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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-28 · Heft 22 (28.5.1842) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 22 (28.5.1842)
Date
1842-05-28
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 wartig verlangt die allgemeine Vernunft, in unserm Lande wenigstens, vor Allem was der Wohlfahrt der großen Familie nützen könne. Ja! wir sind tolerant in Bezug auf den Kultus, aber wir sind unbeugsam in unserm Urtherl über die öffentlichen und Privat - Charaktere. Wir wollen nützliche Tugenden, die der Gemeinde Heil bringen. Wir begreifen, daß der Mensch, geschaffen, um in der Gesellschaft zu leben, sein Herz der großen Stimme Gottes öffnen müsse, die ihm zuruft, mitleidig für feine Brüder zu fein. Der Mensch, welcher die Erde betritt, ohne von dem Elend des Menschen gerührt zu werden, kann nicht das Jenseits ansprechen. Und darum, weil Du barmherzig gewesen, weil sich Dein Herz stets bei den Tönen der Leidenden bewegt hat, o Jacob Athias! darum komme ich hierher, um im Namen meiner katholischen Brüder, dankbar meine Stimme zu erheben, und die Betrübniß des Herzens an Deinem Grabe auszusprechen. Du frugest niemals, welchen Gott sie anbeteten: sie hungerten, sie froren, das war genug für Dich! So warst Du unser Vater, unser Freund, Du lebst fort in unserm Schmerz und in unserm Bedauern. Möge diese schwache Huldigung als ein gottgefälliger Weihrauch emporsteigen, und Deine Seele in den Schooß der Ewigkeit begleiten!" Algerien. Paris, im März. Auch die Arch. isr. de Fr. theilen das Circulair mit, welches wir nach einer Privatmitth. aus Marseille in Nr. 20. über die Sendung der Herren Altaras und Cohen gaben. Sie fügen hinzu: Der Minister hat das Projekt gebilligt. Er hat den genannten Herren in sehr schmeichelhaften Ausdrücken geschrieben, und man kann sehr glückliche Resultate von dieser Mission, die sie mit so vieler Eigennutzlosigkeit übernommen, erhoffen. Die Arbeit über die Organisation des israel. Kultus zu Algier wird erst nach dem Empfang der Berichte, welche sie dem Ministerium senden werden, fortgesetzt werden. (Wir haben Aussicht, diese Berichte baldmöglichst zu erhalten. Red. d. A. Z. d. Jud.) Deutschland. Hamburg, 12. Mai (Privatmitth.) Nach den durchlebten Schrcckenstagen, deren Details wir den politischen Zeitungen überlassen, erwähnen wir hier bloß dasjenige, was unser Ressort näher berührt. — Diesmal haben wir freilich die Gesetze, die das Wohnen in der Altstadt den Juden erschweren und das Bedienen der Spritzen ihnen verbieten — zu segnen! Hierdurch sind verhältnißmäßig weniger von Juden bewohnte Häuser abgebrannt und kein jüdisches Leben verloren. Inzwischen sind doch zwei Straßen, der Altwall und der Mönkendamm, die großentheils von Juden bewohnt werden, gänzlich eingeäschert, und in diesen: die portugiesische Synagoge, die deutsche Altstädter Synagoge, die Levin-Salomon'sche Klause, und unser altflädter Frauenbad. Der Nebensaal des neuen Tempels und dessen zwei leerstehende, zum Umreißen wegen des Ncubau's angekauften Wohnhäuser sind dem Hülfsverein eingeräumt, und mit Abgebrannten angefüllt. Die sämmtlichen 8'cki-o Tora der abgebrannten Synagogen wurden gerettet, und die Portugiesen, welche fast Alle abgebrannt sind, halten ihren Gottesdienst in unserm Waisenhause. Dem großen Hülfsverein haben sich zwei unserer Gemeindevorsteher in dieser Qualität als Mitglieder angeschlossen, und außerdem haben wir Alle bei allen Hülfsvereinen, bei der Bürgergarde u. s. w. an allen Arbeiten nach Pflicht und Gewissen, Viele mit Auszeichnung Theil genommen. Gaben aller Art haben wir, groß und klein, in reichlichem Maße gespendet: es liegen indeß zu großartige Muster vor, um hierauf noch besonders Hinweisen zu dürfen. DieHamburg'sche Wohlthätigkeit war immer bewunderungswürdig, geschweige unter den jetzigen Umständen. So erfreulich indeß die allgemeine Freigebigkeit ist, so giebt es doch noch einen weit erhebenden Anblick. Wir meinen: die allgemeine Thätigkeit, das rüstige, emsige Wirken, das uns überall entgegentritt. Da läßt Keiner den Kopf hängen, da legt Niemand die Hand in den Schooß, da denkt Jeder so wenig wie möglich an das Verlorene; sondern jede Hand rührt sich, um seine und seiner Brüder Wohlfahrt wieder herzustellen. Der Kaufmann verliert keinen Tag, um seine Verpflichtungen zu erfüllen und seine auswärtigen Verbindungen ungestört zu erhalten; der Handwerker räumt weg, bessert aus, baut auf; der Krieger beschützt; der Beamte ordnet, und selbst der ganz Arme weiß mit Sicherheit, daß > er sich auf seine Brüder verlassen könne, und giebt

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