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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-28 · Heft 22 (28.5.1842) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 22 (28.5.1842)
Date
1842-05-28
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 der erste Israelit, der in Amsterdam als Rechtsanwalt zugelassen wird. Amsterdam, im April. (Arch. isr. de Fr.) Seit 1826 existirt hier ein israelitisches Seminar, gegründet durch die Bemühungen des gelehrten Mulder, Inspektors der israelitischen Schulen. Dieses Institut hat 1836 eine neue und bessere Organisation erhalten"). Seit drei Jahren ist Herr Lipman, ein berühmter Adookat, Mitglied der Direktion, Lehren Präsident und Mulder Sekretair. Am 18. August vor. Jahres fand eine öffentliche Sitzung im großen Saale des Stadt-Lyceums statt, wo an der Seite der Rabbinen Hollands katholische Priester, reformirte Prediger und die Professoren des Lyceums saßen. In einer sehr belobten Rede setzte Lipman den Zweck des Instituts, unterrichtete und erleuchtete Rabbinen zu bilden, und die nothwendigen Verbesserungen auseinander. Die Regierung hat für 1842 die Summe von 2»,000 Fr. für dieses Jnstilut bewilligt. Frankreich. Paris, im April. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Vor Kurzem ist I. Bochamin in sehr hohem Alter gestorben. Er hatte das Verdienst, den Volksrepräsentanten Rewbel für die Sache der Israeliten günstig gestimmt zu haben. Das Aprilheft der Arch. isr. de Fr. beginnt der Redakteur mit folgenden erfreulichen Zeilen: „Es ist unverkennbar, daß ein außerordentlicher Eifer sich der israelitischen Kultusbehörden in Frankreich bemächtigt hat. Danken wir ihnen für ihre Anstrengungen. Sobald eine religiöse Bewegung sich kund thut, hat man Grund zu hoffen, daß auch der Fortschritt der Zeit seinen wohlthätigen Einfluß ausüben wird; die ehrenwerthen Mitglieder der israel. Kultusbehörden werden fühlen, daß in der Zeit, in welcher wir leben, es nothwendig ist, dem religiösen Gefühl, das in allen Herzen lebt, einen glücklichen Impuls zu geben, und die Herren Rabbinen, als wachsame Wächter an die Spitze Jsrael's gestellt, werden wissen, ") Einen ganz ausführlichen Bericht über dieses Seminarium, wie über die ganze Organisation der niederländischen Synagoge gaben wir Jahrg. 1839. Nr. 80. 81. und 82. Redakt. wie nöthig ihre Thätigkeit ist, und wirksam handeln."— Alsdann wird hervorgehoben, daß derGroßrabbine von Paris vor Ostern einen Hirtenbrief erlassen, worin er auch bemeldet, daß ein neues Konnte gebildet worden zur Aufrechthaltung der Ordnung im Tempel, und daß nunmehr der Vorsänger die meisten Gebete laut vorzutragen, und die Gemeinde leise nachzusprechen habe. Wirklich wurde der Gottesdienst am Peßachfeste ordnungsmäßiger abgehalten, und hat der Tempel in dem musikalisch ausgebildeten Herrn Picard einen guten Vorbeter, und auch einen Chor erhalten. — Am 2. April wurde eine zahlreiche Konsirmation von Knaben und Mädchen abgehalten. — In Metz findet noch dieselbe Zerrüttung statt. Das Konsistorium beharrt in seiner Entlassung; viele begüterte und nach regelmäßigen« Gottesdienste begierige Familien verweigern ihre Beiträge zur KultuSkasse. Bayonne, 1. April. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Die hiesige Gemeinde und die von St. Esprit haben in ihrem Rabbinen, Herrn Jacob Athias, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Derselbe ist am 23. März verstorben, am 24. sehr pomphaft begraben worden. Der Phare des Pyrenees vom 27. widmet ihm einen höchst belobenden Nekrolog. Er war 48 Jahr alt bei seinem Tode, und sehr frühzeitig seinem Vater im Amte gefolgt. An seinem Grabe wurden drei Reden gehalten, die erste von H. S. E. Leon, Mitglied der höher» Administration, die zweite von H. Rodrigues Ely, die dritte von H. Guery, einem Katholiken. Wir glauben, daß diese letztere zu interessant ist, um nicht hier in treuer Uebersetzung wieder gegeben zu werden. „ Meine Herren! unser Jahrhundert wird tolerant genannt; ohne Zweifel, es ist dies, auch; aber seine Toleranz ist eine Wirkung seiner aufgeklärten Vernunft: sie ist nicht eine gemeine Gleichgültigkeit für das, was gut und nützlich ist. Andere Zeiten haben sich durch die religiöse Unduldsamkeit bemerklich gemacht; man sah damals nicht auf den Privatcharakter: zeigte man nur einen blinden, beharrlichen Fanatismus, so wurde man von der Menge geehrt, man schmeichelte den Vorurtheilen, welche die Stelle des öffentlichen Geistes und der private» Moral inne hatten. Gegen-

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