Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
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279 die Schule zu besuchen und, wie wir von andern Rabbinen wissen, den Kindern selbst einigen Unterricht zu ertheilen. Wir wollen zwar von dem Rabbinen nicht Alles fordern und hätte er sich in früherer Zeit nicht eben so verhalten, wir würden seine gegenwärtige prekäre Stellung recht wol zu würdigen wissen. Aber eben darum ist es an dem Gemeindeausschuß mit Energie gegen die Bigotterie aufzutreten. Es fehlt diesem Ausschüsse an Männern nicht, die Intelligenz und Sachkenntniß genug besitzen, gegen das Uebel zu wirken, die es einsehen, daß es an der Zeit ist, etwas für Gott zu thun, damit der Riß zwischen dem Alten und Neuen nicht unheilbar werde. Dann.wird auch unser Rabbiner — dessen sind wir gewiß — aus seiner Lethargie erwachen und in Hinblick auf den Lohn, der seiner bei dem Herrn des Lichts wartet, eines kleinen pekuniären Schadens nicht achten, der ihm bei diesem, oder jenem erwachsen könnte. — Lassen Sie mich meinen Bericht, der so wenig Erfreuliches bietet, mit etwas Traurigem schließen N'22 ü^O. Am 9. Februar d. I. hat es der Vorsehung gefallen unsern Elementarlehrer Herrn Joseph Kahn, nach einem 27jahrigen treuen Wirken an unserer Schule in seinem 54. Lebensjahre von diesem Leben zu einem bessern abzuberufen. Obwol sein Leichenbegangniß nicht auf 'eine angemessene, würdige Weise begangen wurde, so wurde z. B. von Seiten des Rabbiners oder Vorstandes nicht einmal die Schuljugend angehalten ihren Lehrer und Wohlthater zu seiner Ruhestätte zu begleiten, so gab doch die überaus zahlreiche Begleitung, so wie die unzähligen heißen Thranen, die an seinem Grabe sielen, den deutlichsten Beweis, welcher Liebe und Verehrung er sich von Seiten sämmtlicher Gemeindeglieder, insbesondere von Seiten seiner Schüler zu erfreuen hatte. . . . r. Bielitz (österr. Schlesien), 28. März. (Privatmitth.) Durch die Bemühungen des Kaufmanns Herrn B. Holländer ist auch hier ein guterEhorgesang beim Gottesdienst eingeführt worden. Die Leitung des Chors hat Herr Cohn übernommen, welcher würdige Mann auch religiöse Vorträge halt, bis ein wirklicher Prediger angestellt sein wird. Auch zu einer Orgel schreitet man jetzt. Burgdorf (Balern), 5. April. (Privatmitth.) Am verflossenen Peßachfeste sind durch die Bemühungen des Lehrers Herrn Lesser Chorgesang und Predigt beim Gottesdienste in's Leben getreten. Literarische Nachrichten. Puchow (Ungarn),' Marz. (Eingesandt.) Die Herausgabe des Lexikons des R.'Parchon, worüber schon früher berichtet worden, hat sich bereits durch eine große Anzahl Subskribenten gesichert. Es dürfte für die Leser Ihres Blattes, das sich die Umfassung des Kulturzustandes sämmtlicher israelitischer Gemeinden zur Tendenz gesetzt hat, nicht ganz ohne Interesse sein, wenn ich Ihnen bei dieser Gelegenheit eine kurze Schilderung des Bildungs - und religiösen Zustandes hiesiger Gegend mache. Ganz abweichend von der Vorstellung, welche man sich gewöhnlich von diesen Provinzen des Königreichs Ungarn selbst in Ungarn zu machen pflegt, enthalt und nährt unsere Gemeinde die hoffnungsreichsten Keime des Fortschrittes und der Bildung. Wenn auch, was das äußere Leben betrifft, noch streng an den alten rabbinischen Satzungen fest gehalten wird, was ebensowenig ein Zeichen der Unkultur ist, wie ein leichtsinniges Abwerfen desselben ein Zeugniß wahren Fortschrittes, ja wenn auch nicht ganz von Finsterlingen frei, die das anbrechende Licht gern abzuhalten wünschen, giebt es hier' nicht wenig Männer welche einen wahren Sinn für Wissenschaft und Kultur des Judenthums haben. Ich erwähne hierbei zuerst, der alten ehrwürdigen Familie Lippe, aus der zwei Brüder im September Rabbinatsstellen angenommen haben, der eine (mf 'ri'vi) in Schachtiz, ein ausgezeichneter Tatmudist (*921 pah der jüngere (r^nii iV572) in Gyöngyös hevescher Gespanschaft, nicht weniger als ynm berühmt, daneben auch ein vielseitig gebildeter Mann, ein tüchtiger Redner, dessen dem Zeitgeist entsprechende Gesinnungen zu den besten Hoffnungen für die Zukunft Veranlassung giebt. Nicht minder bekannt ist die achtbare Familie Langfelder, deren Haupt (r&rw /fci) in der ganzen Umgegend die größte Achtung genießt. Besonders hervorzuheben ist dessen jüngster Sohn Herr Leopold (*n5 amm ifi7a), 'nrra ‘ponai -p7:bn Vkr u^n H'vd öD'-nswir n-it-n/ der sich großmüthig genug erboten hat, das Papier zu dem ganzen Werke vorzuschießen, ein Anerbieten das nur von einem Manne, der so vielen Sinn für Bildung und Wissenschaft hat wie Herr Leopold Langfelder, bei dieser