Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
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337 Religions- und Elementarlehrer, deren Leistungen auch von der Regierung lobend anerkannt werden, mit segensreicher Thätigkeit; und bemüht sich der Oberrabine fortwährend noch mehreren seiner Gemeinden die Wohlthat einer zeitgemäßen Jugenderziehung durch Hinwegräumung der äußern und innern Hindernisse angedeihen zu lassen — ein sowol rühmliches, als heilsames Streben, das in diesem Blatte erwähnt zu werden verdient. In einem Lande, wo die Regierung den Religionsunterricht der Juden nicht überwacht, ist-.es der Rabbiner, der diese Lücke auszusüllen hat, und daher der verschiedene Standpunkt des jüdischen Schulwesens in den verschiedenen Rabbinatssprengeln. So z. B. finden sich in dem großen Rabbinate Bonn nur sehr wenige jüdische Schulen, und ist Schreiber dieses selbst von einem katholischen Geistlichen auf den Uebelstand, daß die jüdische Jugend der unter seiner Obhut stehenden Schule alles konfessionellen Religionsunterrichts entbehre, ersucht worden, ihr denselben zu ertheilen. Zwar muß zur Steuer der Wahrheit der Umstand nicht außer Acht gelassen werden, daß viele hiesige jüdische Gemeinden zu klein sind — eine große Anzahl zählt nicht über 7 bis 9 Mitglieder — um einen qualisicirten Lehrer besolden zu können, aber auch dem wäre durch Errichtung mehrerer Centralschulen abzuhelfen. Dadurch würde den Familienvätern nicht nur eine große Ausgabe bedeutend verringert, sondern auch die Einnahmen vieler Lehrer verbessert. In der That, die Stellung der hiesigen jüdischen Jugendlehrer ist gar nicht brillant und obendrein sehr prekär. Sie sind nicht von der Regierung definitiv angestellt, sondern die Gemeinde ist es, die — nach vorhergegangener Erlaubniß der betreffenden Regierungen— einen Lehrer annimmt, aber die Gemeinde ist es auch, die ihn auf Belieben wieder entlaßt. Dieser Umstand allein schon rechtfertigt alle Klagen und erklärt den mißlichen Stand der Lehrer. Bald vermeint dieser, bald jener Ignorant Ursache zur Unzufriedenheit mit seines Lehrers Leistungen und Betragen zu haben, bald ist es namentlich der Religionsunterricht, der ihm nicht genügen will; denn, da man im letztem Fache über das Wie? und Wieviel? noch gar nicht im Reinen ist, so ist es ganz natürlich, daß da, wo so viele und noch dazu incompetente Stimmen sich geltend machen wollen, namentlich die sonderbaren Ansprüche derer, die der Vergangenheit angehörend, einen zeitgemäßen Religionsunterricht nicht zu würdigen wissen, unbefriedigt bleiben. Daher kommt es denn, daß schon manches gute Subjekt diesen abhängigen, gedrückten Stand aufgegeben, und einen sicherern Erwerbszweig ausgesucht, was um so bedauernswerther ist, als es dermalen der fähigen jüdischen Lehrer hier zu Lande durchaus nicht in hinreichender Anzahl giebt, und der Weinberg des Herrn noch der Pflanzer bedarf. Jedoch lebt der intelligente Thcil dahier der angenehmen Hoffnung, daß das neue Juden-Reglement eine verbesserte und von den einzelnen Gemeindegliedern unabhängigere Stellung der jüdischen Lehrer, was einzig und allein diesen so nützlichen und nothwendigen Stand nach Innen und nach Außen heben könnte, zur Folge haben dürfte. Auch hier ist es wieder der Oberrabbiner Dr. Ullmann, der zur Verwirklichung dieser Hoffnung die geeigneten Schritte gethan. ü. Magdeburg, 11. Mai. (Privatmitth.) Auch die Gemeinde zu Gumbinnen hat dieselbe Antwort auf ihre Petition erhalten, welche wir in vor. Nummer als an den Landrabb. Friedländer ergangen mittheilten, und die nach den öffentlichen Blättern auch die Gemeinde zu Berlin erhalten. Dennoch stehen wir nicht an, den Text der Petition jener Gemeinde hier mitzutheilen, damit den Späteren klar sei, welche Gesinnungen die israelitischen Gemeinden des ganzen Reiches ausgesprochen hatten. Dem erhabenen Throne Ew. Königlichen Majestät in tiefster Ehrfurcht nahend, erlauben wir uns, nachstehende, ganz unterthänigste Bitte an den Stufen desselben niederzulegen. — Mit wahrer Besorgniß haben wir in den öffentlichen Blättern, und zwar in einem Artikel aus Preußen die Frage verhandelt gesehen: „ob die Juden fernerhin Militairdienste leisten oder Rekrutengelder bezahlen sollen, oder nicht?, da sie nicht zum Avancement gelassen werden." In wie weit eine solche Frage hohem Orts zur Sprache gekommen, müssen wir alleruntecthänigst dahin gestellt sein lassen, es kann uns aber nur mit tiefem und wahrem Schmerze erfüllen, wenn unser Standpunkt, den wir seit den glorreichen Jahren