Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Seite 342 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225251--04430-3314019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
342 die Fürther, selbst von Ausländern fleißig besucht wurden. Daß jedoch dem fanatischen Rath der Stadt an dieser Schule und deren mehr oder minder zahlreichen Besuch nicht das geringste lag, geht aus der Schonungslosigkeit hervor, mit welcher er ihnen 1349 auch ihr Niemand im Weg stehendes Gymnasialgebäude abnahm, wodurch sie zu schleunigem Aufbau eines neuen in dem ihnen vergönnten Baukreis vermüßigt waren. Ja, Lm Jahre 1406 versagte er ihnen sogar die Eclaubniß zur Erbauung eines zweiten, weil der Raum des erstem für die vielen Fremden nicht mehr hinreichte, und verwies sie aus den Unterricht in ihren Hausern. Endlich wirkte der Rath, in Verbindung mit vielen anderen Reichsstanden, gegen seine ohnehin bereits furchtbar mitgenommenen Juden, Tabulas novas aus, das heißt, kaiserliche Niederschlagung aller Schulden, die man bei den Juden gemacht hatte, jedoch für eine Abgabe von 13 vom Hundert an den Vewilliger dieser Tafeln, den schwelgerischen Kaiser Wenzel. Wie groß jene Schulden gewesen sein muffen, kann man aus dem Betrag dieser-Prozente schließen. Wenzel erhielt nämlich vom Herzog Friedrich in Bayern 13,000 Ft., vom Bischof von Würzburg 15,000 Fl., vom Grafen von Oettingen gleichfalls 15,000 Fl., von Nürnberg 4000 Ft., von Rothenburg 1000 Fl., von Schweinfurt 200 Fl., von Windsheim 200 Ft., von Weiffenburg 100 Fl. Um diese 4000 Fl. an die kaiserlichen Abgeordneten zu entrichten, ließ sich der Nürnberger Rath von jedem seiner Bürger von jedem Hundert des niedergeschlagenen Schuldbetrags 30 Ft. bezahlen! Daß der Nürnberger Rath die Abgeordneten der genannten, verschuldeten Fürsten und Städte zu diesem Zwecke in Nürnberg versammelte, läßt aus seine besondere Thatigkeit bei diesem überjüdischen Geschäfte schließen. Unter dergleichen, wenngleich minder kostspieligen Hudeleien, z. B. durch beständige außerordentliche Abgaben, auszeichnende Kleidertracht (die Männer durch gelbe Ringe an den Röcken, die Weiber durch hellblaue Einfassung der Schleier), Hintreibung der Juden zu den Predigten der damaligen verrückten Missionäre, um jene, so Gott will, zum Christenthume zu bekehren, verging ihnen leidlich genug das 15. Jahrhundert und bei so vierjähriger Sicherheit vor öffentlichem Raubmord, die aber mehx eine Folge der durch die damaligen großen Entdeckungsreisen und die Erfindung der Buchdruckerkunst entstehenden Aufklärung, als einer freundlichern Gesinnung der christlichen Einwohnerschaft war, hatten die Hebräer eher des Himmels Einfall vermuthet, als die am Tage At- > lerheiligen 1498, von den Schöppen der Stadt Nürnberg, den in ihrer Synagoge Versammelten geschehene Ankündigung, daß sie auf Kaisers Maximilian I. Befehl (Freiburg im Breisgau am 21. Juli 1498) innerhalb 3 Monaten die Stadt Nürnberg auf ewige Zeiten zu räumen hatten. Schwerlich hätte sich der sonst so menschenfreundliche Maximilian I. zu dieser himmelschreienden Härte verleiten lassen, wenn ihm nicht sein bevorstehender so unglücklicher Schweizerkrieg von 1499 die thaligste Hülfe der deutschen Reichsstädte, so wie die 8000 Fl., welche ihm der Rath für die gesammte unbewegliche Habe der Juden innerhalb und außerhalb der Stadt bot, höchst erwünschlich gemacht hatte. Auch dies Mal also wußte der Rath zu Nürnberg den gelegensten Augenblick bei dem Kaiser, zum Verderben seiner beneideten und angefeindeten Juden, mit bewunderungswürdigem Scharfsinn abzulauern. Nur so viel Milderung vermochten die Juden dem hartherzigen Rathe durch ihr Wehklagen abzugewinnen, daß ihnen das Ziel des Auszugs auf Mitfasten 1499 verlängert wurde. Aber selbst diese Zwischenzeit benutzte der Rath zu der Feindseligkeit, die umliegenden Fürsten und Reichsstädte gegen die Aufnahme der Juden durch die gräulichsten Schilderungen ihres Wuchers, ja, selbst mit Einmischung der Religion, zu stimmen, was ihm jedoch nur mit Windsheim gelang. Ein Theit der Vertriebenen wendete sich nach Frankfurt am Main, wo eine aufgeklärtere Regierung und Kaufmannschaft längst zu der Ueberzeugung gekommen war, daß die unermüdliche Erwerbthätigkeit der Juden ein unentbehrlicher Hebel der Handelsblüthe jedes Volkes sei, so, daß Erstarrung alles Unternehmungsgeistes in Handelsangelegenheiten am schwersten solche Lander strafe, welche sie, wie die Pyrenäische Halbinsel, völlig verscheuchten. Der andere Theil suchte Unterkunft in den benachbarten freundlichen Ansbach'schen, Bayrischen und Bamberg-schen Ortschaften, und man kann von den meisten Judengemeinden in diesen Plätzen kein höheres Alterthum ihrer Ansiedlung Nachweisen. Wahrend diese zerstreuten Kinder Israels den Handetsvortheilen Nürnbergs wenig Gefahr drohten, mußten Rath und Stadt kaum drei Jahrzehende spater den Schrecken erleben, daß einige der unternehmendsten und wohlhabendsten Glieder ihrer verjagten Judengemeknde sich unter fürstlich Ansbach'schem Schutz in dem so nahen Fürth niederließen. Keine Bitten und Vorstellungen vermochten die Menschenfreund-