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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-06-11 · Heft 24 (11.6.1842) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 24 (11.6.1842)
Date
1842-06-11
Page
Seite 354 (sequence 10)
Language
German
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354 Geschichte. Heber die ehemaligeZudengemeinde inNüruberg. Won Lor. Friede. Richter, Gymnasial - Professor zu Erlangen. (Schluß.) Was half es, daß Maximilian I. in dem nämlichen Freiburger Verweisungsmandat den christlichen Nürnbergern gebot, zum Ersatz der Juden Wechselbänke in der Stadt Nürnberg an gelegenen Enden aufzurichten, und mit Schreibern, Amtleuten und andern Personen nach ihren Nothdürsten, Willen und Gefallen zu besetzen dermassen, daß sie ihren Mitbürgern und Inwohnern, die ihr Handwerk, Handthierung und Gewerb ausserhalb Entlehens und Versehens stattlich nicht wohl getrciben könnten, wann und so oft sie wollen, auf ihr Ansuchen und Begehren nach Gelegenheit ihrer Handlung und Nothdurft Geld leihen und darum Pfand, Bürgschaft und Versicherung nehmen, auf Zeit und Ziel zu bezahlen, und dann ein ziemliches Zins zu erfordern und einzunehmen und von denselben Zinsen die obberührten Amtleute und Ausrichter solcher Wechselbank ihres Solds und Arbeit zu entrichten, und ob alsdann derselben Zinsen Übermaß wäre, dieselben Zinsen zu gemeinem Nutzen und Gut der Stadt Nürnberg wenden und kehren mögen? Gestand doch der Kaiser durch die vorgeschlagenen Schreiber, Amtleute, Ausrichter rc. und durch die für die Staatseinkünfte eröffnete noch gefährlichere Aussicht auf Ueberschuß aus den Zinsen, selbst unverholen die maaßlose Umständlichkeit und Kostspieligkeit aller Einrichtungen dieser Art. Dazu kommt noch die allbekannte Scham der meisten Hülfsbedürftigen vor solchen bei Leihhäusern angestellten Beamten, weswegen hier, und vor jenen unerkannt zu bleiben, zu dem Anlehengeschäft die unzuverlässigsten und doch kostspieligsten Unterhändlerinnen beauftragen. Und doch müssen sie nach wenigen Lagen Zahlungsverzug ihre ihnen oft sehr lieben Pfänder öffentlich an den Meistbietenden weit unter dem Werth, wenn nur die Leihanstalt ihre Forderung gedeckt sieht, losschlagen sehen. Daher fuhren auch nach der Ausschaffung der Juden die hülfsbedürftigen Nürnberger allen obrigkeitlichen Verboten und Strafandrohungen (bis zu 50 st. noch J62J) zum Trotz fort, dieselbe mit großem Zeitverlust in den benachbarten Ortschaften aufzusuchen. Ja, die vornehmern luden sie sogar in ihre Gärten vor der Stadt, um mit ihnen, wenn gleich kostspieliger, doch bequemer zu verkehren, und als die Fürther Judengemeinde zahlreich genug geworden war, bildeten sich in den Vorstädten Wörth und Gostenhof förmliche Pfandniederlagen für die Fürther Hebräer, wie die Verbote des Raths von 1566 besagen. Diese Verbote mußten sich sogar auf den Einkauf des von den Juden nach ihren Speisegesetzen verschlagenen Fleisches erstrecken, welches als wohlfeiler und doch besser von den ärmern Einwohnern Nürnbergs begierig gesucht wurde. Am Ende wußte der Rath selbst, um seinen Fleischmarkt mit gutem Rindfleisch zu versehen, kein zweckmäßigeres und nachhaltigeres Mittel, als den Besuch seiner Viehmärkte auch den Nachkömmlingen seiner verbannten Juden zu erlauben, von welcher Zeit an, das heißt, seit Jahrhunderten sie den Rath und die Stadt reichlich mit gutem Schlachtvieh versorgen. Ueberhaupt läßt sich beurkunden, daß der Handel Nürnbergs genau zu der Zeit der Judenausweisung seinen Wendepunkt erreichte, da ihm auch von jener Zeit an zum wenigsten die Hälfte der benöthigten Kapitalien fehlte, und der von nun an sichtbare Verfall desselben, den man gewöhnlich der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch die Portugiesen zuschreibt, muß weit richtiger auf Rechnung des von nun an mangelnden kühnen Spekulationsgeistes der Juden gesetzt werden. Wie sollten auch einige zwanzig Portugiesische Schiffe, die in den erster» Jahrzehcnden ihre liebe Noth hatten, in Ostindien Niederlassungen und Handelsverbindungen zu gründen, den mehr, als dreihundertjährigen Handelsweg, über Alexandrien und die oberitalienischen Häfen so schnell verödet haben? Jene vermochten Anfangs kaum den Markt Portugals und der benachbarten Länder Spanien und Frankreich zu versorgen. Auch weiß Venedigs Handelsgeschichte nichts von einer so plötzlichen Veränderung, sondern lieferte Nürnberg noch viele Jahrzehende dieselben Erzeugnisse, jedoch wegen der beginnenden Portugiesischen Konkurrenz zu immer niedrigern Preisen. Von jener Zeit an beginnt daher auch das grenzen-

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