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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-06-18 · Heft 25 (18.6.1842) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 25 (18.6.1842)
Date
1842-06-18
Page
Seite 367 (sequence 11)
Language
German
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367 Wunsches voll, Ihnen bald eine vollständige erhebende Friedensbotschaft bringen zu dürfen! Um aber die rheilnehmenden Leser nicht lange auf die Deutung meiner allegorischen Apostrophe warten zu lassen, will ich mit der Thatsache beginnen, und meine Betrachtungen dann an dieselbe anknüpfen. Ein Institut, das in ähnlicher Gestalt und Ausdehnung , wol in keiner Gemeinde unsres Vaterlandes existirt, ist seit gestern hier in's Leben getreten, nachdem es in verhältnißmäßig kurzer Zeit rüstig und lebendig, und doch ohne die Posaunenklänge unzeitiger. Verkündigung, vorbereitet worden ist. Es führt den Namen eines „Jüdischen Lehr- und Lese-Vereins," und vereinigt in sich alle Vortheile eines Journal- und Novitäten-Zirkels eines Lesekabinets und einer ausgewählten Bibliothek im Gebiet der jüdischen Wissenschaft und Literatur, ohne jedoch die Schattenseiten von dergleichen Partikular-Instituten an sich zu tragen. Es ist ebensowenig mit der Langweiligkeit, dem Gone und der Unbequemlichkeit gewöhnlicher Bücher- und Journal- Leihanstalten behaftet, als es in die Einseitigkeit und Bornirtheit des exclusiven Klubb- und Zirkelwesens verfällt. Der Verein trägt den Charakter der Oeffentlichkeit, der' Allgemeinheit und Gemeinnützigkeit an sich, und stellt nur insoweit der freien Theilnahme an ihm gewisse, sehr leicht zu erfüllende Anforderungen entgegen, als diese seine eigne materielle Existenz, und die daraus zu erwartenden moralischen Erfolge bedingen. Der Verein ist auch kein Produkt der, alle Wege und Stege unsrer literarischen Genüsse, pilzartig überwuchernden Buchhändler-Spekulation; obwol der Grundriß und der erste Impuls zur Realisirung desselben, von einem, auch sonst um die Verbreitung jüdischer Bildungs - Elemente in hiesiger Gemeinde, sehr verdienten Buchhändler, dem Herrn Mendel Breslauer, ohne irgend eine Beziehung auf sein persönliches Interesse, ausgegangen ist. Der Verein beruht gänzlich auf sich selber; die finanzielle Ucberkraft, die ihm die allgemeine Theilnahme und die ökonomische Verwaltung sehr bald sichert, wird nicht von der Nimmersatten Industrie ausgesogen, sondern fließt in den Boden des Vereins selbst zurück, und befruchtet ihn immer frisch zu festerer Wurzelung und weiterer Verzweigung. Dem Finanzsystem des Vereins kam auch das Wohlwollen des Kommerzienrathcs Herrn I. Fränkel zu Hülfe, der in dem von ihm erbauten großen Hospitale 3 schöne geräumige Stuben, als Lokal bewilligt hat, die sehr vorthcilhaft, zum Lese- Bibliotheks - und Spreck- Zimmer verwendet sind. Diese Zimmer sind an gewissen Tagen zu gewissen Stunden den Mitgliedern geöffnet, und der Besucher findet nicht nur die neuesten jüdischen Zeitschriften, sondern auch eine vortreffliche Auswahl aus der Brochüren- und Flugschrift-Literatur des Tages und der nächstvergangenei, Zeit. Aeltere Schriften der Art, so wie überhaupt alles Interessante aus dem Gebiete der sammtlichen jüdischen Wissenschaft und Literatur, in deutscher, hebräischer und manch andrer lebender Sprache, bietet die Bibliothek zur augenblicklichen und zur langern häuslichen Benutzung in Masse dar. Zur Verwaltung des Vereins, dessen Protektorat übrigens das Obervvrsteher-Kollcgium der hiesigen Gemeinde übernommen hat, so wie zur Ueberwachung der speziellen in den Statuten und Reglements ausgestellten Punkte, ist ein Komitö erwählt, bestehend aus einem Direktor (Dr. Geiger), einem Sekretär (vorläufig Di. W. Freund), einem Bibliothekar (Dr. M. Levy aus Altona), einem Kassirer und einem Kontrolleur (die HH. Joachimsohn und Schiff). Dieser Vorstand hat in Verbindung mit Herrn Breslauer, der der Anstalt seine Kräfte als Kustos widmet, in unausgesetzter Thätigkcit an der Verwirklichung des schönen Planes so lange gearbeitet, bis er die Freude hatte, den Verein gestern am 29. Mai, in Gegenwart der ehrenwerthesten Gemeinde- und zugleich Vereinsmitglieder feierlich zu eröffnen, wobei Herr Dr. Geiger über den Zweck und die Hoffnung des Vereins einige anregende Worte sprach. So hat sich der Verein äußerlich und thatfächlich konstituirt; seine eigentliche Wirksamkeit soll sich in der Zukunft bewähren. Wir dürfen ihn aber mit Freude und mit Hoffnung begrüßen. Mit Freude, weil es ein Zeichen wahrhaft lebendigen Interesses für die Bildung ist, daß, trotz der Gährung und der Aufregung, in der die Gemüther sich gegenwärtig hier befinden, und von der gewöhnlich das Individuum nach allen Seiten seines innren Wesens hin völlig absorbirt wird, dennoch hier den wohlthatigen moralischen Einflüssen Thür und Thor geöffnet ist. Ein freudiger Beweis ferner für das Vorhandensein

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