Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1842)
- Date
- 1842-06-11
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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353 In den inneren jüdischen Angelegenheiten ist es, Gott sei Dank, ganz still. Die Grundsteinlegung des neuen Tempels ist vertagt, da man nach Genehmigung eines von dem Architekten Klees-Wäldern angefertigten RisseS noch keinen Kontrakt mit einem Baumeister abgeschlossen hatte und von diesen jetzt noch nicht zu erwarten ist, daß sie zu den alten Voranschlägen den Bau übernehmen. Unsere Freischule hat seit vorigem Monat auch eine Turnanstalt, welche außer dem allgemeinen Nutzen ein treffliches disciplinarisches Mittel abgibt. Die Schülerzahl in dieser Schule mehrt sich beständig, mit unseren Privatschulen will es jedoch gar nicht recht vorwärts. Hoffen wir, daß die Worte unseres Kanzelgebetes „Gott segne auch unsere Schulen und Anstalten" sich stets bewähren, und sie durch die erlebte Katastrophe nicht leiden mögen. Bruchsal, 28. April. (Privatmitth. Verspätet.) Zn unserm Lande (Baden) ist jetzt eine große Aufregung, eine gewaltige Gährung aller Gemüther durch die vielen Umtriebe bei den Wahlen der neuen Abgeordneten. Mannheim wählte unter seine Wahlmänner auch 5 Israeliten, Karlsruhe nur einen. Die Wahl der Abgeordneten selbst scheint sich günstig für die Emanzipatiousangelegenheit der Israeliten zu gestalten, da die Meisten, bis jetzt gewählten Abgeordneten aus den frühern Kammcrvcrhandlungcn, als Gönner der Israeliten und Sprecher für die Emanzipation bekannt sind; auch sollen mehrere gewichtige Männer der Opposition, welche früher gegen die Gleichstellung döb Israeliten kämpften, ihre Meinung hierüber geändert und sich geäußert haben, diesmal zu ihren Gunsten sprechen zu wollen. Wenn nun auch nicht zu erwarten steht, daß schon bei diesem ersten Landtag Zeit für die Diskussion dieser Emanzipationsfrage übrig bleiben wird, weil so viele wichtige und ernste Geschäfte auf die Kammer warten, so können wir uns doch mit Recht auf einen der nächsten Landtage vertrösten. So erfreulich und wünscheyswerth jedoch diese Auspizien sind, so betrübend und beklagenswerth ist cs aber auf der andern Seite, wenn in einzelnen Bezirken Beamte, welche die Wahl eines Kandidaten der Opposition Hintertreiben wollen, zur Errei- : chung dieses Zweckes, den fraglichen Kandidaten als; einen eifrigen Vcrtheidiger der sogenannten Judenl emanzipation darstellen und 'nur durch dieses Mittel, wie durch Zauber, alle Herzen gewinnen, alle Meinungen regieren. Wer hätte vor 15 oder 20 Jahren geglaubt, daß in dem aufgeklärten Baden, welches in der Toleranz immer den deutschen Staaten voranging, im Jahre 1842 solche Mittel angewendet werden, solche Mittel wirken könnten V. Ulm, im Mai. (Privatmitth.) Zu den empfehlungswerthen Zeitschriften, welche, den allgemeinen Interessen der Zeit in freisinniger Weise gewidmet, auch unsere Angelegenheiten mit Freimuth besprechen und vertreten, gehören auch die hier seit Neujahr erscheinende Zeitschrift: „die Zeitinteressen." Wiederholt hat sie bereits aus der Allg. Zeit, des Jud. wichtigere Bemerkungen und Erklärungen ausgenommen. Sulzbach, im Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat sich einen tüchtigen Rabbinen in dem Herrn l>r. W. Schlesinger, (Uebersetzer des S. Jkkarim), erwählt, der auch bereits feierlichst installirt ist. Da derselbe auch im pädagogischen Fache bewährt ist, so hoffen wir Vieles von seiner Wirksamkeit, da er auch verpflichtet ist, mehrere Unterrichtsstunden in der von Herrn Elli'nger sehr brav geleiteten Elementar- und Religionsschule zu geben. Desterreich. Aus Ungarn, im Mai. (Zusammcngezogen aus mehreren Korrespondenzen.) Ein „I. Gold, Juden-Richter" unterzeichnetes Schreiben aus Mattersdors zeigt uns mit Bezugnahme auf No. 11. der Allg. Zeit, des Jud. an, daß die Gemeinde nie den Gedanken gehabt, Herrn M. Abelis zum Rabbinen zu wählen. — In Neuwerbacz, Barscher Komitat, einem Dorfe, wo 30 jüdische Familien wohnen, deren Wohlstand nicht bedeutend, ist durch die aufopfernden Bemühungen des Herrn Daniel Popper eine gute israelitische Schule errichtet worj den, die am 22. Marz eine treffliche Prüfung bestand und jetzt aus 52 Schülern besteht. - Am meisten wirkte bei der Gründung dieser Schule der evangelische Pfarrer Herr Skultety mit, der an die versammelten Gemcindcmitglieder eine tief ergreifende Rede hielt. 24 *