, weil er Ire von einem Christen eben so gut haben kann. Und sieht er nun seine so kümmerlich herangezognen Knaben an, soll er sie zu demselben Elend erziehen? Er widmet sie wieder dem Handelsstande, denn das Handwerk hat für ihn — keinen Boden. Eben so wenig kann es der jüdische Kaufmann recht machen. Leibt er Luxus, macht er ein Haus, Aufwand — so heißt es, er ist zudringlich, prahlerisch; macht er es nicht also, lebt er eingezogcn, so ist er gemein filzig, scharrt das Geld zusammen, und läßt Keinem was zu Gute kommen. Spendet er bei öffentlichen Kollekten reichlich, so ist er ehrgeizig, eitel, aufschneiderisch; thut er es nicht, so ist er engherzig, jüdisch. Ich könnte viele Geschichten erzählen. Es ist Alles nicht recht am Juden; zeichnet er sich aus, so möcht' man ihn unterdrücken; hält er zurück, so verachtet man ihn. Nirgends soll er emporkommen, überall verschwinden, will er nicht mit den schnödesten Epithetis belegt werden. Und am Ende kömmt dann Einer aus den höchsten Staatsregionen, schüttelt die Juden, wie Marionetten, in Einen Sack, und wirft diesen in den Winkel unter den Kehricht. Weiß es der Himmel, wie macht's der Jude, daß er nicht menschenfeindlich wird? Ich habe dies oft genug bewundert, und mir die Hand fest auf die Stelle des Herzens gedrückt. Lächerlich ist das, was der Verf. über das Verderbliche ausbrütet, das die Gleichstellung für die Juden haben soll. Wo habt Ihr denn einen Beweis dafür, ihr Statistiker? Wo ist denn in Frankreich, in Holland, in Belgien das von Euch immerfort gefürchtete Herandrängcn der Juden? wo ist denn die dadurch erzeugte Bitterkeit? O Gott, ihr würdet schon dafür sorgen, euer deutsches Vorurtheil würde dafür sorgen, daß Ihr die Juden nicht zu hoch steigen ließet, und ich könnte meinen Kopf verwetten, daß nach 10 Jahren völliger Gleichstellung die Juden sich allmälig vom Bewerben um Staatsstellen zurückziehen würden — weil sie sehen würden: sie werden doch nichts. Zum Ueberfluß will ich Herrn H. ein kleines Beispiel, ein kleines, aber jammervolles Beispiel geben, daran er genug hat, wenn er ein Herz hat. Das Kurfürstenthum Hessen ist ein Land, wo die Juden völlig emanzipirt sind, aber das doch in Deutschland liegt. Dieses Hessen hat eine Universität, woran ein Jude Privatdocent war, Dr. Rubino, Verfasser der Geschichte der Verfassung des alten Roms, als Lehrer beliebt. Von dem berichteten vor wenigen Wochen die Zeitungen: „Da ihm, weil er Jude war, keine Professur gegeben wurde, (merken Sie, trotz der Emanzipation!) so hat er sich taufen lassen, und wird nun eine Professur erhalten, worauf er auch gleich heirathen wird." Sehen Sie, das macht man aus dem Juden- und dem Christenthum. Dem Juden giebt man keine Professur, und das Christenthum erniedrigt man zur Brodkrippe, zur „melkenden Kuh," die als lockende Klingel — eine Professur um den Hals tragt. Ich danke meinem einigen Gotte, daß er dem Judenthume eine solche Stellung nicht verliehen, und daß es keine Stellen zu vergeben hat, cs sei eine armselige Kantor-, Schächter¬ und Lehrerstelle. Ich hätte Herrn H. noch viel zu sagen. Aber ich will zum Schluffe. Sein Aufsatz ist geschrieben als Folie zu dem letztbekannten Ministerialreskript, er soll eine Interpretation und Beweisführung für dasselbe sein. Dies verräth Herr H. schon dadurch, daß er im Anfang sagt, es sei eigentlich keine Veranlassung zu diesem Aufsatze da, aber man vergäße die Resultate zu leicht, weil Journalliteratur zu flüchtig gehandhabt wird. Nun, diesen Aufsatz wird man auch wieder vergessen. Freilich, jenes Ministerialreskript nicht. Es wird einst stehen dicht neben den Reskripten des verewigten Hardenberg's, so wie das zu erwartende Gesetz neben dem von 1812, neben dem Westfälischen und Französischen, und — die Nachwelt wird richten! Breslau, 8. Juni. (Schluß des Berichtes des Ober-Vorsteher-Kollegium's an die Gemeinde.) „Und so unterblieben die pflichtmaßigcn Vorträge nach wie vor. In der Gemeinde aber war das Verlangen nach solchen belehrenden und erbauenden Vorträgen von Jahr zu Jahr lebendiger geworden. Es vereinigten sich daher im Jahre 1838 hundert mnd zwanzig der

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