Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Seite 368 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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368 eines wahrhaft schöpferischen und belebenden Moments in der, freilich noch meist destruktiven Thätigkeit unsrer Zeit ist es, daß mitten im Verlauf eines prinzipiellen Kampfes, mitten in der kreisenden Unruhe eines Negations-Prozesses, der die frischen und veralteten Kräfte energisch gegen einander treibt, unv dessen Lösung bald eine, über die lokale Beschränktheit hinausgehende, die gesummte Entwicklungsfragc unsres Glaubens nah berührende, allgemeine, geschichtliche Bedeutung erlangen wird, daß muten in diesem Prozeß, sage ich, sich ein so rein positives Element anzusctzen, und seiner inner» Berechtigung eine konkrete Existenz zu erobern im Slawe ist. Der Hoffnung aber dürfen wir uns j hingeben, weil wir überhaupt an die Macht und! den Sieg des Geistes, dessen Manifestationen wir eben mit dem Bewußtsein der größern Masse vermitteln wollen, unerschütterlich glauben. Die Literatur des Tages ist nicht nur deßwegen eine so imposante > Gewalt und ein so starker Hebel der Volksbildung ■ geworden, weil sie sich durch geschickte Operationen, der Faden aller Zustände bemächtigt hat, und nicht sowol Organ oder Substrat der öffentlichen Meinung, als vielmehr die öffentliche Meinung selbst und vmt,! i'iuyjv geworden ist; sondern auch meistcntheils dadurch, daß sic die Masse wirklich erhob und geistig veredelte. Sie gab gediegne Wahrheit in Scheidemünze aus, und verbreitete abstrakte Ideen in zierlicher und klarer Fassung; und so machte sie die Resultate einer Höhcrn Spekulation zu fruchtbarem Gemeingut. Und in der Art wie die Literatur die ephemeren und geschichtlichen Erscheinungen erfaßte, sie aus der Enge und Jsolirtheit des lokalen und partikularen Jntresses heraus- und zu einem Punkt in der fortschreitenden Entwicklung der Zeit emporhob, in der Art wie sie die hingefallnen Aeußerungen des Zeitgeistes deutete, die Thatsachen gruppirte und beleuchtete, und überhaupt für die, dem allzunahen Auge verwirrt und verwirrend erscheinenden Massen eine höhere Perspektive eröffnete, in dieser ganzen Art, meine ich, lag etwas Anziehendes und zugleich wahrhaft Belehrendes für das populäre Bewußtsein; dieses ließ sich mit innrer» Behagen, und stets wachsenden Vertrauen aus dem engen und bej engenden Kreise der handgreiflichen Tagesmisere, in! den freien Raum weltumfassender Interessen, in die j herzerweiternde Gebirgslust des frischen Gedankens | entführen, von wo cs gekrästigter und gesünder in sein cingezäuntes Dasein zurückkehrte. So ist die Literatur eine Macht geworden durch ihre edlern Bestrebungen; ein Strom, in dem nun unwillkürlich alles was sittlicher Belebung bedarf, mitschwimmen muß. Was man hier gewollt ist also: Allen die einer Erfrischung und Anregung bedürfen, nach den ermattenden Anstrengungen der bürgerlichen Berufsthätigkeit, ein geistiges Sturzbad zu bieten aus dem sie heitrer, freier und besser hervorgehen werden als aus der lähmenden geisterstickenden Atmosphäre gesellschaftlicher Trivialitäten. In diesem Bestreben ist freilich das volle Vertrauen auf den Geist der Literatur ausgesprochen, der wir uns in die Arme werfen. Er ist im Ganzen ein würdiger, ein freier, ein lebendiger, ein dem aufgehenden Lichte zugewendeter; er wird auf der Höhe der Zeit bleiben, wenn schon die unächten Geister, die leider noch in manchen Regionen der Literatur ihr Unwesen treiben, unv fledermausartig im Dunklen und Trüben umherflattern, in den dunstigen Schooß ihres Nichts, aus dem sie entstanden, und das ihr Wesen war, zurückgesunken sein werden. Die uns, wie düsteres Gevögel, den Anblick der Sonne entziehen, werden verscheucht werden, und es wird das Licht dringen in alle unsre Wohnungen! * D. II. Magdeburg, 7. Juni. (Privatmitth.) Vor Kurzem las man in der L. A. Z. über einen Tumult, der in Folge einer Leichenrede des Ober-Nabbinen Tiktin zu Breslau, gegen den vr. Geiger gerichtet, entstanden war, und daß eine Suspension des Tiktin deshalb statt gefunden. Ueberdrüffig, von solchen persönlichen Angriffen und Streitigkeiten berichten zu müssen, legten wir alle uns darüber pro und contra zugckommenen Berichte zurück, um zuvor amtliche Benachrichtigungen zu erwarten. Diese sind angekommen. Das Ober-Vorsteher-Kollegium hat so eben einen Bericht „an die Mitglieder der hiesigen Israeliten-Gemeinde über die gegenwärtig vorliegende Rabbinats-Angelegenheit" vertheilen, und uns mehrere Exemplare zukommen lassen. Wir geben aus demselben folgenden Auszug. „Als Vertreter unserer Gemeinde und als gewissenhafte und amtlich verpflichtete Beschützer unserer Statuten mußten wir die Prüfung der Religions-Verhältnisse der Gemeinde als unsere