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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-14 · Heft 20 (14.5.1842) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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beigewünscht wurde, ist in diesem Theile Amerika's,! seit der Revolution des Jahres 1776 noch nicht gestört worden. Die kirchlichen Angelegenheiten Europas kommen mir wie ein ehrwürdiges altgothisches Gebäude vor, an dem geputzt und verbessert wird, je nachdem der Zeitgeist eine Reparatur für nöthig findet, das aber trotz alles Schmückens und Reparirens, das — altgothische Gebäude bleibt. In der Vereinigten-Staaten-Republik ist dies Gebäude vom Fundamente an, neu aufgeführt und gleich auf dem Boden der Gewissensfreiheit erbaut worden. — Ein Beispiel von der für jeden Europäer unglaublich scheinenden Toleranz der katholischen Geistlichkeit erlebte ich während meines Aufenthaltes in New-Orleans. Hier verheirathete sich die Tochter des jüdischen Buchhändlers Benjamin Levy mit einem Advokaten, protestantischer Konfession. Nachdem das Brautpaar vor der Mairie die Civilche geschlossen hatte, fuhr es — sonderbar genug — nach der ka-! tholischen Kirche, um daselbst ihre Ehe von einem! katholischen Geistlichen einsegnen zu lassen! — Man j denke sich eine jüdische Braut, einen protestantischen ■ Bräutigam und einen katholischen Priester, der ihnen das Sakrament der Ehe enheilt, zu einer Zeit ertheilt, wo die ganze europäische Christenheit mehr oder weniger in der Kölner Streitfrage Partei genommen hatte! — Der bekannte Mordechai, Manasse Noah, derselbe, der vor etwa fünfzehn Jahren ein zweites Palästina in Amerika begründen wollte und deshalb die europäischen Juden zur Auswanderung aufforderte, ist Major im Dienste der Republik, war bis zur Abdankung Martin van Buren's (1841 ) Redakteur eines der gelesensten politischen Journale und ist gegenwärtig Kriminalrichter in der Stadt New-F)ork. Obgleich er nun in einer Stadt von beinahe viermal hunderttausend Einwohnern fast täglich Verbrecher in das Zuchthaus oder nach dem Galgen schickt, so fällt es keinem christlichen Amerikaner ein, ihn für bestechlicher oder parteiischer zu halten, als irgend einen andern seiner christlichen Kollegen, weil er in seinen Gebetmantel gehüllt, in einer Synagoge den Gott Jsrael's anruft. — Ein Versuch, den Judenhaß zu erregen, kam während meines Aufenthaltes in Amerika in der Stadt New-Orleans vor; er hatte seinen Ursprung in politischem Fanatismus und ging, wie sich später ergab, von einem aus Deutschland eingewanderten Christen aus. Es stand nämlich als Whig-Kandidat für die Legislatur von Louisianna, ein aus Charlestown (Südkarolina) gebürtiger Israelit auf der Liste. Von Seiten der damals bereits auf allen Punkten siegenden Opposition wurde Alles ausgeboten, um diese Wahl zu Hintertreiben. Zu meinem Erstaunen las ich nun an den Straßenecken einen Aufruf an die demokratischen Wähler, worin es hieß: „Make hav whilst the sun sliiues!*) or you will swallow a Charlestown lew!!!" — Was so viel heißt, als: „Eilet, weil es noch Zeit ist, oder Ihr werdet einen Charlestowner Juden verschlucken!"— Und was glauben Sie, war die Wirkung dieses Aufrufs? — Mit Indignation wurde er gelesen, und j der Kandidat der Whigpartei, der Charlestowner Jude, hatte Ursache, sich bei dem weisen, deutschen Christen für dies Hervorstecken des Pserdehufes zu bedanken, denn er wurde fast einstimmig gewählt, hauptsächlich deshalb, weil jeder der Wähler befürchtete, er könnte im Falle des Nichtstimmens zu des Juden Gunsten, in den Verdacht kommen, lächerliche Vorurtheile gehegt zu haben. — Als ich Europa verließ, hatte der französische Kronanwalt Cremieux gerade seine dem Geiste der Zeit und dem Stande der Bildung in Frankreich so angemessene Fehde gegen die vom Staate vorgeschriebene, mittelalterliche Eidesformel der Israeliten angefangcn. In Amerika angekommen, hatte ich bald Gelegenheit, einen Israeliten vereidigen zu sehen. Der alleinige Unterschied, der hier zwischen Christ und Jude gemacht wird, besteht darin, daß der Richter ersterem die ganze Bibel zum Kusse reicht, während er bei letzterm mit der Hand beide Testamente trennt und ihm allein das alte küssen läßt. Zuweilen kommt es auch vor, daß mehr skrupulöse Israeliten sich weigern, einen Eid auf die deutsche Bibel abzulegen, alsdann steht es bei ihnen, die Eidesceremonie zu bestimmen, und es ist dem Richter vollkommen gleichgültig, ob dieselbe in einem Handschlag oder in irgend einer andern Ceremonie besteht, da, im Falle eines Meineides, dem Wörtlich übersetzt: „Macht Heu, weil die Sonne scheint." —

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