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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-07 · Heft 19 (7.5.1842) · p. Seite 277

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 von Humboldt, als aufgeklärter Staatsmann eben so berühmt, wie als großer Gelehrter, hat besondern Theil daran, wie überhaupt Herr von Humboldt sich mit Energie gegen ein beschränkendes Gesetz erklärt, an welches er übrigens nicht glauben will. Ein Brief des Herrn von Humboldt, in Abschriften verbreitet und an einen der ersten Räthe Sr. Majestät gerichtet, erklärt, daß er die Gerüchte für falsch aufgefaßt halte, daß aber, wenn sie dennoch wahr sein sollten, ein solches Gesetz gegen alle Staatsklugheit streite, daß es die böswilligsten Interpretationen der eigentlichen Motive zulasse, und Rechte aufhebe, die ein menschlicheres Gesetz des Vaters bereits erwerben ließ, auch der Milde des jetzigen Königs ganz entgegen sei. Merkwürdig ist der Schluß dieses Schreibens, worin Herr von Humboldt sagt: „Es ist gefahrvolle Anmaßung der schwachen Menschheit, die uralten Gesetze Gottes auslegen zu wollen. Die Geschichte finstrer Jahrhunderte lehrt uns, zu welchen Abwegen solche Deutungen Muth geben. Die Besorgniß mir zu schaden, muß sie nicht abhalten, von diesen Zeilen Gebrauch zu machen. Man muß vor Allem den Muth einer Meinung haben." Aachen, 23. April. (Privatmitth.) Der durch seine Geschichte der deutschen Literatur, seine Dichtungen und Arbeiten, namentlich im „Telegraphen" rühmlichst bekannte vr. Ludwig Wihl eröffnet binnen Kurzem eine israelitische Erziehungsanstalt, wozu er sich der Mitwirkung bedeutender und bewährter Männer vergewissert hat. Man kann dies als ein gutes Ereigniß ansehen, dem gute Folgen entsprießen werden. Um so weniger kann man anstehen, die neue Anstalt dem Publikum zu empfehlen, und es auf sie aufmerksam zu machen. Deutschland. Aus Mittelfranken, im April. (Privatmitth.) In unseren politischen Verhältnissen ist es noch immer beim Alten und trotz der Nähe des Landtags hört man weder Seitens der Staatsregierung von vorbereitenden Arbeiten zu dem vielverheißnen Gesetzentwurf, welcher die gerechten Klagen der Juden beseitigen werde, noch Seitens dieser selbst von Schritten, welche eine Veränderung bezielen sollen. Die Fruchtlosigkeit aller bisherigen Versuche macht stumpf, aber man sollte doch nie aufhören zu petitioniren und auf sein Recht sich zu berufen. Hinsichtlich unsrer religiösen Verhältnisse aber leben wir einer bessern Hoffnung. Die Annäherung, welche zwischen dem Katholicismus und dem Protestantismus jetzt bei uns vor sich geht und die Erklärung des Königs, daß er keine Kopfhänger wolle und den Fanatismus verabscheue, laßt glauben, es werde dies auch auf unsre Verhältnisse influenziren. Schon spricht man davon, daß der Prozeß gegen den Rabbiner vr. Löwi in Fürth nicht zu seinem Nachtheil ausfallen werde, wenigstens haben die Zeloten die Hoffnung auf dessen Absetzung bereits aufgegeben. Dort herrscht ein nimmerendender Streit zwischen der aufgeklärten Gemeindeverwaltung und der am Hergebrachten hangenden Kipa d. i. Beerdigungsverein, die sich gegen eine verbesserte Leichenvrdnung stemmt und aus das Seitens des hohen Ministeriums ihr eingeräumte Recht pocht, sogar das Privateigenthum der Gemeinde, den Begräbnißplatz, beliebig vergeben zu dürfen. — In Ansbach hat der allgemein beliebte Rabbiner Grünbaum ohne Widerspruch eine Leichenordnung eingesührt, der Rabbiner in Schnaittach hat bei einem solchen Versuch den Kürzern gezogen. — Bon dem planlosen Lehrplan des Rabbiners W. in Sch., über welchen er mit allen seinen Lehrern und den treffenden Inspektionen im Streit liegt, ist in diesen Blättern schon die Rede gewesen, und es ist noch hinzuzufügen, daß seine Gemeinschädlichkeit fast allgemein anerkannt ist, und demnächst höhrer Entscheidung in diesem Sinne entgegengesehen werden kann. K. Oldenburg, 29. März. (Privatmitth.) Am vergangenen Sabbate, dem ersten Tage des Peßachfestes fand in der hiesigen Synagoge, nack Beendigung des üblichen Festgottesdienstes und an diesen sich anreihend, die erste Konfirmation Statt. Der Konfirmanden waren fünf, drei Knaben und zwei Mädchen. Auch hier bewährte diese Handlung ihren tiefergreifenden Eindruck auf die Konfirmanden selbst so wie auf die zahlreiche Versammlung. Freudig überrascht und in ihrer festlichen Stimmung erhöht wurde die Gemeinde durch die Anwesenheit Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, welcher, davon in Kenntniß gesetzt, in der Synagoge sich

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