Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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329 gar zu oft Gelegenheit zu Anfeindungen geworden ist! “phm vrr ‘p warnt der Weise, und wir sollten wahrlich dieser Warnung eine größere Aufmerksamkeit schenken, als es, leider! bis jetzt geschehen ist, und, sobald der ernste Wille da ist, ohne viele Schwierigkeiten geschehen könnte. Doch daß sei in meiner Aufforderung das Schlußwort. Auf welche Weise und durch wen soll die Auslassung und Entfernung jener Gebetstücke aus unfern Andachten bewirkt werden? Da wo eine Kultus-Behörde oder Kultus- Kommission bestehet, muß und wird es natürlicherweise ihre wichtigste Angelegenheit sein, die Gebetbücher zu purisiziren und, sei es schriftlich oder mündlich, sei es öffentlich oder privatim ihre Gemeinden von der Kasstrung jener Stellen in Kenntniß zu setzen und insonvers den Vorbeter gehörig darüber zu Lnstruiren. Doch sind die Kultusbehörden oft von der Art, daß sie von dem ihn anvertrauten Gegenstand eben so wenig verstehen, wie etwa ehemals die Rabbinen, von denen man rühmte, daß sie keine — 23:272 kennen, von der Numismatik verstanden haben; oft sind die Glieder dieser Kultusbehörden so unwiffend und mit dem Geiste, und der — Geschichte der Gebete so wenig vertrauet, daß sie fürchten, man wolle ihnen mit jedem Worte, das im Gebete wegbleiben soll — — ihre Religion, ihren Gott stehlen und rauben. Daher müsse wol die Umbildung desKultus dem Volkslehrer, dem Rabbinen, dem Prediger überlasten bleiben, der seine Gemeinde durch einleuchtende Gründe von der Zweckmäßigkeit, ja von der Nothwendigkeit der vorzunehmenden Abänderungen zu überzeugen suchen müffe. Die Schullehrer, die Jugendlehrer sotten und können dem Rabbinen dabei zur Hand gehen, indem sie bei dem zu ertheilenden Religionsunterrichte der Jugend beffere Begriffe von dem Gebete beibringen und es ihr einscharfen, jene in unsrer Aufforderung gerügten Gebete von ihrer Andachr auszuschließen, und in ihren Gebetbüchern sich dieselben zu bezeichnen. — Können Rabbinen und Schullehrer mit einer vernünftigen Kultusbehörde Hand in Hand gehen: so ist dies freilich um so heilsamer, weil alsdann um so eher zu erwarten stehet, daß man auf den Verleger und Drucker der mbsn dergestalt Lnfluiren wird, daß sie bei neuen Auflagen jene Stellen aus den Gebetbüchern entfernen werden, ohne etwa ein Interdikt irgend eines am Geist und Herz beschrankten Finsterlings zu befürchten. In dem obenerwähnten von Mannheimer edirten Gebetbuch sind mehrere jener Stellen gänzlich entfernt geblieben; trotz dessen führt das Gebetbuch den Titel: Gebete der Israeliten: mbsn trotz dessen ist es unangefochten geblieben! — ob es gleich in einem Lande erschienen ist, in welchem, wie lange ist es her, einer der ärgsten Zeloten seine Isabbinifche— Knute schwang! Das Gebetbuch für den Tempelverein inHamburg, das weder jene noch ähnliche Gebete ausgenommen, und ebenfalls als Gebetbuch für Israeliten in die Welt getreten, hat von mehren unsren gelehrtesten und gediegensten Mabbinen, die Approbation erhalten, daß es fest auf israelitischem Grund und Boden wurzele und ein acht israelitisches Gebetbuch fei. — Ich bin fest überzeugt, daß von jedem wahrhaft frommen Israeliten ein Gebetbuch, in welchem jene Stellen fehlen, einem kompletern vorgezogen werden wird, bin aber auch eben so fest überzeugt, daß nur ein fester Wille dazu gehört und in einem Zeitraum von zehn Jahren sind aus den meisten deutschen Synagogen jene Gebete völlig geschwunden und die Bessern sagen: irprn mit denen, die das was recht ist gethan für Gott und Israel. •— Es wäre traurig, meine Brüder! wenn wir mit der vorgeschlagenen Reform erst warten wollten, bis man uns von Au- oder von Dben herab dazu veranlassen oder gar zwingen wollte. Nein, dahin soll es nicht kommen! Achten und hören wir auf die Stimme der Vernunft, auf den Wink der Zeit, auf den Ruf unsers Gottes, der da ist ein Gott der Liebe rurd der Wahrheit. Geschichte. Aus dem achten Jahresbericht des „Historischen Vereins für Mittelfranken" 1838 *). lieber die ehemalige Zttdengememde in Nürnberg. Von Lor. Friede. Richter, Gymnasial - Professor zu Erlangen. Es ist bei dem gegenwärtigen, freudigen Wiederaufleben der geschichtlichen Forschungen im Rezatkreis wol *) Da diese Jahresberichte des genannten Vereins 22*