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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-07 · Heft 19 (7.5.1842) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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eingesogene Borurtheile selbst über erhabene Naturen und große Geister ausüben können, zumal hier, da die Borurtheile gegen die Juden durch antijüdische Schriften genährt werden, während von denjenigen Schriften, welche unsere Rechte vertheidigen, wol selten eine zu uns herüberkommt. Es haben uns gebildete und hochgestellte Männer eingestanden, daß selbst zu einer Zeit, da sie sich zu einer humanen Denkungsart erhoben und fern davon waren, andere Konfessionsgenossen mit Verachtung anzusehen, daß sie selbst da beim Anblicke eines Juden sich eines mitleidigen Blickes, der an Verachtung grenzt, nicht erwehren konnten, bis sie endlich durch Bekanntschaft mit gebildeten Juden, sich vom Judcnthum eine würdigere Ansicht gebildet haben "). Erfreulich aber für uns ist's, daß man auch bei unfern Glaubensgenossen zuweilen das Verdienst zu schätzen und zu belohnen weiß. Ein Beleg hiefür ist der in einer frühern No. Ihres Blattes erwähnte vr. Mied. Weil aus Eichstetten im Breisgau, der sich seines würdigen Benehmens, seines wissenschaftlichen Rufes und seiner wackern Thätigkeit halber, der Gunst und des Wohlwollens nicht nur der Bürger, sondern auch der hochgestellten Männer Bern's zu erfreuen hat. Neben mehrern Gunstbezeugungen ward ihm auch diese, daß er jüngsthin zum Militärchirurgen ernannt wurde. Er ist der einzige Fremde der im Kanton Bern eine militärische Stelle bekleidet. Mögen andere junge Leute aus unserer Mitte daran Ermunterung finden. M. G. D. Preußen. Königsberg, 18. April. (Privatmitth.) Da ich aus den jüngsten Nummern der Allg. Zeit, des Judenth. ersehe, daß Sie die verschiedenen Aussprachen über die Angelegenheit der preußischen Judm zusammenstellen: so sende ich Ihnen anbei die Königsberger Zeitung vom 23. Marz, welche unter der Rubrik „Inländische Zustände" so frei und kräf-- tig spricht, wie gewiß keine andere preußische Zei- *) Abermals ein Beweis, wie nothwendig die von Herrn l)r. Steinheim projektirt« Emanzipations- Schriften-Kasse ist! D. Redakt. tung. Nachdem das allgemeine Gerücht hingestellt ist, heißt es da: „Wenn wir nicht irren, sehen wir hier denselben Geist, der uns die Phantome einer Adels-Reunion, der Erneuerung von Zünften und Innungen und mancher andern Dinge aus einer längst begrabenen Zeit vorführte. Auch das Judenthum soll in seiner frühern häßlichen Gestalt wiederhergestellt, es soll auf die Satzungen des Talmud und in die düstern, engen, schmutzigen Judengäßchen verwiesen werden. Das Band, das den Christen und den Juden jetzt schon zusammenhält, soll zerrissen, die aufkeimende Bruderliebe in den Haß der Feindschaft verwandelt werden. Ist das christlich gehandelt? Ist das Liebe, wenn wir den von uns stoßen, der in Gemeinschaft mit uns treten möchte? Ist das die ernste, vorurtheilfreie Gesinnung, die dem Gesetzgeber seine Aussprüche vorschreiben sollte? Liegt Bildung besonderer Korporationen der Juden, historische Entwickelung derselben abgesondert vom Staate, Beschränkung ihrer Besitzfähigkeit und ihrer Militärpflicht im Interesse der unter und mit uns lebenden Juden? Das Festhalten veralteter unzureichender Formen in ihrer feindlichen Absonderung — heißt dies die historische Entwickelung fortfetzen? Ist denn das Entziehen schon gewahrter Rechte der Weg, auf dem man das Judenthum dem Christenthume und der Gesammtbildung unserer Zeit zuzuführen gedenkt? — Gewiß auch würde die praktische Unausführbarkeit dieser Grundsätze sehr bald von ihrer Unrichtigkeit überzeugen; es würde in tausend Fällen zu der unangenehmsten Kollision mit den bestehenden Gesetzen des Staates und mit der össentlichen Meinung kommen, die gerechter als manche Theorieen des Vorurtheils schon lange die Juden als brave und tüchtige Bürger unseres Staates achten und lieben gelernt hat. Endlich wo bliebe der Geist der Gerechtigkeit, diese einzig sichere Grundlage bürgerlicher Verhältnisse, wenn ein Theil der Staatsbürger zu den Ausgaben und Abgaben des Staates gezwungen würde, ohne ihm das volle Aequivalent dafür zu bieten? Wenn daher die Ausführung der oben erfvähnten Grundsätze an diesen Schwierigkeiten scheitern I würde, so beruhen auf der andern Seite die Prin-! zipien, aus denen sie hervorgegangen sind, auf! falschen Voraussetzungen. Man will die jüdische

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