Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1842)
- Date
- 1842-05-21
- Page
- Seite 312 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225249--04398-3313985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 mäßige Organe zur Uebernahme der persönlichen Militärpflicht bereit erklären, zur Lheilnahme an der allgemeinen Militär-Einrichtung des Staats zugelassen werden, sobald cs theilweise ausführbar ist, welches der näheren Ermittelung der Behörde zuvörderst überwiesen worden. Das Resultat wird den Vorstehern der Gemeinde zu Bromberg bekannt gemacht werden. Berlin, den 12. Februar 1831. (gcj.) Friedrich Wilhelm. Air die Vorsteher der israel. Gemeinde zu Bremberg. Auf diese Eingabe wurde uns am 30. vorigen Monats folgendes königl. Kabinetsschreiben zur Antwort: „Den Vorstehern der Judenschaft zu Bromberg eröffne Ich auf die Vorstellung vom 11. April, daß in Gemäßheit des Vorbehalts im Eingänge der Verordnung vom 1. Juni 1833 die Verhältnisse der Juden im Großherzogthum Posen zur Erwägung gelangen werden, sobald über allgemeine Maßregeln, welche in Betreff der Juden zu erlassen und über welche eine Berathung angeordnet worden, von Mir entschieden sein wird. Berlin, den 27. April 1842. An (gez.) Friedrich Wilhelm." die Vorsteher der Jude»scha<t zu Bromberg. Minden, 8. Mai. (Privatmitth.) Die Eingabe, welche die hiesige Gemeinde Sr. Majestät unterthämgst vorzulegen gewagt hat, lautet wie folgt: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König! Allergnädigster König und Herr! In tiefster Ehrfurcht, aber auch in tiefster Betrübniß wagen es die Unterzeichneten Mitglieder des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Minden, sich bittschriftlich den Stufen des Thrones zu nahen. Unheilvolle Gerüchte über ein neues Judengesetz ziehen von allen Seiten, wie eine schwarze Gewitterwolke heran, die den kaum gelichteten Horizont der bürgerlichen Existenz von Ew. Majestät jüdischen Unterthanen von Neuem zu verdunkeln, und sie selbst in die Nacht des Mittelalters wiederum zurück zu schleudern droht.- Mit banger Besorgniß blicken wir auf die Möglichkeit hin, daß unser redliches und heiliges Streben, uns die Bildung unserer christlichen Mitbürger anzueignen, Alles zu entfernen und von uns abzuschütteln, was hundertjähriger Druck uns Unterscheidendes aufgedrängt hat, vergeblich gewesen sein sollte, daß uns das kostbare Gut, in den Reihen der vaterländischen Krieger ferner für König und Vaterland kämpfen zu dürfen, wie wir es freudig in den Jahren der Befreiung von fremder Herrschaft gethan haben, entzogen werden könnte, ja daß wir wieder isolirt und aasgestoßen werden sollten aus dem schönen Verbände, in dem wir seit einer Reihe von Jahren mit unseren christlichen Mitbürgern gelebt haben. Es steigert sich aber die Bekümmcrniß von Euer Majestät diesseitigen jüdischen Unterthanen noch höher dadurch, daß sie unter der Fremdherrschaft bereits des Genusses aller bürgerlichen Rechte theilhaftig gewesen sind, ihnen die Erhaltung dieser kostbaren Rechte bei der wicdererlangten, von ihnen mit ihrem Blute miterkämpften Besitznahme, zugesichert wurde, und huldvolle Worte der Gnade bei Euer Majestät Thronbesteigung ihnen die frohe Aussicht auf die baldige Erfüllung jener Verheißung zu eröffnen schienen. In dieser Bekümmerniß und großer Trauer, von der unsere Herzen, wie die aller unserer Glaubensgenossen erfüllt.sind, wagen wir es vertrauungsvoll, den Blick zu erheben zu Euer Majestät gnädigem Antlitze, flehend, daß es Euer Majestät hoher Weisheit gefallen möge, die uns drohende Schmach huldreich von uns abwenden und nicht zugeben zu wollen, daß wir wiederum in die Nacht des Mittelalters zurückgeworfen werden, vor der Ew. Majestät erhabenes Königliches Wort uns schon einmal geschützt hat. In diesem unbegrenzten Vertrauen zu Euer Majestät großem Herzen, das mit väterlicher Liebe das Wohlwollen aller seiner Unterthanen umschließt, auf Euer Majestät hohe Herrscherweisheit, die schon jetzt ganz Europa bewundernd anstaunt, wagen wir uns der Hoffnung hinzugebcn, daß uns bald das huldreiche Geschenk gänzlicher bürgerlicher Freiheit von Euer Majestät hoher Königlichen Hand zu Theil werde, wie unsere Glaubensbrü'der sie in Frankreich, Belgien, Holland ohne Einschränkung und ohne Mißgunst der sie umgebenden christlichen Mitbürger schon längst genießen.