Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Seite 341 (sequence 9)
- Language
- German
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341 Kaiser Rudolf I. zu bewegen, den beiden herzoglichen Brüdern die Bestätigung dieses Theils des Konradin'- schen Testaments zu versagen und Nürnberg zu einer freien Reichsstadt zu erheben. Von nun an trat an die Stelle der milden Staufen der den Juden abholde Rath der Stadt, und versäumte keine Gelegenheit ihnen das Leben schwer zu machen. Mit Gleichgültigkeit sah er 1298 dem Mordfest des Ungeheuers Rindfleisch und seiner Würgerbanden zu, wofür die Stadt Nürnberg spater als Mitschuldige (consenlientibus civibus) an so vielem Blut dem Kaiser Albrecht I. eine große Geldstrafe erlegen mußte. Die Geflüchteten wurden zwar unverzüglich zurückgerufen, waren aber nicht einmal 1333 noch sammtlich nach Nürnberg zurückgekehrc *). Daß freilich die damaligen Nürnberger Juden, selbst in zu großem Vertrauen auf ihre bürgerliche Sicherheit, ihren im Handel gewonnenen Wohlstand, wie jetzt die Fürther, auch auf Erbauung schöner Wohnhäuser verwendeten und hierin mit dem Adel und dem übrigen Theil der wohlhabendern christlichen Bevölkerung wetteiferten, daß sie sich in den offensten und gelegensten Gassen der Stadt, wie natürlich, am liebsten anbauten, das war bald in den Augen der gesummten christlichen Einwohner, zumal des Raths, ein unerträglicher Hochmuth, zu dessen Dämpfung Kaiser und Reich in Anspruch genommen werden mußten. — Siebenzehn Jahre nach der berührten dritten Hauptverfolgung gewann der Rath zu Nürnberg, Ludwig dem Bayer, den Befehl ab, daß die Juden alle Kellerhälse an ihren Hausern, worauf meist freundliche Hausgärtchen standen, die sie jährlich im Herbste zu Laubhütten benutzten, als Straßen verengend, abbrechen mußten, und zwar ohne die geringste Vergütung der Kosten der neuen Einrichtung. Ferner benutzte der Rath zu Nürnberg die den Juden äußerst ungünstige Zeit, wo man sie sammtlich als Ursächer des 1347—1350 auf dem ganzen Erdkreis wü- *) Ich vermuthe daher, daß sich schon damals (nicht erst 1348, wie Wagenseil will) Tausende von deutschen Judenfamilien zum Schutz vor Ermordung in die Böhmischen Bergwälder flüchteten, aus welchen sie sich um die Zeit der Hussttischen Unruhen als Zigauner (Ziehgauner, 0o!iLmi^n8,) wieder hervorwagten. Ihr Judenthum, das ihre aus Deutsch und Hebräisch gemischte Sprache verrieth, suchten sie durch die Lüge ihrer Ägyptischen Herkunft zu verstecken. A. d. H. Prof. Richter. thenden schwarzen Todes durch Brunnenvergistung anklagte, und an vielen Orten zu Tausenden, auch zu Nürnberg 1348 zu Hunderten, schonungslos niedermetzelte oder lebendig verbrannte, dazu, den um Gunst der Reichstädte buhlenden neuen Kaiser Kart IV. zu bewegen, daß man die sämmtlichen Judenhäuser, welche die Flache des jetzigen großen und Obstmarktes bedeckten, nebst der an der Stelle der (nun katholischen) Frauenkirche gestandenen Synagoge einreißen, die Plätze zur Bildung der genannten beiden Märkte einebnen und auf dem Bauplatz der Synagoge die Marienkirche errichten durfte. Entschädigung für ihre erloschenen Steuerrechte auf die abgebrochenen Hauser erhielten vom Rath blos der Burggraf von Nürnberg, Bischof von Bamberg und Arnold von Seckendorf zu Zenn mit 1600 Gulden, die Juden für ihr weit wichtigeres Eigenthumsrecht keinen Heller. — Zu gleicher Zeit, und dies ist wol das empörendste, lockte man dem Kaiser den harten Beschluß ab, daß die Juden fast in der ganzen, man kann wol sagen, von ihnen miterbauten Stadt ihre bisherigen Häuser räumen und sich dafür auf der großen Brandstatt von 1341, in der Gegend des Taschenthals und der von ihnen spater benannten Judengasse, versteht sich, auf ihre Kosten anbauen mußten. Dahin wurden auch diejenigen verwiesen, deren Hauser den beiden Hauptmärkten hatten Platz machen müssen. Die schönsten und wohlgelegensten jener eingezogenen Häuser verschenkte Karl IV. an den Rath zu Nürnberg und an viele adelige Geschlechter der Stadt, zumal an das Stromerische, aus welchem ihn Ulrich Stromer zu dieser schrecklichen Mißhandlung seiner treuen Kammerknechte beredet hatte. Die Versicherung einiger minder kecken Nürnb. Chronisten, daß man den Juden ein Jahr Zeit zur Verkaufung ihrer Häuser gelassen, mithin Verkauf erlaubt habe, ermangelt jedes Beweises. Doch die Nürnberger Hebräer, die zum Uebermaß des Jammers auch 1349 von der gegen den Rath empörten Bürgerschaft ausgeplündert worden waren, verzweifelten selbst jetzt noch nicht an ihrer Zukunft. Sie richteten sich auf ihrer grausamen Brandstatt so gut, wie möglich, ein, erbauten eine neue Synagoge und ein neues Gymnasium, und schienen von jener Zeit an mehr noch, als früher, ihr Hauptstreben darauf zu richten, ihre Hochschule durch tüchtige Lehrer möglichst emporzubringen. Denn das darf ich wol nicht erst sagen, daß die damalige Nürnberger Judengemeinde die gebildetste in Deutschland war und ihre Lehranstalten, wie spater 23*