Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Seite 366 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dieselben das Geschäft der Gold- und Si-berarbeiter und der Uhrmacher selten betreiben, so scheint die Veranlassung dazu nur darin zu liegen, daß diese Gewerbe bisher gewöhnlich zunftmäßig bei christlichen Meistern erlernt werden mußten. Wissenschaftliche Studien führen überhaupt zu Stellungen im geselligen Leben, worin der Jude sich in Bezug auf seine Religionsverhaltnisse freier bewegen kann; wo Mittel vorhanden sind, sich denselben zu widmen, wird er sich dafür entscheiden. Aber bisher gewahrte fast nur das Studium der Arzeneikunde Aussicht auf einen zum Lebensunterhalte hinlänglichen Erwerb. Die Zahl der jüdischen Aerzte übersteigt daher auch sehr weit das Verhaltniß, worin die Zahl der Einwohner jüdischen Glaubensbekenntnisses zu den Einwohnern christlicher Religion steht. Wahrend die Juden nur der Gesammtbevölkerung sind, und obwol dieselben überdies nach der zeitigen Midizinal-Verfassung weder Militärärzte! noch Kreisphysick werden können, so gehört doch wahrscheinlich wenigstens ein Siebentheil unserer Aerzte zu den jüdischen Gtaubensgenoffen, oder doch zu den nur erst neulich daraus zum Christenthum Uebergetretenen. Es scheint nicht zweifelhaft, daß die Juden sich auch in demselben Verhältnisse dem Studium der Rechte und der Kammeral-Wifsenschaften zuwenden dürften, sobald ihnen die Aussicht aus gleiche Beförderung im Staatsdienst eröffnet wäre. Im Allgemeinen stellt sich hiernach das Verhaltniß so, daß die Judenschaft schon jetzt in den Mittlern Regionen des geselligen Lebens eine weit ausgedehntere Stellung einnimmt, als dieselbe nach Maßgabe ihrer Anzahl einnehmen würde, wenn ihre Religionsgebrauche keinen Ernfluß auf die Wahl ihrer Erwerbsmittel harten. Dasselbe Verhaltniß würde sich auch in den höheren Regionen des Staatslebens offenbaren, sobald die Landesversaffung sie nicht mehr hinderte, dahin zu gelangen. So billig einerseits die Anforderung ist, daß die Religionsverschiedenheit Niemand hindern sollte, von seinen körperlichen und geistigen Kräften den möglichst vortheilhasten Gebrauch zu machen; so billig erscheint anderseits auch die Bedingung, daß NeligionSverhältnisse kein besonderes Andringen zu den Mittlern und höhern Klassen der bürgerlichen Gesellschaft dadurch veranlassen sollten, daß sie der Theilnahme an den Arbeiten der zehn- und hundertfach zahlreicheren niedrigem sehr erhebliche Hindernisse entgegenstellen. Wenn einerseits der Vorwurf zurückgewiesen wurde, daß Arbeitsscheu und Mangel an Stetigkeit den Juden abhalte, sich den ländlichen, Handwerks- und Fabrik-Arbeitern der Christen anzuschlkeßen; so darf anderseits einer Meinung auch nicht Raum gegeben werden, welche dem Juden höhere geistige Fähigkeiten beilegt, als dem Christen. Indem eine Masse von Erfahrungen beweist, wie viele glückliche Geistesanlagen unter der Last schwerer körperlichen Arbeiten unausgebildet verkümmern müssen, weit auch die reichsten Nationen noch viel zu arm sind, um ihrem Handarbeiterstamme Raum zur vollständigen Entwickelung seiner Geisteskräfte zu geben; so kann es diesen gegenüber nur als Anmaßung erscheinen, wenn als besondere Gunst der Natur geltend gemacht werden will, was nur die Frucht eines Lebensverhaltnisses ist, das zur sorgfältigen Ausbildung der natürlichen Anlagen zwingt, welche da, wo solche Verhältnisse nicht bestehn, mehrentheils unentwickelt bleiben. Eine vollständige Gleichstellung in politischen und bürgerlichen Rechten, würde für die Juden! selbst höchst verderblich sein, wenn es unbeachtet bliebe, dieselbe mit Anordnungen zu verbinden, welche das Andringen zu den höhern Stellungen im Leben auch bei der Judenschast aus dasjenige Maß zurückführen, welches sich bei den Christen aus den Lebensverhättnissen der verschiedenen Stände bei voller Freiheit der Wahl der Beschäftigung ergiebt. Die Bitterkeit, welche dieses Andringen schon jetzt kenntlich genug erzeugt, steigerte sich dann unvermeidlich zu solchem Umfange und zu solcher Kraft, daß die Macht der öffentlichen Meinung die Judenschaft weit empfindlicher treffen würde, als die gesetzlichen Beschränkungen, welche die Regierungen jetzt noch bestehen ließen." (Schluß folgt.) Breslau, 30. Mai. (Privatmitth.) Da tauchet wieder einmal mitten im Sturm des Kampfes aus dem erregten bewegten Meer der hiesigen Zustände ein kleines stilles Eiland empor, und fasset trotz der alles überstürzenden Fluthen festen Stand, und hebt sein grünes Haupt hoch über die stürmische Flache, und läßt die Hoffnungsflagge von seinen Ufern hinauswehen, daß sie die erhitzten steuernden Streiter zur Ruhe, zum Genuß, und zur stillen Beobachtung des Kampfes aus einer klaren und verklärenden Perspektive einladend herbeiwinke. Ich aber freue mich an das Fenster Ihrer, über den Wogen der Tagesgeschichte dahinsteuernden journalistischen Arche, mit dem ersten abgepflückten Oelblatte, und mit der Verkündigung daß die Gewässer im Abnehmen sind, klopfen zu können, zugleich des