Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-06-18 · Heft 25 (18.6.1842) · p. Seite 364

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 25 (18.6.1842)
Date
1842-06-18
Page
Seite 364 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225253--04454-3314045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

364 Von den minder ansehnlichen hierher gehörigen Mittel- ' städten ist noch Brieg, Landsberg a. d. W., Prenzlow,! Stolpe und Kulm, ferner Oppeln als Sitz der Ober-; schlesischen Regierung und Kreuznach in der Rheinprovinz hervorzuheben. Außerdem enthalten noch vier im! Stande der Städte nicht reprasentirte Ortschaften, nam- ' lich Schermeissel im Regierungsbezirk Frankfurt, Schwarza i im Regierungsbezirk Erfurt, Pekelsheim im vormaligen j Bisthum Paderborn, und Kerpen im Regierungsbezirk I Köln, hierher gehörige Judengemeinden. Im Allgemeinen ist die Judenschaft in der Provinz! Posen, in demjenigen Theile Westpreußens, welcher westj warts der Weichsel liegt, und in den vormaligen Landen : Kulm und Michelau, so wie auch in Oberschlesien ostj warts der Oder größtentheils in zahlreichen Gemeinden! vereinigt. Außerdem befinden sich einigermaßen bedeutende! Judengemeinden fast nur in großen und ansehnlichen! Mittelstädten; die wenigen Ausnahmen hiervon sind vori stehend namentlich angegeben. Aber auch viele der ange- | sehensten Städte enthalten nur eine wenig zahlreiche Ju-! denschaft, und selbst die vorzüglich gewerbreichen großen! Städte Elberfeld, Barmen und Aachen hatten nach der! letzten Zählung noch bei weitem nicht 300 Juden unter! ihren Einwohnern. Die zahlreiche Judenschaft der Rheinj Provinz wohnt dem größten Theile nach zerstreut und; vereinzelt auf dem Lande. Die Provinz Westfalen hatte! in keiner ihrer Städte eine Judenschaft von 300 Mit- - gliedern. Wie gering die Zahl der einigermaßen erheb-; lichen Judengemeinden in der Provinz Sachsen, in Pomj mern und selbst in der Provinz Brandenburg ist, ergiebt sich aus den vorstehenden Angaben. In Niederschlesien liegen nur noch an der Oder selbst beträchtliche Judengemeinden, westwärts derselben und im ganzen schlesischen Gebirge, sowie auch in der Lausitz wohnen nirgend Juden in erheblicher Anzahl beisammen. Ebenso hat auch ganz Ostpreußen mit Einschluß von Ermeland außer der ansehnlichen Judenschaft in Königsberg keine Judengemeinde von auch nur 300 Mitgliedern. Diese Verhältnisse verdienen deshalb eine vorzügliche Beachtung, weil die sittliche Stellung der Judenschaft im bürgerlichen Leben sehr wesentlich davon abhangt, daß es ihr möglich bleibt, eigene Anstalten für den Elementarunterricht und für die Verpflegung der Armen und Kranken zu unterhalten. Das vermögen aber nur zahlreiche und wohlhabende Judengemeinden; wo diese nicht vorhanden sind, kann die Theilnahme der zerstreut wohnenden Juden an dem Elementarunterrichte, der Armen- und Krankenpflege der Christen den Mangel eigener Anstalten hierzu nur sehr unvollkommen ersetzen." So weit der Verf. über die statistischen Verhältnisse; er beginnt seinen zweiten Theil, Ansichten über den Kulturstand der Juden und deren daraus hervorgehende Stellung zum Staate. Hier treffen wir bei dem trefflichen Statistiker auf die veraltetsten Ansichten, er gehört noch in's Jahr 1709, welches er am (sehr überflüssigen) Schluffe selbst citirt. Doch hören wir ihn: „Nicht eine besondere Angelegenheit der Judenschaft, sondern eine allgemeine der Regierungen ist die kräftigste Entwickelung der geistigen und körperlichen Kräfte dieses Theils der Bewohner ihres Machtgebiets in der würdigsten und gemeinnützigsten Richtung. Ware diesem ernsten Bedürfnisse dadurch wesentlich zu genügen, daß aller Unterschied in bürgerlichen und politischen Rechten zwischen Juden und Christen gänzlich aufgehoben würde; so könnten weise Negierungen durchaus keinen Anstand finden, diese Gleichstellung unbedingt auszusprechen. Aber die große bis jetzt noch unbesiegte Schwierigkeit liegt darin, daß die Juden durch ihre Religion selbst genöthigt sind, eine besondere Nationalität zu bewahren, obwol sie längst aufgehört haben, einen selbstständigen Staat zu bilden, und nur noch zerstreut unter andern Nationen leben. Es kann durchaus kein Zweifel darüber bestehen, daß in einem selbstständigen, von Juden bewohnten und regierten Staate ebensowol wie jetzt in den Staaten des christlichen Europas der bei weitem überwiegend größte Theil der Einwohner den Anbau des Bodens und alle diejenigen Handarbeiten betreiben würde, welche die Befriedigung der ersten Lebensbedürfnisse fordert; und ebenso dürfte und könnte nur ein kleiner Theil der Einwohner sich den mechanischen Künsten, dem Handel mit allen seinen Hülfsgewerben, der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten und den Wissenschaften widmen, weil nur bei solcher Vertheilung und Verwendung der körperlichen und geistigen Kräfte Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, häusliches Glück und öffentliche Wohlfahrt bestehen kann. Daß es nur Arbeitsscheu, nur Mangel an Ausdauer und Stetigkeit, nur besondere Neigung zu gewissen Formen des Erwerbs und Verkehrs sei, was die Juden von dem Betriebe körperlicher, namentlich landwirthschaftlicher und Handwerkerarbeiten abhält, ist theils durch klare Thatsachen zu widerlegen, theils durch Verständigung über die zeitige Stellung der Juden zu berichtigen. Als herumziehende Krämer, belastet mit schweren Packen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.