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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-14 · Heft 20 (14.5.1842) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 diesem vor sechs Jahren verstorbenen Seelenhirten erzählt man sich Wunderdinge. So hielt er kurz vor seinem Ableben, am Versöhnungstage, in der Synagoge eine Rede, worin er seiner Gemeinde darthat, daß Fasten an diesem Tage ein verdammter Unsinn sei.- Von ähnlichem, nicht viel besserem Zustande sind fast alle Gemeinden des Südens. Charlestown allein macht, was die dortige portugiesische Gemeinde betrifft, eine Ausnahme, wenigstens ähnelt sie eher einer europäisch-jüdischen Korporation. In Cincinatti hat man es sogar so weit gebracht, daß ein jüdischer Schächter besoldet wird. — Im Norden der Vereinigten Staaten sieht es zwar besser mit der Religiosität in Israel aus, dennoch ist das Häuflein der Frommen auch dort geringer als in irgend einem Staate Europa's. In New- Aork, wo so viele Israeliten leben, daß sieben Synagogen neben einander bestehen können, hat man das Bedürfniß noch nicht gefühlt, einen Rabbiner anzustellen. Dahingegen giebt es dort noch Eltern, . die ihre Söhne in der hebräischen Sprache unterrichten lassen. In Philadelphia, Boston und Baltimore sind die portugiesischen Israeliten zu Gemeinden vereint, die Chachamim an der Spitze haben; die deutschen und polnischen Gemeinden machen hingegen keine Ausnahme von dem traurigen Bilde, das ich von dem Zustande des Judenthums in den Vereinigten Staaten aufzustellen gezwungen war. Mit Bedauern muß ich gestehen, daß der europäische Israelit, besonders der Pole und Baier, sich mit erstaunlicher Schnelligkeit daran gewöhnt, mit der Cigarre im Munde, am ersten Sabbat, den er im Lande der Freiheit und Gleichheit begrüßt, rauchend durch die Straßen zu ziehen. — Wie dies dereinst enden wird, wenn die neue Generation herangewachsen ist, läßt sich denken. Soviel wird wol jedem Leser einleuchten, daß der religiöse Jude sich in Amerika nicht glücklich fühlen kann und daß in der neuen Welt das-neue Zion für Israel nicht vorhanden ist. — Dr. M. Wiener. Algerien. Marseille, 25. April. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei ein Exemplar eines in diesen Tagen hier erschienenen lichographirten Cirkulär's, welches gewiß ein hohes Interesse bei allen für ihre Glaubensgenossen fühlenden Israeliten erregen wird, und dessen weitere Verbreitung durch die Allg. Zeit, des Judenth. sehr wünschenswerth ist. Es lautet in treuer Uebersetzung folgendermaßen: „Von allen Völkerschaften Algerien's, wie die Mauren, Araber, Kabylen und Andere, haben die Israeliten am meisten durch die französische Besitzergreifung gewonnen; aus der Erniedrigung der Sklaverei sind sie übergegangen zu einem Zustande vollkommner Freiheit, sind sie gleich gestellt worden allen anderen Bewohnern Algerien's. Deshalb müssen sie auch mehr als alle Andere Frankreich ergeben und bei dem Erfolg der Kolonisirung betheiligt sein." „Ihre Anhänglichkeit für die französische Herrschaft kann sogar von sehr großem Nutzen für die Konsolidirung der Kolonie sein. Ihr scharfsinniges Genie, ihre bedeutende Zahl, ihre Zerstreuung durch alle Städte und Flecken der Regentschaft machen sie geschickt, die Vermittler zwischen den ringebornen Völkerschaften und den Franzosen zu sein, und zwischen so verschiedenen Nationen Verbindungen jeder Art anzuknüpfen." „Aber nach dem Beispiel aller Völker, besonders aller frei gewordenen Sklaven, hat der Uebergang von der äußersten Knechtschaft zur Freiheit bei den Israeliten Algerien's eine große Erschlaffung der Sitten hervorgebracht, und es ist nicht zu bewundern, daß unter ihnen eine Anzahl Individuen gefunden wird, die zu Leidenschaften und Trieben sich neigen, welche für sie selbst wie für die, welche sich ihrer Zwischenkunft bedienen, gefährlich sind." „Einige Schriftsteller haben die Sitten der Algier'schen Israeliten sehr stark angegriffen, ohne zu bedenken, daß sie eine traurige Folge ihrer Stellung sind; Andere mit mehr Urtheil fühlen die Nvthwendigkeit, sic moralisch zu bilden, und den unermeßlichen Vortheil, den Frankreich aus ihnen ziehen kann." „Besonders bei uns in den mittäglichen Gegenden begreift man den Nutzen, der sich aus einer speziellen Beschäftigung mit ihrer Veredlung ergeben würde. Viele ausgezeichnete Männer, an deren Spitze der Herr Generallieutenant, Pair von Frankreich, Kommandant der achten Armcedivision, der Herr Präfekt des Depart. des Bouches du Rhone,

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