Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
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278 einfand, die Predigt und nachfolgende Konfirmation mit hohem Interesse anhörte und am Schluffe seine volle Befriedigung und Anerkennung dem ihn begleitenden Vorsteher, Herrn Kaufmann Ballin, in den gnädigsten Ausdrücken äußerte. — Wenn edle Fürsten uns solches Zeichen der Toleranz und der Theilnahme würdigen, dann mögen wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und uns über die betäubenden Verhandlungen in einem Nachbarlande trösten. Das Beispiel, auch das gute, steckt an und fordert zur Nachahmung auf. — Berichte über den Stand des Kultus. Hürden (Baiern), im März. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde, eine der reichsten und zahlreichsten in Baiern, sie zahlt ohngefähr 120 Gemeindeglieder, schließt alle Keime des Bessern in sich, aber sie werden von denen gewaltsamer Weise niedergetreken, die zu ihrer Pflege berufen sind. Es befinden sich hier sehr viele Handwerker, die ausschließlich von ihrer Hände Fleiß leben, mehrere nicht unbedeutende Kaufleutc; es herrscht sehr viel Sinn für Wohlthatigkeit, wiewol mehr für partielle als für großartige, allgemeine Zwecke. Es hat sich in kürzerer Zeit ein Holzverein gebildet, von welchem jährlich ein nicht unbedeutendes Quantum Holz an hiesige Arme vertheilt wird; außer diesem Verein verfolgen noch vier andere ihr menschenfreundliches Ziel und ein Humanitäts¬ und Jndustrieverein, über welchen diese Blätter schon berichtet haben, läßt sich die Verbreitung jüdischer Schriften angelegen sein und ist nicht wenig bemüht armen Jünglingen ein zweckmäßiges Handwerk erlernen zu lasten. An unserer Religions - und Elementarschule wirken drei Lehrer, und an unscrm jungen Rabbiner Herrn Schwarz besitzen wir einen klugen, gebildeten Mann. Wie überall regt sich, besonders unter dem nachkommenden Geschlecht, der Geist des Fortschritts, der Wunsch nach zeitgemäßer Umgestaltung unserer Institutionen, nach Ersetzung abgelebter Formen durch lebensfrische Einrichtungen nach dem Beispiele anderer Gemeinden. Man ist für die Religion und ihre Jntrcsten begeistert, muß aber schmerzlich gewahren, wie man die nichtssagendsten Gebräuche aufrecht zu erhalten, jede zeitgemäße Konzession hartnäckig verweigert und das durch die Nothwendigkeit und gegen den Willen der Wortführer eingedrungene Bessere über die Achsel anschaut, und nach Umständen als religionswidrig darzustellen sucht. In unserer schönen Synagoge wird man, trotz der vorhandenen Mittel, weder durch Ehorgesang, noch durch öfteres Predigen erbaut. Man glaubt sich vielmehr durch die vorgetragenen Ouvertüren und Triller bald in ein Theater bald in eine polnische Synagoge des vorigen Jahrhunderts versetzt. Außer rib und i'Hb, wofür ein besonderes Honorar ausgesetzt ist, hören wir nur selten eine Predigt, auch am tfi und & blieb die Kanzel stumm. Am Sabbat und Feiertagen sieht man bei diesem eine Kappe, bei jenem einen Hut und bei einem dritten sogar noch eine sogenannte breite Haube als Kopfbedeckung. Trifft es sich nun, daß ein Bekappter zur Tora berufen wird, so muß ec entweder von seinem Nachbar den Hut borgen, oder wenn ihm dieser nicht konvenirt, zur allgemeinen Belustigung die reservirte Allerwelts-Breite-Haube aufsetzen. In den erwähnten Predigten werden nicht die Bedürfnisse der Zeit gcwürdiget, sondern nur auf das Strafbare der Uebertretung eines äußern Gebrauchs oder die Nichtachtung irgend einer religiösen Observanz mit Fingern hingewiesen. Das Nasiren wurde schon ein Dutzend Mal von der Kanzel geworfen. Wirklich unmoralische, unjüdische Handlungsweisen, die wahres vwn veranlassen und durch deren Ausübung wir so manche Schmach und allgemeine Vorwürfe zu erdulden haben, werden gänzlich ignorirt. Die durch die Kreissynode verfaßte und von der k. Regierung bestätigte Synagogenordnung schreibt unter anderm die Abhaltung einer öffentlichen Konfirmation vor. Sie wurde auch einigemal zur Erbauung aller Bessergesinnten abgehaltcn. Unser Herr Rabbiner versteht es schon auf die Herzen zu wirken. Auf den Antrag einiger Eiferer wurde sie aber wieder abgestellt. Die in eben dieser Synagogenordnung gebotene Verkündigung der Brautpaare aber, wofür Gebühren bezahlt werden, bleibt streng eingehaltcn. Und wie wird erst gefeiert?! Wir erkennen es mit Dank an, daß der Rabbiner unsere Lehrer fleißig moralisirt, daß er ihnen die Erfüllung ihrer hohen Pflichten ans Herz legt, daß er sie zum fleißigen Besuch der Synagoge rc. ermahnet, allein wir würden dem Aabbiner lieber rathen, Thaten an die Stelle der Worte treten zu lassen; wir würden ihm rathen nicht wie bisher, nur alle 14 Tage einmal, sondern jeden Tag, oder wenigstens jede Woche zwei mal