Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 282 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Gestaltung der jüdischen Theologie keine strikte Arbeit gewidmet. Als wenn zu der Zeit, wo sie zu arbeiten anfingen, nicht unendlich viel Näheres zu thun vorlag, als die abstrakte Wiffenschast! als wenn damals nicht zuvor der Strom des jüdischen Lebens auf die Wissenschaft hin zu richten war! Nein, lastet die Jüngern nicht so undankbar sein gegen die, auf deren Schultern sie getreten: man würde der Arbeit am Ende überdrüssig. Fühlt denn Geiger nicht, daß auch hinter uns eine Jugend steht, die, von solchem Beispiel geleitet, auch unsre Arbeiten über die Achsel anschauen wird, weil — diese unsre Arbeiten doch auch nur erst Anfänge der Wistenschaft sind! Schreiber Dieses hat sich just ei- - nes wohlwollenden Empfanges von Seiten der Tempelprediger nicht zu rühmen — gleich nach seinem ersten Auftreten wurde er von einem derselben gar übel zugerichtet. Dennoch wußte er sich bald den rechten Maßstab zu gewinnen, und — „ist doch dafür gesorgt, daß die Baume nicht in den Himmel wachsen." Lernen wir unsre eignen Kräfte nicht überschätzen, Anderer Leistungen achten, und — uns vertragen! Demungeachtet wird die Schrift Geiger's in der Geschichte der Gebetreform von Bedeutung bleiben, und bei einer gründlichen und konsequenten Bearbeitung derselben nicht übersehen werden dürfen. Das Gutachten Frankens hatte dem Gebetbuche wesentlichere Vorwürfe gemacht. Mit dem Nachweis, daß der Ritus des Tempels sowol dem Prinzipe der Transaktion als auch den äußeren Bedingungen seines Ursprungs und Fortbestandes nach nicht ein frei und unbedingt sich gestaltender sei, fällt der Einwand Geigers, den Tempel selbst betreffend/über den Haufen. Frankel aber greift die Art der Reform insofern an, als sie der Gemüthlichkeit ermangele, Vieles entfernt habe, was dem jüdischen Zuhörer lieb sei seit Jugend auf, und von diesem Standpunkte aus verwirft er viele Abänderungen, z. B. Annahme sefardischer anstatt der aschkencsischer Piutim ff. Hiergegen tritt nun in der angeführten Broschüre, ein Meister in der Polemik, Dr. Satomon auf, und spricht, ohne aus den Schranken der Sitte und des Anstandes zu gerathen, aber derb dem Dr. Frankel — die Wahrheit. Man gestatte uns selbst einige Bemerkungen. Es ist und kann hier nicht der Ort sein, in das Detail hinabzusteigen. Wir haben vor binnen Jahresfrist eine Geschichte der jüdischen Kultusreforur rrrrd ihrer bisherigen Resultate zu fertigen, und dahin gehören die einzelnen Streitpunkte über spezielle Gebetformetn. Sondern Allgemeines. Jede Reform hat in ihrem ersten Erscheinen etwas Fremdartiges, welches im ersten Augenblick, gehalten gegen das Gewohnte, unbehaglich ist. Der Probierstein der Reform vom Standpunkte der Gemüthlickkeit ist nun, ob nach mehrmaligem Besuche diese Unbehaglichkeit schwindet, das Gefühl des Heimischwerdens und Hineinlebens entsteht, und daraus eine höhere Befriedigung hervorgeht. Nun hat Herr Dr. Frankel gegen eine bestehende Anstalt das Urtheil der Ungemüthlichkeit gefällt, folglich haben wir auch das Recht, andere bestehende Anstalten zur Vergleichung heranzuziehen. Der Tempel hat das für sich, daß er die Reform faktisch hingestellt hat, alle Anderen kommen nur mit Ideen. Tritt man in den Tempel zu Hamburg oder in die Synagoge in Dresden, an beiden Orten wird der bloß des Alten gewohnte Besucher sich im ersten Augenblicke fremd fühlen. Ec, der gewohnt ist, mit seinem Gotte laut zu sprechen und zu verkehren, muß in Dresden schweigen. Alles, was ec zu sagen hat, übernimmt ein alter Ehasan und ein, oft noch schwacher Chor; er, der gewohnt ist, sich ungenirt in seiner Synagoge zu bewegen, muß still und unbeweglich bleiben; die Neugier, wie der Mizwotverkauf ausfallen wird, fallt weg, die Ehre eines Mischeberach's genießt er, wenn er nicht selbst aufgerufen wird, auch nicht. Ist er ein starrer Freund des Alten, nun so wird er Dresden wie Hamburg verwerfen; ist er ein Freund der Reform, einer innigen Herzenserhebung — so wird er beim Dresdener Gottesdienst bald sehr viele Langeweite empfinden, denn für sein Mitbeten, für seine Ungenirtheit ff. wird ihm kein stichhaltender Ersatz geboten, er wird in seiner Redeweise sagen: „hier ist weder Fisch, noch Fleisch;" mehrere Stunden still schweigen, oder lautlos die Lippen bewegen, und nur hören, das ist — eine Qual. Anders im Tempel zu Hamburg; oftmalige Responsen, ein erhebendes Lied, ein verständliches, ergreifendes Gebet, eine vorzügliche Predigt, das sind Ingredienzen, die, ist er der Erhebung überhaupt fähig, ihn erregen, sein Gemüth in Bewegung setzen müssen. Man darf hier vom Leipziger Tempel nicht bloß den Maßstab nehmen. Die drängende Geschäftsthätigkeit in Leipzig zur Messe, der Mangel an Mitteln lassen in Leipzig nur ein schwaches Abbild zu. — Herr Dr. Frankel wird uns diese Parallele Nachsehen, er ruft sie selbst hervor, und seine Fceimüthigkeit gestattet jedem Andern dieselbe. Kann er nun zwar sagen, daß ihm auch der Dresdener