Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
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293 von dem Volke, das zuerst den wahren Gottesglaubenhatte!" rief erden Seinigenzu. — Man staunte den Fremdling, wie den Bewohner eines andern Planeten an und entließ ihn erst nach acht Tagen unter Segenswünschen und Freundschaftsbezeugungen. — In einem Lande, wo solche Erlebnisse vorfallen können, kann es nicht befremden, daß gemischte Ehen zu den gewöhnlichen Ereignissen gehören. Dadurch, daß jedes Ehebündniß, ohne Ausnahme, von der CivilbeHörde gestiftet werden muß, wenn es Gültigkeit vor dem Gesetze haben soll, die nachherige priesterliche Einsegnung aber ganz dem Ermessen des Brautpaares anheimgestellt ist, das sie beliebigenfalls ganz sortlassen kann, wird das Schließen von gemischten Ehen sehr leicht möglich. Den Eltern bleibt es überlassen, die Kinder nach Belieben entweder in der Religion des Vaters oder der Mutter zu erziehen, was allerdings häufig Veranlassung zu Ehezwist geben mag. Zuweilen fallen beim Abschließcn solcher Ehen Dinge vor, die für den Europäer sehr unterhaltend sind: Ein Israelit, in New-Pork wohnhaft, verliebt sich in ein Mädchen aus einer der angesehensten christlichen Familien daselbst. Das Mädchen liebt ihn wieder und auch die Eltern derselben geben ihre Zustimmung, als er um die Hand der Tochter anhält. Der Bräutigam verfügt sich zum Maire, um daselbst den Erlaubnißschein zur Herrath zu lösen. Dieser Beamte kennt zufällig den jungen Mann sowol, wie die Familie der Braut und es entspinnt sich folgendes Gespräch: — Wenn ich nicht irre, so sind Sie mosaischen Glaubens? — — 3«, — Ihre Braut ist also nicht eines Glaubens mit Ihnen? — — Nein, sie ist Christin. — — Sind Sie nicht auch der Meinung, daß eine solche Ehe den Keim zu Zwist und Zwietracht in sich trägt? — — Daß ich nicht wüßte — entgegnete der Heirathslustige. — Ich hoffe vielmehr mit meiner künftigen Gattin recht glücklich zu leben. — — Das wünsche ich Ihnen gewiß von ganzem Herzen! Aber Sie haben wol zu überlegen, daß die Verschiedenheit des Glaubens, besonders, wenn erst die Erziehung von Kindern zur Sprache kommt, leicht zu Meinungsverschiedenheit und Streitigkeiten Veranlassung geben muß. Wäre es daher nicht besser, wenn Sie zur christlichen Religion übergingen? — — Mein Herr Maire! entgegnete der junge Mann — ich bin nicht nach Amerika gekommen, um das, was mir als Erbe meiner Väter und aus eigener, inniger Ueberzeugung das Theuerste auf Erden ist, meinen Glauben, aus weltlichen Rücksichten gegen irgend etwas Anderes umzutauschen. Sie sind mein Freund und mögen es gut mit mir meinen, müssen mir aber gestehen, daß Ihr Antrag nicht amerikanisch ist und mir seltsam erscheinen muß!— Der Maire entschuldigte sich und knüpfte erst nach einer Pause das Gespräch wieder an. Ich sehe — sagte er — an Ihrer Aufwallung, daß Sie fest an den Glauben Ihrer Väter hangen. Sie irren Sich, wenn Sie glauben, daß mir auch nur im Entferntesten etwas daran liegt, durch Ihren Uebertritt die Zahl der Christen zu vermehren! Nur allein meine Freundschaft zu Ihnen und Ihrer künftigen Gattin bestimmte mich zu dem Vorschläge, der Ihren Beifall nicht hat. — Wie wäre es aber, wenn Ihre Braut Jüdin würde? — Der junge Mann war wie aus den Wolken gefallen und gestand, daß er an die Möglichkeit eines solchen Schrittes auch nicht im Entferntesten gedacht hatte; sich auch wol hüten würde, ihr einen solchen Vorschlag zu machen. — — Ich glaube doch nicht, daß Ihnen der Uebertritt Ihrer Braut zu Ihrem Glauben unangenehm sein wird? — Wenn sie dahin gebracht, werden könnte, keinesweges! — — Nun denn, so führen Sie Ihre Braut zu mir! rief die Magistratsperson. — Die Dame erscheint und geht aus Liebe zum Manne, mit Einwilligung ihrer Verwandten in den Vorschlag ein, wird mit der mosaischen Lehre und den Pflichten einer jüdischen Gattin und Hausfrau bekannt gemacht, alsdann bekehrt und nach jüdischem Ritus getraut. — Die Geistlichkeit aller Konfessionen scheint in den Vereinigten Staaten der europäischen Intoleranz völlig fremd geblieben zu sein. Der allgemeine Kirchenfriede, der in der alten Welt bereits seit Jahrhunderten von jedem Menschenfreunde vergeblich her-