Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 den, darf Niemand ihr entsagen, ohne in die Klasse der Diebe ^rnd Mörder zu gehören. Je Ehr «tut .auLge, Hskhrrete Personen sie als trefflich .und die allemigeWahrheit bezeichnen, desto mehr nimmt die Duldung wenigstens den Schein des Allgemeinguts an; und so hätten wir nur den Schein immer mehr Ln's Sein zu verarbeiten. — -. Vor einigen Tagen las man Ln der Leipz. Allg. Zeit., daß der Geheimrath Streckfnß an die Gesellschaft der Freunde Ln Berlin ein Schreiben gerichtet, worin sie anfgefordert wird, dem Verein für den Ban des ^Kölner Dom's durch Geldbeiträge beizntreten. Er erinnerte, daß, „da jetzt viel von der Nationalität der Juden die Rede sei, sie bei dieser Gelegenheit beweisen könnten, daß sie wahre Deutsche seien." Wir gestehen, wir glauben nicht, daß dies Worte des Herrn Geheim raths sind, wir glauben vielmehr daß sie ein Zusatz sind, Len sich der Korrespondent der Leipz. Attg. Zeit, gestattet. Wer aber der Urheber derselben auch sei, er verdient gehörig auf die Finger geklopft zu werden. Ich würde dem Abfasser oder Bemerket erwidern: Hier kann nicht von der Billigung oder Mißbilligung des Kölner Domban's die Rede fein, auch nicht die Frage gestellt werden, ob wirklich dieser Bau ein ganz nationales Werk sei — das aber sei Ihnen gesagt, wenn Sie die Deutschheit der Juden von den Paar Groschen Beisteuer zum Ban einer großartigen Kirche abhängig machen, wenn Sie Ihr ttrtheil über die Nationalität von etwas Geldhergeben bestimmen lassen wollen: dann halte ich Ihre Nationalität für sebr schwach und geringfügig, für eine leichte, zerbrechliche Waare. Zuerst: unter den 30 Millionen Deutsche wird, hochgcrechnet, sich I Million für den Dombau interessiren, warum sollen nun die Juden ganz und gar unter diese 1 Million gestellt werden, und werden die anderen 29 Millionen nicht für Deutsche gelten sollend Alsdann: also weder Zusammenleben, zusammenstudiren, Zusammenarbeiten, zusammenkämpfen, zusammenleiden, alles Dies beweist Nichts für die Deutschheit der Juden, sondern erst wenn sie die Säckel öffnen, und Geld geben? Damit sotten die Juden keine Feuerprobe, sondern nur eine Geldprobe bestehen? Sie sollen auf den Zahltisch des Dombauvereins geworfen werden, ob sie wie rechte Münze klingen? Und das wäre es, daß die deutsche Nationalität mit Geld erkauft und erwiesen wird? — Und siebst Du nicht, Unsaubrer, der dies geschrieben, daß du gerade die edleren Juden abschreckest, auch ihre Kräfte für diesen Zweck aufznwenden, denn sie werden sagen: wir wollen nicht gezwungen sein, was aus gutem -Herzen ^kommen Euß, und was wir -nun auch thun, wird als zudringlich und ehrgriziger Mstcht verschrieenEerden! Doch — wir wollen dieses Zeitungsgeklatsch fahren lassen, wir wollen es vergessen, und thun: wozu der Geist uns treibt. Doch wissen möcht' ich, ob es wirklich der Gcheimrath Strrckfuß geschrieben, und was man darauf geantwortet? Zeitungsnachrichten. Norwegen. Christiania, 19. April. (Privatmitth.) Hinsichtlich des Antrags Wergelands beim Storthing, wegen Niederlassung der Juden in Norwegen, ist jetzt das Bedenken des Höchstengerichts, den §. 2 des Grundgesetzes betreffend, eingegangen. Die Pluralität des Gerichts hat sich für die Ansicht erklärt, daß die Ausschließung der Juden aus Norwegen nicht als Prinzip des Grundgesetzes angesehen werden kann, und daß also hinsichtlich des §. 112 desselben (über Veränderungen im Grundgesetz) kein Hinderniß obwaltet, daß der letzte Passus im gedachten §. (die Juden sind in Zukunft vom Zutritt in Norwegen ausgeschlossen) nach Wergelands Anträge ausfalle. — Die Schwerz. Endingen, 3. März. (Privatmitth.) Eine ganz eigene Erscheinung bietet das politische Berhältniß der Juden in der Schweiz dar. Sieht man welche freie Grundsätze namentlich die Verfassungen der regenerirten Kantone aufstellen, wie diese Grundsätze im Leben unverkümmert und ungeschmälert ausgeübt werden, so muß es befremden, warum gerade noch gegen die Juden die von mittelalterlicher Intoleranz strotzenden Gesetze statt haben. Dieses antisoziale inhumane Ausschließungssystem muß uns um so räthselhafter werden, wenn wir erfahren, daß in Mitte der hohen Negierungen ein Geist des Wohlwollens und der Liebe auch gegen uns sich kund thut, und daß man hier über engherzige Unduldsamkeit erhaben ist. Es müßte uns diese Erscheinung betrüben, wüßten wir nicht welchen Einfluß mit der Muttermilch