Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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359 gelte dies eben so wol für Dissenters, die dennoch dort erzogen würden, so wie Sir S. Romilly äußerte: „wenn ein armer Jude das Bein bricht, würdet ihr ihm die Ausnahme in M. Bartholomeus Hospital verweigern, weil der Stifter Edward VI. nicht daran gedacht hat, Juden darin heilen zu lassen?" Pfarrer E. Lockwood konnte weder den Antrag noch das Amendement dem Ausspruche des Kanzleigerichts zum Possen unterstützen. Nach jenem Ausspruche müsse die Verwaltung handeln bis er auf legale Weise aufgehoben würde. Die Hauptfrage sei, ob Aussicht sei, daß die Judenkinder bekehrt würden, wenn sie die Schulen besuchten, und ob nicht vielmehr durch Begünstigung der Juden durch öffentliche Wohlthaten, und ihre vermehrte Aufnahme in dieser Stadt, Gefahr sei, ihren Irrglauben zu verewigen? Hatten einige von den Herren Lust zu einer Petition an das Kanzleigericht, so mögen sic das aus ihre Kosten thun, er aber widersetze sich allen Ausgaben dafür aus der Stiftungskasse. Mehrere Herren redeten die Versammlung an, und die Debatte wahrte mehrere Stunden, endlich kam cs zur Abstimmung, und Herrn Sharman's Amendement ging mit einer Majorität von 4 Stimmen durch. l)r. Brereton erhob sich hierauf und erklärte, obgleich das Amendement durchgegangen sei und man ihm vorwerfen möge, er „speie auf den gelben Judenmantel" *), so lege er doch einen Protest dagegen ein, daß Juden von dieser Stiftung unterstützt werden, und das aus einem gesetzlichen Gesichtspunkte: denn die Verwaltung habe kein Recht, nach einem andern Gesetze zu handeln, als nach Lord Eldon's Dekret. Frankreich. Lyon, 24. Mai. (Privatmitth.) Das Journal Le Ilhuue von gestern enthält folgende Nachricht: Herr Heyman de Riqles hat soeben seine Demission als Vorsteher (commissaire surveillant) beim israelitischen Konsistorium gegeben. Es ist zu bedauern, daß zahlreiche Gehässigkeiten den ehrcnwerthen Herrn Heyman bestimmt haben, dem Amte zu entsagen, welches er seit fast vier Jahren bekleidete, und in dessen Erfüllung er, nach der Ansicht des Konsistoriums selbst, mit Erfolg anstrengend versucht hatte, daß die Kommission, der er Vorstand, in einer so wichtigen Stadt wie Lyon mit Anstand und Würde ihre Stellung behaupte. (Vgl. No. 4». vor. I. und 16. d. I.) Deutschland. Hannover, 26. Mai. Das Zustandekommen des Judengesetzes, an welchem die Stände seit fünf Monaten, mit Unterbrechungen, gearbeitet haben, ist neuerdings in Zweifel gekommen. Bekanntlich führte die erste einfache Konferenz zur Ausgleichung der differircnden Beschlüsse nicht zum Ziele, namentlich blieb der Finanzpunkt unerledigt; es mußte deßhalb das nächste verfassungsmäßige Mittel, die verstärkte Konferenz (sieben Mitglieder jeder Kammer, excl. ver Generalsyndiken) zur Anwendung kommen. Auch dies hat nun nicht gefruchtet: die erste Kammer beharrt ftandbaft bei ihrem Beschluß, und die zweite hat sich eben so entschieden gegen die Ablösung des Schutzgeldcs erklärt. Es hängt nun von der Negierung ab, durch einen königl. Kommissar in einer feierlichen Schlußkonferenz, zu welcher jede Kammer zwölf Mitglieder zu wählen hat, die Erledigung dieser Sachen (vorbehaltlich nochmaliger Abstimmung der Kammern) schließlich zu versuchen. Thut dies die Regierung nicht (und jedenfalls hat sie wenig Aussicht, ihre Proposition, den Ausfall des Schutzgeldes auf die Landeskasse zu nehmen, durchzubringen), so bleibt das Judengcsetz abermals liegen, was denn, wie schon öfter bemerkt, im Interesse der Juden nicht sehr zu beklagen, da der Entwurf, auch wenn er mit den ständischen Modifikationen zum Gesetz erhoben würde, in seinen wohlthätigen Bestimmungen nicht sehr freigebig ist. (L. A. Z.) Preußen. Köln, 29. Mai. (Privatmitth.) Wie sich unsre! geachtetsten Blätter über das bekannte Ministerialre- ■j skript aussprechen, mag Ihnen folgende Stelle aus! der heutigen „Rheinischen Zeitung" bezeugen. „Die ' ganze Judensache liegt in der kurzen Frage: sollen ) Kaufmann von Venedig.