Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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331 Zeuge, wenn er von dieser zweiten Verfolgung sagt: „unde factum est, ut non pauci ex ipsis (Judaeis) ejus modi immanitatem fugientes in oppido, quod Noricum seu Norenberg appellantur, ad conservandam vitam se reciperent.“ Auch konnten sie kaum irgendwo einen sicherern Wohnsitz in dem gegen sie aufgeregten Deutschland finden, als eben damals in Nürnberg unter des großen Staufen Konrad Ul. Regierung. Das fränkische Städtlein Nürnberg war nämlich durch Heinrich's V. Tod Erbeigenthum seiner Schwcstersöhne, der Staufen Friedrich und Konrad geworden. Denn daß Nürnberg von 1125 an mit sehr kurzer Unterbrechung unter Lothar IL, bis zu Konradin's Tod, im Jahre 1269, keine Landstadt der Hohenstaufen war und nicht erst im großen Interregnum, wie die meisten andern Reichstage, sich seine Reichsunmittelbarkeit erwarb, konnte in unfern Tagen nur noch ein in seiner Vaterstadt vermeintes Alterthum narrisch verliebter Nürnberger behaupten, welcher sich absichtlich den deutlichsten Aussagen der Geschichte verschlösse. Dieses heitern Erbes machten sich die beiden Staufen bald darauf in dem Thronfolgekrieg gegen Lothar kl. und dessen übermächtigen Schwiegersohn, den Herzog von Bayern und Sachsen Heinrich den Stolzen, durch hetdenmüthige Vertheidigung würdig, wodurch ihnen Burg und Stadt unendlich theuerer geworden sein mußten. Hier brachte Konrad Hl. einen großen Theil seiner Regierungszeit (1138—1152) zu, und erweiterte und verschönerte den Ort nach dem Wunsch seiner Gemahlin Gertraud, durch die Stiftung der St. Aegidienabtei mit der ältesten Pfarrkirche Nürnbergs, im Jahre 1140. Von diesem mächtigen Kaiser, als ihrem obersten Schutzherrn und zugleich als Eigenherrn der Stadt, konnten sich daher die Hebräer auch für die Folgezeit eine ungekränkte Sicherheit versprechen. Dies günstige Verhaltm'ß dauerte unter der ganzen Regierungszeit Friedrichs 1. (1152—1190) fort, welcher auch, wie sein Oheim Konrad HL, durch häufigen Aufenthalt und eine Menge daselbst gehaltener Reichstage, die Blüthe der jungen Stadt ausnehmend mehrte. Um dieselbe Zeit begannen die von Oberitalien (Venedig, Pisa, Genua) aus nach dem Norden versendeten Erzeugnisse des Morgenlandes ihren Weg über Augsburg und Regensburg zu nehmen. Was war natürlicher, als daß die bereits aus früherer Zeit an Handel im Großen gewöhnten jüdischen Ansiedler, mit ihrer bekannten unermüdlichen Thätigkeit, einen sehr bedeutenden Theil dieses Handels nach Nürnberg zogen, und durch ihr Beispiel auch dke wohlhabendern christlichen Einwohner zu gleichen Unternehmungen ermunterten. Durch die sich aus wachsendem Handelsgewinn anhäufenden Kapitalien erhielt der Unternehmungsgeist, der zu mechanischen Künsten wie gebornen Nürnberger, neue Flügel, und zahlreiche Räderwerke an der die Stadt durchströmenden Pegnitz, hoben in kurzer Zeit die Fabriken und Manufakturen mächtig empor. Von gleich glücklichem Einfluß auf diese Thä- .tigkeit im Handel und in den Gewerben war auch die Regierung der fünf übrigen Staufen, Heinrich's VI. (1190—-1197), Philipps (1198-1208), Friedrichs II. (1215-1250), Konrad's IV. (1250—1252) und Konradrn's (1254—1269), obgleich der letzte nicht zur Kaiserwürde gelangte. Da die Juden bei ihren vielfachen Verbindungen durch ganz Europa und ihrem weltbekannten Wandergeist stets am ersten wußten, welche Handelsartikel für dieses oder jenes Land Bedürfniß waren, so nützten sie auch meisterhaft diese günstigen Umstande, und der Reiz der Neuheit vieler von Nürnbergern selbst erfundenen Kunstwerkzeuge und Kunststücke, sicherte diesen oft lange Zeit den allgemeinsten Begehr und die lohnendsten Preise. Kurz diese Juden führten durch die Macht des Neichthums und unverdrossenen Fleißes zuerst in Nürnberg in jeder Beziehung das belebende Schauspiel auf, das ihre spaten Enkel gegenwärtig in Fürth wiederholen. Und eben so, wie diese nahrungsreiche Gewerbsthatigker'r Fürth's, durch den Handel geweckt, dessen Vorstände jetzt in den Stand setzt, die Stadt durch die großartigsten Gebäude zu verherrlichen, und. zum Gegenstand der Verwunderung der Mitwelt und Nachwelt zu machen, ebenso, wie hier ganze Gassen der schönsten und zweckmäßigsten Bürgerhäuser Schlag auf Schlag, wie durch Zauberei, entstehen und Fürth zu einer der reizendsten Städte Deutschlands machen, ebenso wohlthätig, sag' ich, wirkte auch der damalige schwunkhafte Handelsgeist Nürnbergs auf dessen Stadteinkünfte und zauberte die majestätischen Tempel und Gemeindebauten hervor, welche fortwährend ein Gegenstand der Verehrung ihrer Betrachter sind und ihr zahllose Gäste aus allen Gauen Deutschlands zuführen. Wohl wurde die Fronte des herrlichen Rathhauses erst 1616—1619 ausgebaut; aber was man an diesem Prachtwerk noch zu thun übrig ließ, zeugt stärker, als alles, von der Ohnmacht des spatem Nürnbergs für solche Unternehmungen. (Fortsetzung folgt.)