Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225251--04423-3314012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
385 dem sonst dazu qualLsicirten Individuum wegen seines Bekenntnisses des einigen Gottes und seines Glaubens an die Thora eine obrigkeitliche Würde nicht übergeben dürfe, zu übergeben nicht verpflichtet sei. Aber demungeachtet wollen -wir schon den größtmöglichen moralischen Nutzen auch aus circumvallirten Verhältnissen ziehen! Zeitnngsnachrichten. Amerika. Altona, 20. Mai (Privatmitth.) Der Aufsatz des Herrn Dr. Wiener in Nr. 20. enthält manche durchaus unrichtige Nachrichten über die Juden Amerika's, so daß ich mir nicht versagen kann, Ihnen einige Mittheilungen in dieser Hinsicht zukommen zu! lassen. — Canada, dem schon während des französischen Besitzes französische, holländische und deutsche Juden, wenn gleich in geringer Anzahl, zugewandert waren, besitzt jetzt in Quebcck eine israelitische Gemeinde mit nicht portugiesischem Ritual. — Ueberdies sollen Minjanim in Montreal und St. Johns (Neubraunschweig vorhanden sein *). — Was die Verhältnisse der Juden in den vereinigten Staaten anbetrifft, so sind fast in allen größeren Städten, z. B. Newyork und Philadelphia, Synagogen mit portugiesischem Ritus, doch giebt es auch Manche, die den von Engländern oder Deutschen überbrachten Minhag der Polen oder Aschkenasim beibehalten haben. — In Philadelphia hat sich außerdem eine Sekte gebildet, die, obgleich von jeder Ceremonie, selbst der Beschneidung sich lossagend, doch meistens aus Juden besteht. — (Dr. Möhring, mein Universitätsfreund, ist, wie ich vernommen, Stütze oder gar Begründer derselben.) — In Charleston hat man sich kürzlich, doch mit Widerstreben einiger strengen Altgläubigen, besonders der Herrn Moses, eines reichen Plantagenbesitzers, nach dem Muster des Hamburger Tempelvereins, eine neue Kirchenordnung geschaffen, wovon auch zur Zeit in Ihrem Blatte Notiz genommen worden **). — Der frühere Hausleh¬ ") Nach einer Mittheilung in Nr. 55, Jahrg. 1838, fanden sich im Jahre 1831 in Canada 107 Juden. Redakt. **) S. Nr. 22, Jahrg. 1841. Red«kt. rer meiner Eltern, im Bremischen Gebiete, damals Posener, jetzt Posninsky, höchst talentvoll und durch äußeres Ansehen wie inneren Werth ausgezeichnet, hat als früherer Chasan der Gemeinde vo» Charleston die Gunst und Liebe einer sehr vermögenden Dame erworben, deren Besitz ihn aber nicht von der Fortsetzung seiner Funktionen im neuen Tempel abgehalten hat. — Es giebt dort verhallnißmäßig viele Strenggläubige; z. B. kann ich Herrn Dr. W. durch mehrere Hamburger bezeugen lassen, wie sie mit mir den zwölfjährigen Sohn meines Vetters (Alex. Abrahams aus Charleston) haben weinen sehen, als er im Hause eines Hamburger Verwandten im vorigen Sommer einer Uebertrekung der Speisegesetze beiwohnte. — Gegentheils hält man in Amerika die Deutschen für irrgläubiger; so hatte jener Knabe seiner Mutter vor der Abreise die Beibehaltung der strengen Observanz angeloben müssen. — Ungenauer sind meine Mittheilungen über zwei jüdische Gemeinden (mit Portugiesischem Kultus), die seit der Gestattung des ungehinderten Aufenthalts in Südamerika, sich in Veracruz (und wie ich glaube in Caraccas) befinden; ich hoffe über Beide Näheres zu erfahren, zumal da ein Sohn des Herrn Pardo aus ersterer Gemeinde sich jetzt hier aufhält. — Unbegreiflich ist, wie ein auf Vollständigkeit Anspruch machender Bericht, wenn wir auch die an Zahl nicht geringen Juden in Westindien (z. B. zu St. Thomas und Kingston auf Jamaica")) übersehen wollten, die bekannten holländischen Gemeinden in Guiana (Paramaribo **) und besonders Savannah) unbeachtet lassen konnte, da diese schon dem bekannten Dohm wegen seiner Vertheidigungsschrift ihre Erkenntlichkeit durch ein Ehrengeschenk an den Tag legten. — Diese wenigen Worte sind zur Steuer der Wahrheit niedergeschrieben, da mich keine andere Absicht gegen den mir völlig unbekannten Herrn Dr. W. leiten konnte. — A. Alexander, Dr. ") S. Nr. 72, 1837 und 110, 1838. Ferner Ausführliches über Curac-ao, 70. Jahrg. 1830. Redakt. **) Ausführliches über Paramaribo Nr. 58, Jahrg. 1839. Vergl. Nr. 91, Jahrg. 1830. Redakt.