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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-14 · Heft 20 (14.5.1842) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 gen: „„Der Mensch sieht in die Augen, Gott aber blickt in's Herz!"" — Solcher Familien mag es — besonders im ehemaligen spanischen Amerika — recht viele geben, doch kann ihr Aussuchen sür uns von keinem großen Interesse sein. Anders gestaltet es sich, wenn wir den Blick nach dem Norden Amerika's, besonders nach den Vereinigten Staaten richten. Es ist bekannt, daß die in den Vereinigten Staaten lebenden Israeliten in politischer Beziehung mit der christlichen Bevölkerung ganz gleichgestellt sind. Es erwächst dem dort wohnenden Israeliten aus einem Uebertritt zur christlichen Religion kein weltlicher Vortheil, den er nicht auch als Bekenner des mosaischen Glaubens erlangen könnte; eben so wenig gewinnt der Proselyt durch seinen Uebertritt die Achtung derjenigen, deren Glauben er annimmt, wenn er nicht zuvor schon achtungswerth gewesen war. Daher kommt es, daß Sie fast nie getaufte Juden antreffen, und stoßen Sie auf einen solchen, so können Sie sich darauf verlassen, daß er bereits als Proselyt die Republik betreten hat. Eine natürliche Folge dieser unbeschränkten Glaubensfreiheit ist, daß fast keine bedeutendere Stadt in der Union eristirt, die nicht auch eine jüdische Gemeinde aufzuweisen hatte. — In der alten Welt leben wenige Christen, die nicht Vvrurtheile, ja selbst Haß gegen die unter ihnen lebenden Nachkommen Israels mit der Muttermilch eingesogen hätten; die wenigen, denen diese Vvrurtheile fremd geworden sind, gelangten erst nach manchem hartem Kampfe der Vernunft mit dem eingepflanzten Haffe, zu einer vorurtheilsfreieren Beurtheilung. Der christliche Bewohner der Vereinstaaten, sobald er Eingeborner ist, hat, dem Juden gegenüber, gegen kein Vorurtheil anzukämpfen, er ist daran gewöhnt, den Menschen nach seinem Wandel, nicht aber nach der Art und Weise zu beurtheilen, in der er zu Gott betet. Es wird auch dem ungebildetsten Christen nicht einfallen, sich geringschätzend oder in Ausdrücken des Hasses über einen Andersglaubenden auszusprechen. Selbst der Begriff, den der Nichtgebildete Eingeborne mit dem Namen „Jude" verbindet, ist ein ganz anderer, als der in Europa übliche. Zwei Beispiele werden diese Behauptung verdeutlichen. — Während meines Aufenthaltes in Louisianna hatten wir wochenlang eine Hitze von 32° Reaumur im Schatten. Zum Erstaunen meiner dortigen Bekannten ertrug ich diese enorme Hitze mit dem Gleichmuthe eines Afrikaners. Als ich mich nun einst bei einem Eingebornen zum Besuch befand und im Laufe des Gespräches meiner jüdischen Abkunft Erwähnung that, rief der Hausherr: „Ich hielt Sie sür einen Deutschen! Wenn dem so ist, so wundert es mich gar nicht, daß Sie die Sonnenhitze mit solchem Gleichmuthe ertragen! Palästina liegt ja nur wenig nördlicher als Louisianna! — Darf ich fragen, ob Ihre Eltern in Jerusalem oder in der Umgegend der heiligen Stadt wohnen?"- Der gute Mann glaubte also, weil ich Israelit bin und unlängst in Amerika angekommen war, müsse ich auch im Lande Israel geboren und daselbst ansässig sein, so wie er gewohnt war, etwa in einem Franzosen einen Bürger Frankreichs zu erblicken. — Einer meiner Bekannten, ein Israelit, durchzog vor mehreren Jahren die Vereinigten Staaten als Hausirer. Beiläufig gesagt ist dies das Hauptgeschäft jedes Einwanderers, ohne Unterschied des Glaubens, sobald er kein Handwerker ist und ohne die nöthigen Mittel, Land zu kaufen, ankommt. Dieser mein Bekannter also kam auf seinen abenteuerlichen Kreuz - und Querzügen auch einst zu einem, im fernen Westen lebenden Menoniten, bei dem er, da die Nacht einbrechen wollte und jede andere Niederlassung fern war, um ein Nachtquartier bat. Nur widerstrebend wurde ihm diese Bitte bewilligt, denn der Amerikaner ist daran gewöhnt, in jedem Hausirer einen zu gelegentlichen Diebstählen geneigten Vagabunden zu sehen. — Bald sollte diese Kälte durch einen merkwürdigen Umstand der herzlichsten Freundlichkeit weichen. Man kam auf Religion zu sprechen und der Gast bemerkte, daß er Israelit sei. Sein Wirth schien darunter eine christliche Sekte zu verstehen, wie deren so zahlreiche in der Union vorhanden sind. Als jener ihm nun erklärte, daß dem nicht so sei, daß er vielmehr Jehova als einigen Gott verehre und von demselben Volke ein Mitglied sei, das vormals in Palästina gelebt, sprang der Menonit erstaunt von seinem Sitze auf: „Wie! rief er — so war Abraham auch Euer Stammvater? Derselbe Abraham, dessen die Bibel als den Gottgesegneten erwähnt? — Seht hier einen Mann, der von den Kindern Israel abstammt,

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